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Familie · Lesen lernen

Lesen lernen

Der Weg vom ersten Buchstaben bis zum flüssigen Lesen – und was Eltern tun können, wenn er stockt.

Die 12 Beiträge zu diesem Thema

Darunter folgt der Überblick zum Thema.

Der Igel Igebitz und das Eichhörnchen Ellie sitzen auf einem bemoosten Baumstamm, ein aufgeschlagenes Buch liegt über beiden Knien, und Igebitz fährt mit einer Kralle langsam eine Zeile entlang.
Lesenlernen ist ein Weg über Stufen – und der wichtigste Teil davon ist Zeit.

Lesen lernen ist die größte intellektuelle Leistung der Volksschulzeit, und sie fällt Kindern unterschiedlich leicht. Manche lesen nach wenigen Monaten flüssig, andere brauchen zwei Jahre. Beides liegt im normalen Bereich.

Für Eltern ist das schwer auszuhalten, weil der Fortschritt lange unsichtbar bleibt und sich nichts zu bewegen scheint. Gleichzeitig ist kaum ein Bereich so voll mit widersprüchlichen Ratschlägen.

Dieser Bereich beschreibt, was im Kind beim Lesenlernen tatsächlich passiert, woran Eltern erkennen, an welcher Stelle es hakt, und was zu Hause etwas verändert. Welches Buch dabei passt, steht im Ratgeber unter Erstlesebücher wählen.

Wie lange dauert es, bis ein Kind lesen kann?

Länger, als die meisten Eltern erwarten. Die Buchstaben sind in der Regel im Lauf der ersten Schulstufe eingeführt, doch zwischen dem Kennen aller Buchstaben und dem flüssigen Lesen eines Textes liegen bei den meisten Kindern zwei bis drei weitere Jahre.

Der Grund liegt darin, dass Lesen nicht eine Fähigkeit ist, sondern mehrere, die nacheinander automatisiert werden müssen: Buchstaben erkennen, sie zu Lauten verbinden, aus den Lauten ein Wort bilden, das Wort verstehen und den Sinn über mehrere Sätze hinweg behalten. Solange die ersten Schritte noch Anstrengung kosten, bleibt für den letzten keine Kraft übrig.

Ein Kind, das am Ende der zweiten Schulstufe noch stockend liest, ist deshalb nicht zurück. Auffällig wird es erst, wenn sich über ein Schuljahr hinweg nichts verändert.

Welche Stufen ein Kind durchläuft

Die Lesedidaktik beschreibt den Weg seit Langem als Abfolge von Stufen. Am bekanntesten sind die Modelle von Uta Frith und Renate Valtin, die sich in den Bezeichnungen unterscheiden, im Ablauf aber übereinstimmen.

Die folgende Übersicht fasst sie in der Sprache zusammen, in der Eltern sie im Alltag wiedererkennen. Kinder durchlaufen die Stufen nicht sauber getrennt: Ein Kind kann seinen eigenen Namen längst auf einen Blick erkennen und gleichzeitig ein kurzes fremdes Wort mühsam zusammenlauten. Ausführlich mit Zeitangaben und der passenden Unterstützung je Stufe steht das unter Wie Kinder lesen lernen.

StufeWas das Kind tutWoran Eltern es erkennen
VorläuferAhmt Lesen nach, ohne zu lesenEs „liest“ ein auswendig gekanntes Buch mit umgeblätterten Seiten vor
WortbilderErkennt einzelne Wörter an ihrem AussehenDer eigene Name, „Mama“, Logos und Schilder werden erkannt
LautierenSetzt Buchstabe für Buchstabe zu einem Wort zusammenLautes, langsames M-au-s; danach oft die Frage, was da stand
GanzwörterErkennt häufige Wörter auf einen BlickKurze bekannte Wörter kommen sofort, lange werden noch zerlegt
AutomatisierungLiest, ohne über das Lesen nachzudenkenDas Kind liest still und kann danach erzählen, worum es ging

Warum Lesen am Anfang so anstrengend ist

Ein Kind auf der Lautier-Stufe hält beim Lesen eines einzigen Wortes mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf: die bereits gelesenen Laute, den aktuellen Buchstaben und die Vermutung, welches Wort daraus werden könnte. Kapazität für den Inhalt bleibt dabei kaum.

