Saferinternet.at nennt gestaffelte Richtwerte: Unter 18 Monaten Verzicht, von 0 bis 3 Jahren 10 bis 15 Minuten am Stück und höchstens eine Stunde täglich, von 4 bis 5 Jahren 20 bis 30 Minuten. Ab sechs Jahren werden die Angaben offener.
Zur Ehrlichkeit gehört, dass diese Werte in den meisten Familien überschritten werden. Wer sie als Messlatte nimmt, hat jeden Tag verloren, bevor er beginnt.
Dieser Beitrag nennt die Zahlen, ordnet ein, was sie wert sind, und beschreibt, was stattdessen zählt. Der Überblick über den Bereich steht unter Medien & Bildschirmzeit.
Die Richtwerte im Überblick
Die folgende Übersicht gibt die Empfehlungen von Saferinternet.at wieder, der österreichischen Initiative für sichere Internetnutzung, die von mehreren Bundesministerien getragen wird.
| Alter | Am Stück | Pro Tag | Hinweis |
|---|---|---|---|
| unter 18 Monaten | — | gar nicht | Verzicht wird empfohlen |
| 0 bis 3 Jahre | 10 bis 15 Minuten | höchstens 1 Stunde | möglichst gemeinsam |
| 4 bis 5 Jahre | 20 bis 30 Minuten | höchstens 1 Stunde | nichts vor dem Schlafengehen |
| 6 bis 8 Jahre | — | kein festes Limit | Wochenbudget, Werktag und Wochenende getrennt |
| 8 bis 10 Jahre | — | individuell | abhängig von Schule, Verein, Freizeit |
| 10 bis 11 Jahre | — | 20 Minuten bis 2 Stunden | je nachdem, was das Kind sonst tut |
Warum die Angaben ab sechs offener werden
Auffällig an jeder seriösen Übersicht ist, dass sie für kleine Kinder Minuten nennt und ab dem Schulalter aufhört, das zu tun. Das ist kein Versäumnis, sondern eine Einsicht.
Mit dem Schuleintritt ändert sich, wofür Bildschirme genutzt werden. Ein Teil davon ist Schule, ein Teil ist Kontakt zu Freunden, ein Teil ist Unterhaltung – und diese drei lassen sich nicht sinnvoll in eine Zahl zusammenfassen.
Dazu kommt die Praxis. Ein Tageslimit erzeugt jeden Tag dieselbe Diskussion, während ein Wochenbudget die Entscheidung zum Kind verlagert und dabei etwas übt, das ein Tageslimit nie übt: einteilen.
Was die Richtwerte wert sind
Ehrlich gesagt: als Orientierung viel, als Messlatte wenig. Die Zahlen beschreiben einen Idealzustand, der in Familien mit berufstätigen Erwachsenen, Geschwistern und einem vollen Nachmittag selten erreichbar ist.
Wer sie trotzdem als Maßstab nimmt, erzeugt vor allem ein schlechtes Gewissen – und schlechtes Gewissen ist bei der Bildschirmfrage ein besonders schlechter Ratgeber, weil es zu Verboten führt, die nicht durchgehalten werden.
Brauchbarer ist, sie als Richtung zu lesen. Wer von drei Stunden auf zwei kommt, hat mehr erreicht als jemand, der sich eine Stunde vornimmt und nach zwei Wochen aufgibt.
Was mehr zählt als die Dauer
Eine Stunde gemeinsam angeschauter Tierfilm und eine Stunde allein durchgescrolltes Videoportal sind nicht dasselbe, obwohl die Uhr dasselbe sagt. Genau daran scheitern reine Zeitregeln.
Brauchbar sind drei Fragen statt einer. Erstens der Inhalt: Ist das etwas, das ein Kind weiterbringt, oder etwas, das nur die Zeit füllt? Zweitens die Begleitung: Ist jemand dabei, wird darüber gesprochen? Drittens der Zeitpunkt: Was verdrängt der Bildschirm gerade?
Die dritte Frage ist die wirksamste. Bildschirmzeit, die anstelle von Draußensein, Schlaf oder gemeinsamem Essen stattfindet, ist ein anderes Problem als Bildschirmzeit an einem Regensonntag.
Wie früh es beginnt
Eine Erhebung unter 400 Eltern im Auftrag von Saferinternet.at zeigt, wie früh der Einstieg tatsächlich stattfindet. 72 Prozent der 0- bis 6-Jährigen nutzen internetfähige Geräte zumindest gelegentlich, bei den 3- bis 6-Jährigen sind es 81 Prozent.
Der erste Kontakt findet im Schnitt mit einem Jahr statt, und verglichen mit 2013 hat sich die Nutzung bei den 3- bis 6-Jährigen von 41 auf 81 Prozent verdoppelt. Genutzt werden vor allem Tablets und Smartphones, am häufigsten werden Videos angesehen.
Bemerkenswert ist eine weitere Zahl: 57 Prozent der befragten Eltern geben an, bei der Nutzung immer dabei zu sein. Begleitung ist also üblicher, als die öffentliche Diskussion vermuten lässt.
Die eine Regel, die überall vorkommt
Bei allen Unterschieden zwischen den Empfehlungen gibt es eine Regel, die in praktisch jeder vorkommt: kein Bildschirm in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen. Saferinternet.at nennt sie schon für Vier- bis Fünfjährige ausdrücklich.
Der Grund liegt weniger im Licht als im Inhalt. Ein spannendes Video oder ein Spiel beschäftigt ein Kind noch, wenn es längst im Bett liegt, und genau das arbeitet gegen alles, was ein Abendritual leisten soll.
Praktisch hält sich diese Regel besser, wenn sie an etwas gekoppelt ist statt an eine Uhrzeit: Der Bildschirm endet vor dem Abendessen. Mehr dazu in Das Abendritual.
Wenn die Zeiten regelmäßig überschritten werden
Das ist der Normalfall und kein Anlass für ein Verbot. Wirksamer als eine Verschärfung ist eine Verlagerung: Wo der Bildschirm einen festen Platz im Tag hat, wird er seltener zum Dauerzustand.
Bewährt hat sich, ihn nach hinten zu legen – nach der Hausübung, nach dem Draußensein, vor dem Abendessen. Was danach kommt, ist Abendritual und damit ohnehin bildschirmfrei.
Hilfreich ist außerdem, eine Woche lang mitzuschreiben, wie viel tatsächlich zusammenkommt. Die gefühlte und die tatsächliche Dauer weichen in beide Richtungen ab, und ohne Zahl lässt sich schlecht verhandeln.
Wann es mehr als eine Regelfrage ist
Auffällig wird es nicht an der Stundenzahl, sondern daran, was der Bildschirm verdrängt. Anzeichen sind ein Rückzug aus Freundschaften und Hobbys, die ein Kind vorher gerne hatte, deutlich weniger Schlaf, ein Absinken der schulischen Leistungen und heftige Reaktionen beim Abschalten.
Ebenfalls einen Blick wert ist es, wenn ein Kind ausschließlich noch von einem Spiel spricht und andere Themen nicht mehr vorkommen.
Der Weg führt über die Kinderärztin oder den Kinderarzt und, wo die Schule betroffen ist, über die Lehrperson zur Schulpsychologie der Bildungsdirektion, deren Leistungen freiwillig, kostenlos und vertraulich sind.
Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.