✨ Interaktive Kinderbuchlesungen für Volksschulen in Österreich ☎ +43 650 6107333  ·  Buch-Shop ↗
Familie · Familie mit mehreren Kindern

Wenn ein Kind mehr braucht

Was die Geschwister in dieser Zeit brauchen – und warum das unauffällige Kind das gefährdete ist.

Ein Wohnzimmer am Abend: auf der Couch sitzt ein Erwachsener eng bei einem Kind, im dunkleren Vordergrund sitzt ein zweites Kind mit dem Rücken zu ihnen allein am Boden und baut etwas.
Das unauffällige Geschwisterkind ist in solchen Zeiten das gefährdete.

In fast jeder Familie mit mehreren Kindern gibt es Phasen, in denen ein Kind deutlich mehr Aufmerksamkeit bindet: wegen einer Krankheit, einer Schwierigkeit in der Schule, einer Behinderung, eines Temperaments oder einfach, weil es gerade dran ist.

Das lässt sich nicht vermeiden. Was sich vermeiden lässt, ist die Version, in der niemand darüber spricht – denn nach der Forschungslage schadet nicht die ungleiche Behandlung, sondern das Erleben von Willkür.

Dieser Beitrag beschreibt, was die Geschwister brauchen und wie man es benennt. Der Überblick steht unter Familie mit mehreren Kindern.

Warum das unvermeidlich ist

Ein Kind mit hohem Fieber bekommt mehr Aufmerksamkeit als seine Geschwister, und das ist richtig. Dasselbe gilt für ein Kind mit einer Lernschwierigkeit, für eines nach einem Unfall und für eines, das sich gerade sehr schwertut.

Die Forschung zur ungleichen Behandlung in Familien zeigt ohnehin, dass Unterschiede der Normalfall sind: Eine Auswertung aus 30 Arbeiten und 14 Datenbanken mit 19.469 Teilnehmenden findet klare Muster nach Geschlecht, Persönlichkeit und Geburtsposition.

Bedeutsam ist die Folge: Kinder, die sich benachteiligt sehen, berichten von schlechterer psychischer Gesundheit und angespannteren Familienbeziehungen. Entscheidend ist damit nicht der Unterschied, sondern sein Erleben.

Zwei Sätze verändern die ganze Lage. Kinder ertragen Ungleichheit erstaunlich gut, solange sie einen Grund kennt und ein Ende absehbar ist – und beides lässt sich in zwei Sätzen sagen: »Der Tobias braucht gerade mehr, weil er die Übungen machen muss. Das ist bis zu den Ferien so.« Was Kinder schlecht ertragen, ist die Version ohne Erklärung, in der sie sich das Fehlende selbst zusammenreimen.

Das unauffällige Kind

Der am häufigsten übersehene Punkt betrifft nicht das Kind, das mehr braucht, sondern das, das gerade keine Probleme macht. In Phasen der Belastung ist es genau dieses Kind, das jemanden braucht.

Der Mechanismus ist nachvollziehbar. Ein Kind, das spürt, dass die Familie belastet ist, macht sich unauffällig – und wird dafür nicht belohnt, sondern übersehen. Manche Kinder werden in solchen Zeiten auffällig brav.

Wirksam ist deshalb, gerade dieses Kind aktiv zu suchen. Die einfachste Prüfung ist die Frage, wann man das letzte Mal allein mit ihm war, ohne Zweck und ohne Termin.

Was den Geschwistern hilft

Drei Dinge wirken, und alle drei sind klein. Das erste ist verlässliche Zeit allein, mehrmals pro Woche, zehn bis fünfzehn Minuten – nicht mehr, aber tatsächlich stattfindend.

Das zweite ist Information. Kinder brauchen keine Einzelheiten über eine Diagnose, aber sie brauchen zu wissen, was passiert, wie lange es dauert und was sich für sie ändert.

Das dritte ist ein eigener Bereich, in dem das andere Thema nicht vorkommt. Ein Verein, eine Freundin, eine Großmutter – ein Ort, an dem ein Kind nicht das Geschwisterkind von jemandem ist.