Genau daraus entsteht der Satz, den viele Eltern kennen: Das Kind hat einen Satz korrekt vorgelesen und weiß hinterher nicht, was darin stand. Kein Konzentrationsproblem, sondern eine ausgelastete Arbeitskapazität.

Für den Alltag folgt daraus eine unbequeme Regel: Solange das Lesen anstrengend ist, ist Nachfragen nach dem Inhalt keine Hilfe, sondern eine zusätzliche Aufgabe. Das Verständnis kommt von selbst zurück, sobald das Erlesen weniger Kraft kostet.

Woran Eltern erkennen, wo es hakt

Hilfreich ist, beim Zuhören auf die Art der Fehler zu achten statt auf ihre Anzahl. Wo ein Kind stolpert, verrät, an welcher Stelle der Kette es klemmt.

Ein Kind, das lange lautiert, aber richtig liest, steckt schlicht noch in einer frühen Stufe und braucht Zeit und Übung. Ein Kind, das flüssig klingt, aber Wörter durch ähnlich aussehende ersetzt, rät – und rät deshalb, weil ihm die Buchstabenfolge zu langsam kommt.

Wieder anders liegt der Fall, wenn ein Kind flüssig und richtig liest und trotzdem nicht sagen kann, worum es ging. Dann ist nicht die Lesetechnik das Thema, sondern das Verstehen, und dabei hilft Vorlesen mehr als Lesenüben. Die Richtwerte für Wörter pro Minute nach Schulstufe stehen unter Wie schnell soll ein Kind lesen können?.

Einmal pro Monat eine Minute mitschreiben. Das Kind liest eine Minute laut aus einem Buch, das es nicht kennt. Notiert werden die gelesenen Wörter und die Fehler. Aufgehoben in einem Heft, zeigt der Vergleich über ein halbes Jahr etwas, das im Alltag unsichtbar bleibt: Es geht voran. Als Anhaltspunkt gilt flüssiges Lesen bei rund 150 Wörtern pro Minute – ein Wert, den Volksschulkinder erst gegen Ende der Volksschulzeit erreichen.

Was zu Hause tatsächlich wirkt

Wirksam ist vor allem eines: lautes Lesen, kurz, täglich, gemeinsam. Die Lesedidaktik fasst die entsprechenden Übungsformen unter dem Begriff Lautleseverfahren zusammen, und sie sind unter den erforschten Methoden die mit der besten Wirkung auf die Leseflüssigkeit.

Konkret bedeutet das zwei Varianten. Beim wiederholten Lesen liest das Kind denselben kurzen Text mehrmals, bis er flüssig klingt – die Wiederholung ist kein Zeichen von Stillstand, sondern der eigentliche Wirkstoff. Beim begleitenden Lesen liest ein Erwachsener mit, entweder gleichzeitig, leicht zeitversetzt oder abwechselnd Satz für Satz.

Zehn Minuten täglich bringen dabei mehr als eine lange Einheit am Wochenende. Wie sich das ohne Streit einrichten lässt, steht in Lesen üben ohne Streit.

Was nicht wirkt

Wenig bringt, was das Lesen zur Prüfung macht. Dazu zählen das Verbessern jedes einzelnen Fehlers, das Abfragen des Inhalts nach jedem Absatz und der Satz, ein anderes Kind könne das schon längst.

Ebenso wenig hilft mehr Übungsmenge, wenn die Ursache nicht an der Menge liegt. Ein Kind, das rät, weil es die Buchstabenfolge zu langsam verarbeitet, rät nach dreißig Minuten genauso – nur unwilliger.

Auch Belohnungen für gelesene Seiten wirken kurzfristig und kippen langfristig: Sobald die Belohnung wegfällt, fällt das Lesen mit weg. Tragfähiger ist eine feste Zeit im Tagesablauf, die nicht verhandelt wird.

