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Familie · Übergänge

Der Kindergartenstart

Wie die Eingewöhnung abläuft, wie lange sie dauert und warum die zweite Woche oft die schwerste ist.

Eine Kindergartengarderobe am Morgen: ein Kind steht an einer niedrigen Bank, ein Erwachsener hockt davor und hilft mit der Jacke; an der Wand hängen tiefe Haken mit Bildsymbolen darüber.
Die Eingewöhnung braucht Wochen, nicht Tage – und die zweite Woche ist oft die schwerste.

Eine Eingewöhnung dauert nach dem verbreiteten Berliner Modell etwa zwei bis vier Wochen und verläuft in fünf Phasen. Sie beginnt mit rund drei Tagen, an denen eine Bezugsperson dabeibleibt, und endet damit, dass diese nicht mehr vor Ort sein muss.

Für Eltern ist vor allem ein Punkt überraschend: Die zweite Woche ist oft schwerer als die erste. Das ist kein Rückschritt, sondern ein Zeichen dafür, dass das Kind die Sache verstanden hat.

Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf, die österreichische Regelung und die Fehler, die sich vermeiden lassen. Der Überblick über alle Übergänge steht unter Übergänge & schwierige Zeiten.

Wie eine Eingewöhnung abläuft

Die meisten Einrichtungen arbeiten nach einem der beiden etablierten Modelle. Verbreiteter ist das Berliner Modell, das den Ablauf in fünf klar getrennte Phasen gliedert und dem Kind dabei Zeit gibt, die Fachkraft als verlässlich zu erleben.

Die folgende Übersicht fasst die Phasen zusammen. Die Zeitangaben sind Anhaltspunkte – ein Kind, das mehr Zeit braucht, bekommt sie, und das ist ausdrücklich vorgesehen.

PhaseDauerWas passiert
Informationsphasevor dem StartGespräch zwischen Eltern und Einrichtung über das Kind
Grundphaseetwa 3 TageBezugsperson bleibt dabei, das Kind ist 2 bis 3 Stunden in der Gruppe
Erster Trennungsversuch4. TagKurze Trennung; die Reaktion entscheidet über das weitere Tempo
Stabilisierungsphasemehrere TageDie Fachkraft übernimmt schrittweise Wickeln, Essen, Trösten
Schlussphasezum AbschlussDie Bezugsperson ist erreichbar, aber nicht mehr vor Ort
Den Abschied kurz halten – und nie heimlich gehen. Ein langer Abschied verlängert das Weinen, ein heimlicher zerstört das Vertrauen. Brauchbar ist ein immer gleicher kurzer Ablauf: einmal umarmen, einen festen Satz sagen, gehen. Was zählt, ist die Wiederholung, nicht die Länge – und dass das Kind weiß, dass niemand verschwindet, ohne sich zu verabschieden.

Das Münchener Modell

Neben dem Berliner Modell gibt es das Münchener, das in fünf ähnlichen Schritten verläuft, aber einen anderen Schwerpunkt setzt. Die Kindergruppe selbst übernimmt dort eine aktive Rolle: Die anderen Kinder holen das neue Kind gewissermaßen ab.

Der Unterschied liegt vor allem in der Sicht auf das Kind. Das Berliner Modell behandelt es stärker als jemanden, der begleitet wird; das Münchener als jemanden, der selbst mitgestaltet und über eigene Fähigkeiten verfügt.

Für Familien ist die Unterscheidung weniger wichtig als die Frage, ob die Einrichtung überhaupt nach einem Modell arbeitet. Wer keines nennt, wird sie danach fragen wollen.

Warum die zweite Woche oft schwerer ist

Viele Kinder kommen durch die ersten Tage auffallend gut und beginnen in der zweiten Woche zu weinen. Für Eltern fühlt sich das an wie ein Rückschritt, ist aber das Gegenteil.

Was in dieser Zeit passiert, ist Verstehen. Das Kind begreift, dass es sich nicht um einen einmaligen Besuch handelt, sondern um etwas, das jeden Tag wieder passiert – und das ist eine andere Nachricht als die der ersten Woche.

Praktisch heißt das, in dieser Phase nichts zu ändern. Wer jetzt das Tempo zurücknimmt, verlängert die Eingewöhnung; wer sie abbricht, beginnt später von vorn.

Was in Österreich geregelt ist

Für das letzte Kindergartenjahr besteht in Österreich eine Besuchspflicht. Kinder, die bis zum 31. August des jeweiligen Jahres das fünfte Lebensjahr vollendet haben, besuchen den Kindergarten an fünf Werktagen pro Woche im Ausmaß von 20 Stunden, grundsätzlich an Vormittagen.

Die Pflicht gilt während des gesamten Arbeitsjahres mit Ausnahme der schulfreien Tage und endet mit dem 31. August nach Vollendung des sechsten Lebensjahres. Geregelt ist sie in den Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzen der Länder, in Oberösterreich in § 3a.

Ausnahmen gibt es für Kinder, die die Schule vorzeitig besuchen, sowie über einen Antrag auf häusliche Vorbereitung auf den Schulbesuch. Angemeldet wird rechtzeitig in einem Kindergarten der Hauptwohnsitzgemeinde.

Was vorher hilft

Wirksam ist alles, was das Neue vorher weniger neu macht. Ein Kind, das den Weg kennt, das Gebäude schon einmal von außen gesehen hat und den Namen der Pädagogin sagen kann, startet mit deutlich weniger Unbekanntem.