Was Geschwister brauchenWie es geht
Verlässliche eigene Zeit10 bis 15 Minuten, mehrmals pro Woche, im Kalender
Informationkurz, altersgerecht, mit Zeitangabe
Ein eigener BereichVerein, Freundschaften, Zeit bei Verwandten
Das Recht auf UnmutÄrger über die Lage darf gesagt werden
Keine ErwachsenenrolleBetreuungsaufgaben begrenzt und benannt
Eine verlässliche Zukunftein Zeitpunkt, an dem etwas anders wird

Das Recht auf Unmut

Geschwister eines Kindes, das mehr braucht, entwickeln häufig Ärger – und ebenso häufig Schuldgefühle darüber. Diese Verbindung ist die eigentliche Belastung, und sie lässt sich auflösen.

Wirksam ist, den Ärger ausdrücklich zu erlauben. Ein Satz wie »Es ist in Ordnung, wenn dich das ärgert« nimmt dem Kind die zweite Last, nämlich die, dass es das nicht empfinden dürfte.

Ungünstig ist die Ermahnung zur Rücksicht. »Du musst verstehen, dass …« erzeugt Verständnis auf der Oberfläche und Ärger darunter, und der Ärger richtet sich dann auf das Geschwisterkind.

Wenn die Phase lange dauert

Bei einer Krankheit von zwei Wochen genügen Erklärung und Zuwendung. Bei einer chronischen Erkrankung, einer Behinderung oder einer langen Therapie braucht die Lage eine eigene Struktur.

Brauchbar ist, die Zeit für die Geschwister ebenso fest einzuplanen wie die Termine des betroffenen Kindes. Was im Kalender steht, findet statt; was gut gemeint ist, fällt zuerst aus.

Ebenso brauchbar ist die Verteilung auf mehrere Erwachsene. Großeltern, Paten, Freunde der Familie können in solchen Phasen genau das übernehmen, was Eltern gerade nicht leisten können – und das ist keine Auslagerung, sondern Entlastung für alle.

Was Geschwister nicht leisten sollen

Betreuungsaufgaben für Geschwister sind in Maßen sinnvoll und werden in belasteten Phasen leicht zu viel. Ein Kind, das regelmäßig für ein anderes zuständig ist, übernimmt eine Erwachsenenrolle.

Brauchbar ist eine klare Grenze: gelegentlich mithelfen ja, verantwortlich sein nein. Wer auf ein Geschwisterkind aufpasst, tut das für eine begrenzte Zeit und mit einem Erwachsenen in Reichweite.

Ebenso wichtig ist, Hilfe zu benennen statt sie vorauszusetzen. Ein Kind, dessen Mithilfe selbstverständlich geworden ist, erlebt sie irgendwann als Pflicht – und dann wird sie zum Teil des Ärgers.

Wie man mit dem betroffenen Kind umgeht

Auch das Kind, das mehr braucht, hat einen Nachteil in dieser Lage, und er wird selten gesehen: Es erlebt sich als der Grund für die Belastung der Familie.

Wirksam ist deshalb, die Sache nicht als Problem dieses Kindes zu behandeln, sondern als Aufgabe der Familie. »Wir machen das jetzt so« ist ein anderer Satz als »wegen dir müssen wir das jetzt so machen«.

Ebenso wirksam ist, dem betroffenen Kind Zeit zu geben, in der es nicht um seine Schwierigkeit geht. Auch dieses Kind braucht Exklusivzeit, und zwar eine ohne Übungen, Therapie und Termine.

Wann Unterstützung von außen sinnvoll ist

Wenn ein Geschwisterkind über Monate auffällig zurücktritt, wenn es in der Schule abfällt, wenn es sich aus Freundschaften zurückzieht oder wenn körperliche Beschwerden dazukommen, gehört das besprochen.

Zuständig sind die Kinderärztin und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die freiwillig, kostenlos und vertraulich ist. Daneben gibt es in Österreich Familienberatungsstellen und, bei chronischer Erkrankung eines Kindes, eigene Angebote für Geschwister.