Vorlesen hört nicht auf, wenn das Kind selbst liest

Der häufigste Fehler in dieser Phase ist ein gut gemeinter: Sobald ein Kind selbst lesen kann, hören viele Familien mit dem Vorlesen auf. Der Vorlesemonitor 2024 zeigt genau dort die größte Lücke – rund um den Schulanfang wird am seltensten vorgelesen.

Vorgelesene Bücher dürfen deutlich schwieriger sein als selbst gelesene. Sie bauen Wortschatz auf, den ein Kind allein noch nicht erlesen könnte, und sie halten die Erfahrung wach, dass in Büchern etwas steckt, für das sich die Mühe lohnt.

Sinnvoll ist deshalb, beides nebeneinander laufen zu lassen: ein eigenes kurzes Lesen am Nachmittag und ein vorgelesenes Kapitel am Abend. Mehr dazu in Vom Vorlesen zum Selberlesen.

Wann eine Abklärung dazugehört

Es gibt einen Punkt, an dem mehr Üben die falsche Antwort ist. Erreicht ist er, wenn sich über ein Schuljahr hinweg trotz regelmäßiger Übung nichts verändert, wenn das Kind Wörter beim zweiten Lesen genauso wenig wiedererkennt wie beim ersten, oder wenn es beginnt, das Lesen körperlich zu vermeiden.

Der Weg führt in Österreich zunächst über die Lehrperson und von dort zur Schulpsychologie der Bildungsdirektion – ihre Leistungen sind freiwillig, kostenlos und vertraulich. Was dort geschieht und was der Unterschied zwischen Schwierigkeiten und einer diagnostizierten Störung ist, steht in Legasthenie und LRS in Österreich.

Eine Abklärung ist dabei kein Urteil über das Kind, sondern der Versuch, die richtige Hilfe zu finden. Je früher sie stattfindet, desto weniger Jahre verbringt ein Kind mit Übungen, die an seinem Problem vorbeigehen.

Wie viele Kinder Schwierigkeiten haben

Bei der internationalen Lesestudie PIRLS 2021 erreichte Österreich auf der vierten Schulstufe 530 Punkte und lag damit über dem internationalen Mittelwert. Gleichzeitig zählten 20 Prozent der getesteten Kinder zur Risikogruppe, also zu jenen, deren Lesefähigkeit für den weiteren Schulweg nicht ausreicht. 7 Prozent gehörten zur Spitzengruppe.

Bemerkenswert an der Erhebung ist der Abstand zwischen den Geschlechtern: Mädchen erreichten 14 Punkte mehr als Buben, der größte Unterschied seit 2006.

Für einzelne Familien sagen diese Zahlen wenig, für die Einordnung aber viel: Ein Kind, dem das Lesen schwerfällt, ist in einer österreichischen Volksschulklasse kein Einzelfall, sondern statistisch zu fünft.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Wie lange braucht ein Kind, um lesen zu lernen?
Die Buchstaben sind in der Regel im Lauf der ersten Schulstufe eingeführt, doch zwischen dem Kennen aller Buchstaben und dem flüssigen Lesen eines Textes liegen bei den meisten Kindern zwei bis drei weitere Jahre. Der Grund ist, dass Lesen nicht eine Fähigkeit ist, sondern mehrere, die nacheinander automatisiert werden müssen: Buchstaben erkennen, sie zu Lauten verbinden, daraus ein Wort bilden, das Wort verstehen und den Sinn über mehrere Sätze hinweg behalten. Solange die ersten Schritte Anstrengung kosten, bleibt für den letzten keine Kraft. Ein Kind, das am Ende der zweiten Schulstufe noch stockend liest, ist deshalb nicht zurück. Auffällig wird es erst, wenn sich über ein ganzes Schuljahr hinweg trotz regelmäßiger Übung nichts verändert – dann ist eine Abklärung sinnvoller als mehr Übung. Das Tempo sagt dabei nichts über die spätere Lesefähigkeit aus.
Welche Stufen durchläuft ein Kind beim Lesenlernen?
Die Lesedidaktik beschreibt den Weg als Abfolge von Stufen, am bekanntesten in den Modellen von Uta Frith und Renate Valtin. Zuerst ahmt ein Kind das Lesen nach, ohne zu lesen. Dann erkennt es einzelne Wörter an ihrem Aussehen, meist den eigenen Namen. Danach folgt das Lautieren, bei dem es Buchstabe für Buchstabe zu einem Wort zusammensetzt – die anstrengendste und längste Phase. Anschließend werden häufige Wörter auf einen Blick erkannt, und zuletzt läuft das Lesen automatisch ab, sodass Kapazität für den Inhalt frei wird. Kinder durchlaufen die Stufen nicht sauber getrennt: Der eigene Name kann längst auf einen Blick erkannt werden, während ein kurzes fremdes Wort noch mühsam zusammengelautet wird. Für Eltern ist es hilfreich zu wissen, auf welcher Stufe ihr Kind gerade steht, weil jede Stufe eine andere Unterstützung braucht: Auf der Lautier-Stufe hilft gemeinsames lautes Lesen, auf der Ganzwort-Stufe hilft Menge.
Warum versteht mein Kind nicht, was es gerade gelesen hat?
Weil beim Erlesen die gesamte Aufmerksamkeit gebunden ist. Ein Kind auf der Lautier-Stufe hält für ein einziges Wort mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf: die bereits gelesenen Laute, den aktuellen Buchstaben und die Vermutung, welches Wort daraus wird. Für den Inhalt bleibt dabei kaum Kapazität übrig, und genau daraus entsteht der bekannte Moment, in dem ein Kind einen Satz korrekt vorliest und hinterher nicht sagen kann, was darin stand. Ein Konzentrationsproblem ist das nicht. Für den Alltag folgt daraus, dass Nachfragen nach dem Inhalt in dieser Phase keine Hilfe ist, sondern eine zusätzliche Aufgabe. Das Verständnis kommt von selbst zurück, sobald das Erlesen weniger Kraft kostet – meist im Lauf der zweiten und dritten Schulstufe. Hilfreich ist in dieser Zeit, dem Kind den Inhalt nach dem Lesen selbst zu erzählen, statt ihn abzufragen – so bleibt die Geschichte erhalten, ohne dass eine weitere Aufgabe entsteht.
Was hilft zu Hause wirklich beim Lesenlernen?
Am besten belegt ist lautes Lesen: kurz, täglich und gemeinsam. Die Lesedidaktik fasst die entsprechenden Übungsformen als Lautleseverfahren zusammen; unter den erforschten Methoden haben sie die beste Wirkung auf die Leseflüssigkeit. Zwei Varianten sind praktikabel. Beim wiederholten Lesen liest das Kind denselben kurzen Text mehrmals, bis er flüssig klingt – die Wiederholung ist kein Zeichen von Stillstand, sondern der eigentliche Wirkstoff. Beim begleitenden Lesen liest ein Erwachsener mit, gleichzeitig, leicht zeitversetzt oder abwechselnd Satz für Satz. Zehn Minuten täglich bringen dabei mehr als eine lange Einheit am Wochenende, weil Automatisierung aus Häufigkeit entsteht und nicht aus Dauer. Wichtig ist außerdem der Text: Er sollte so leicht sein, dass das Kind ihn fast schafft, nicht so schwer, dass jedes zweite Wort hakt. Dafür genügt die Fünf-Finger-Probe auf einer vollen Seite.