Wichtig ist, danach zu fragen. Geschwisterangebote gibt es häufiger, als Eltern wissen, und sie werden fast nie von selbst angeboten – die Frage danach gehört in jedes Gespräch mit einer Beratungsstelle.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Ist es schlimm, wenn ein Kind mehr Aufmerksamkeit bekommt?
Nicht der Unterschied ist das Problem, sondern sein Erleben. Die Forschung zur ungleichen Behandlung in Familien zeigt, dass Unterschiede der Normalfall sind: Eine Auswertung aus 30 Arbeiten und 14 Datenbanken mit 19.469 Teilnehmenden findet klare Muster nach Geschlecht, Persönlichkeit und Geburtsposition. Bedeutsam ist die Folge – Kinder, die sich benachteiligt sehen, berichten von schlechterer psychischer Gesundheit und angespannteren Familienbeziehungen. Kinder ertragen Ungleichheit dagegen erstaunlich gut, solange sie einen Grund kennt und ein Ende absehbar ist. Schlecht ertragen sie die Version, in der niemand darüber spricht. Schlecht ertragen Kinder die Version, in der niemand darüber spricht. Ein Grund und ein Ende machen Ungleichheit erträglich. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Wie erklärt man es den Geschwistern?
In zwei Sätzen, die den Grund und das Ende nennen: »Der Tobias braucht gerade mehr, weil er die Übungen machen muss. Das ist bis zu den Ferien so.« Mehr braucht es nicht, und Einzelheiten über eine Diagnose gehören nicht dazu – Kinder brauchen zu wissen, was passiert, wie lange es dauert und was sich für sie ändert. Was Kinder schlecht ertragen, ist die Version ohne Erklärung, in der sie sich das Fehlende selbst zusammenreimen; und was sie sich zusammenreimen, ist meist schlimmer als die Wirklichkeit. Wiederholt gehört die Erklärung außerdem, weil sich die Lage verändert und Kinder das mitbekommen sollen. Was Kinder sich selbst zusammenreimen, ist meist schlimmer als die Wirklichkeit. Wiederholt gehört die Erklärung, weil sich die Lage verändert. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Welches Kind ist in solchen Phasen gefährdet?
Das unauffällige. Der am häufigsten übersehene Punkt betrifft nicht das Kind, das mehr braucht, sondern das, das gerade keine Probleme macht – in Phasen der Belastung ist es genau dieses Kind, das jemanden braucht. Der Mechanismus ist nachvollziehbar: Ein Kind, das spürt, dass die Familie belastet ist, macht sich unauffällig und wird dafür nicht belohnt, sondern übersehen. Manche Kinder werden in solchen Zeiten auffällig brav, und gerade das ist ein Signal. Wirksam ist deshalb, dieses Kind aktiv zu suchen, und die einfachste Prüfung ist die Frage, wann man das letzte Mal allein mit ihm war, ohne Zweck und ohne Termin. Auffällig braves Verhalten ist in solchen Phasen selbst ein Signal. Gesucht werden muss dieses Kind aktiv, weil es sich nicht meldet. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Was hilft den Geschwistern konkret?
Drei Dinge, und alle drei sind klein. Das erste ist verlässliche Zeit allein, mehrmals pro Woche, zehn bis fünfzehn Minuten – nicht mehr, aber tatsächlich stattfindend und im Kalender eingetragen. Das zweite ist Information: kurz, altersgerecht und mit einer Zeitangabe, damit die Lage ein Ende hat. Das dritte ist ein eigener Bereich, in dem das andere Thema nicht vorkommt – ein Verein, eine Freundin, eine Großmutter; ein Ort, an dem ein Kind nicht das Geschwisterkind von jemandem ist. Dazu kommt das Recht auf Unmut: Ärger über die Lage darf gesagt werden, ohne dass er kommentiert wird. Was im Kalender steht, findet statt; was gut gemeint ist, fällt zuerst aus. Ein eigener Bereich außerhalb der Familie entlastet am meisten. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Wie geht man mit dem Ärger der Geschwister um?
Man erlaubt ihn ausdrücklich. Geschwister eines Kindes, das mehr braucht, entwickeln häufig Ärger – und ebenso häufig Schuldgefühle darüber; diese Verbindung ist die eigentliche Belastung. Wirksam ist ein Satz wie »Es ist in Ordnung, wenn dich das ärgert«, weil er dem Kind die zweite Last nimmt, nämlich die, dass es das nicht empfinden dürfte. Ungünstig ist die Ermahnung zur Rücksicht: »Du musst verstehen, dass …« erzeugt Verständnis auf der Oberfläche und Ärger darunter, und dieser Ärger richtet sich dann auf das Geschwisterkind statt auf die Lage. Das ist der Punkt, an dem aus einer Phase ein dauerhafter Konflikt wird. Das ist der Punkt, an dem aus einer Phase ein dauerhafter Konflikt wird. Verständnis auf Anordnung erzeugt Ärger darunter. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Was, wenn die Phase Monate oder Jahre dauert?
Dann braucht sie eine eigene Struktur. Bei einer Krankheit von zwei Wochen genügen Erklärung und Zuwendung; bei einer chronischen Erkrankung, einer Behinderung oder einer langen Therapie reicht das nicht. Brauchbar ist, die Zeit für die Geschwister ebenso fest einzuplanen wie die Termine des betroffenen Kindes – was im Kalender steht, findet statt, und was gut gemeint ist, fällt zuerst aus. Ebenso brauchbar ist die Verteilung auf mehrere Erwachsene: Großeltern, Paten und Freunde der Familie können in solchen Phasen genau das übernehmen, was Eltern gerade nicht leisten können, und das ist keine Auslagerung, sondern Entlastung für alle. Die Verteilung auf mehrere Erwachsene ist keine Auslagerung, sondern Entlastung für alle. Bei langen Phasen braucht die Sache eine eigene Struktur. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Wie viel sollen Geschwister mithelfen?
Gelegentlich ja, verantwortlich sein nein. Betreuungsaufgaben für Geschwister sind in Maßen sinnvoll und werden in belasteten Phasen leicht zu viel: Ein Kind, das regelmäßig für ein anderes zuständig ist, übernimmt eine Erwachsenenrolle, die ihm nicht zusteht. Brauchbar ist eine klare Grenze – wer auf ein Geschwisterkind aufpasst, tut das für eine begrenzte Zeit und mit einem Erwachsenen in Reichweite. Ebenso wichtig ist, Hilfe zu benennen statt sie vorauszusetzen: Ein Kind, dessen Mithilfe selbstverständlich geworden ist, erlebt sie irgendwann als Pflicht, und dann wird sie zum Teil des Ärgers statt zu einem Beitrag. Aus einem Beitrag wird sonst eine Pflicht, und dann wird sie zum Teil des Ärgers. Ein Erwachsener bleibt dabei in Reichweite. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Wann sollte man Unterstützung holen?
Wenn ein Geschwisterkind über Monate auffällig zurücktritt, wenn es in der Schule abfällt, wenn es sich aus Freundschaften zurückzieht oder wenn körperliche Beschwerden dazukommen. Zuständig sind die Kinderärztin und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die freiwillig, kostenlos und vertraulich ist. Daneben gibt es in Österreich Familienberatungsstellen und, bei chronischer Erkrankung eines Kindes, eigene Angebote für Geschwister. Wichtig ist, danach zu fragen: Solche Geschwisterangebote gibt es häufiger, als Eltern wissen, und sie werden fast nie von selbst angeboten – die Frage gehört in jedes Beratungsgespräch. Geschwisterangebote gibt es häufiger, als Eltern wissen, und sie werden fast nie von selbst angeboten. Auch das betroffene Kind braucht Zeit ohne Therapie und Termine. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Passende Bücher

Dazu passende Bücher

Weiterlesen

Passende Beiträge

Newsletter

Neue Geschichten & Gratis-Material

Erhalte Lese- und Vorlesetipps, kostenlose Igebitz-Downloads und Neuigkeiten zu Büchern & Lesungen – ca. einmal im Monat, jederzeit abbestellbar.