Soll ich weiter vorlesen, wenn mein Kind selbst lesen kann?
Ja, und zwar möglichst lange. Der häufigste Fehler in dieser Phase ist ein gut gemeinter: Sobald ein Kind selbst liest, hören viele Familien mit dem Vorlesen auf. Der Vorlesemonitor 2024 zeigt genau dort die größte Lücke – rund um den Schulanfang wird am seltensten vorgelesen, obwohl 32,3 Prozent der Eltern von Kindern zwischen einem und acht Jahren ohnehin selten oder nie vorlesen. Vorgelesene Bücher dürfen deutlich schwieriger sein als selbst gelesene. Sie bauen Wortschatz auf, den ein Kind allein noch nicht erlesen könnte, und sie halten die Erfahrung wach, dass in Büchern etwas steckt, für das sich Mühe lohnt. Sinnvoll ist beides nebeneinander: kurzes eigenes Lesen am Nachmittag, ein vorgelesenes Kapitel am Abend. Auch ein Hörbuch ersetzt das Vorlesen nicht, weil dabei das Gespräch über die Geschichte fehlt – als Ergänzung für Autofahrten ist es trotzdem brauchbar.
Wie viele Wörter pro Minute sollte ein Kind lesen?
Als Anhaltspunkt für flüssiges Lesen gelten rund 150 Wörter pro Minute – ein Wert, den Kinder erst gegen Ende der Volksschulzeit erreichen und den man von einem Leseanfänger keinesfalls erwarten sollte. Aussagekräftiger als eine Zahl ist die eigene Entwicklung des Kindes. Dafür genügt eine Minute pro Monat: Das Kind liest laut aus einem Buch, das es nicht kennt, und es werden die gelesenen Wörter und die Fehler notiert. Aufgehoben in einem Heft, zeigt der Vergleich über ein halbes Jahr etwas, das im Alltag unsichtbar bleibt. In der Schule kommt in Österreich zusätzlich das Salzburger Lese-Screening zum Einsatz, ein dreiminütiges Verfahren, dessen Ergebnis als Lesequotient ausgewiesen wird. Wichtig ist, dem Kind die Zahlen nicht zu zeigen: Ein Wert, der als Bewertung ankommt, macht aus dem Lesen eine Prüfung, und genau das ist der zuverlässigste Weg, ein Kind vom Lesen wegzubringen.
Wann sollte ich Lese-Schwierigkeiten abklären lassen?
Wenn sich über ein Schuljahr hinweg trotz regelmäßiger Übung nichts verändert, wenn das Kind Wörter beim zweiten Lesen genauso wenig wiedererkennt wie beim ersten oder wenn es beginnt, das Lesen körperlich zu vermeiden. Mehr Üben ist an diesem Punkt die falsche Antwort. Der Weg führt in Österreich zunächst über die Lehrperson und von dort zur Schulpsychologie der Bildungsdirektion – ihre Leistungen sind freiwillig, kostenlos und vertraulich. Eine Abklärung ist kein Urteil über das Kind, sondern der Versuch, die passende Hilfe zu finden; je früher sie stattfindet, desto weniger Jahre verbringt ein Kind mit Übungen, die an seinem eigentlichen Problem vorbeigehen. Das Bildungsministerium regelt den Umgang mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten im Rundschreiben 24/2021. Bis zur Abklärung sollte das Üben nicht ausgesetzt, aber reduziert werden – kurze, gemeinsame Einheiten ohne Bewertung sind auch dann sinnvoll, wenn die Ursache noch unklar ist.
Wie viele Kinder haben in Österreich Schwierigkeiten beim Lesen?
Bei der internationalen Lesestudie PIRLS 2021 erreichte Österreich auf der vierten Schulstufe 530 Punkte und lag damit über dem internationalen Mittelwert von 503. Gleichzeitig zählten 20 Prozent der getesteten Kinder zur Risikogruppe, deren Lesefähigkeit für den weiteren Schulweg nicht ausreicht; 7 Prozent gehörten zur Spitzengruppe. Auffällig war der Abstand zwischen den Geschlechtern: Mädchen erreichten 14 Punkte mehr als Buben, der größte Unterschied seit 2006. Für einzelne Familien sagen solche Zahlen wenig, für die Einordnung aber viel. Ein Kind, dem das Lesen schwerfällt, ist in einer österreichischen Volksschulklasse kein Einzelfall, sondern rechnerisch eines von fünf. Diese Einordnung nimmt vielen Eltern einen Teil des Drucks, weil sie zeigt, dass es sich nicht um ein seltenes Versagen handelt, sondern um eine verbreitete Hürde, für die es in der Schule wie außerhalb Unterstützung gibt.
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