Brauchbar sind konkrete Erzählungen statt allgemeiner Vorfreude. Was passiert am Vormittag, wann gibt es die Jause, wo hängt die Jacke, wer holt ab – Vorhersehbarkeit wirkt bei Übergängen stärker als jede Ermutigung.

Hilfreich ist außerdem ein vertrauter Gegenstand, der mitdarf. Ein Kuscheltier oder ein Tuch, das nach zu Hause riecht, ist kein Rückschritt, sondern eine Brücke – und es verschwindet von selbst, sobald es nicht mehr gebraucht wird.

Was den Start erschwert

An erster Stelle steht die Häufung. Wer den Kindergartenstart mit dem Ende der Windel, dem Umzug ins eigene Zimmer oder der Geburt eines Geschwisterkindes verbindet, spart Zeit und zahlt sie doppelt zurück. Alles Verschiebbare wird verschoben, am besten um mindestens vier Wochen.

An zweiter Stelle steht der eigene Zustand. Kinder lesen die Anspannung der Erwachsenen sehr genau, und ein Abschied, der den Eltern schwerfällt, fällt auch dem Kind schwer – das ist kein Vorwurf, sondern ein Grund, sich selbst Zeit zu nehmen.

An dritter Stelle steht die zu kurze Planung. Wer den Start eine Woche vor dem Wiedereinstieg in den Beruf legt, hat keinen Spielraum, und genau dieser Spielraum ist das, was eine Eingewöhnung braucht.

Wenn es nach Wochen nicht besser wird

Eine Eingewöhnung, die sich über Wochen hinzieht, ohne dass sich etwas bessert, ist kein Versagen des Kindes und meist auch keine Frage der Ausdauer.

Sinnvoll ist dann das Gespräch mit der Einrichtung, und zwar mit einer konkreten Frage: Wie verhält sich das Kind, wenn die Eltern weg sind? Viele Kinder beruhigen sich innerhalb weniger Minuten, und diese Information verändert die Lage für Eltern erheblich.

Bleibt es auch danach schwierig, lohnt der Blick auf die Passung – Gruppengröße, Tagesablauf, Bezugsperson. Und wo ein Kind über Wochen erkennbar leidet, gehört das zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt.

Der Übergang danach

Die Eingewöhnung endet nicht mit der letzten Phase. Üblich ist, dass ein Kind nach einigen Wochen noch einmal schwierige Tage hat, etwa nach einer Krankheit oder nach den ersten längeren Ferien.

Solche Rückfälle sind erwartbar und gehen schneller vorbei als beim ersten Mal. Hilfreich ist, dann nicht wieder von vorn zu beginnen, sondern den gewohnten Ablauf beizubehalten – die Struktur trägt, auch wenn das Kind gerade nicht hinein möchte.

Der nächste größere Übergang folgt mit dem Schuleintritt. Was dann ansteht, steht unter Schulstart & Volksschule.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Wie lange dauert die Eingewöhnung im Kindergarten?
Nach dem verbreiteten Berliner Modell etwa zwei bis vier Wochen. Sie verläuft in fünf Phasen: einem Informationsgespräch vor dem Start, einer Grundphase von rund drei Tagen, in denen eine Bezugsperson dabeibleibt und das Kind zwei bis drei Stunden in der Gruppe verbringt, einem ersten Trennungsversuch am vierten Tag, einer Stabilisierungsphase, in der die Fachkraft schrittweise Wickeln, Essen und Trösten übernimmt, und einer Schlussphase, in der die Bezugsperson erreichbar, aber nicht mehr vor Ort ist. Die Zeitangaben sind Anhaltspunkte – ein Kind, das mehr Zeit braucht, bekommt sie, und das ist ausdrücklich vorgesehen. Wer weniger Zeit einplant, hat in vielen Fällen später mehr davon gebraucht: Die Eingewöhnung lässt sich strecken, aber schlecht abkürzen. Das Münchener Modell verläuft ähnlich, bezieht aber die anderen Kinder der Gruppe stärker ein.
Warum weint mein Kind in der zweiten Woche mehr als in der ersten?
Weil es die Sache verstanden hat. Viele Kinder kommen durch die ersten Tage auffallend gut und beginnen erst in der zweiten Woche zu weinen; für Eltern fühlt sich das an wie ein Rückschritt, ist aber das Gegenteil. Was in dieser Zeit passiert, ist Verstehen: Das Kind begreift, dass es sich nicht um einen einmaligen Besuch handelt, sondern um etwas, das jeden Tag wieder passiert – und das ist eine andere Nachricht als die der ersten Woche. Praktisch heißt das, in dieser Phase nichts zu ändern. Wer jetzt das Tempo zurücknimmt, verlängert die Eingewöhnung; wer sie abbricht, beginnt später von vorn. Für Eltern ist das eine entlastende Einordnung, weil sie den zweiten schlechten Abschnitt als Teil des Weges erkennbar macht und nicht als Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Wer jetzt das Tempo zurücknimmt, verlängert die Eingewöhnung; wer sie abbricht, beginnt später von vorn.
Wie verabschiedet man sich richtig?
Kurz, immer gleich und niemals heimlich. Ein langer Abschied verlängert das Weinen, weil er dem Kind signalisiert, dass die Sache verhandelbar ist; ein heimlicher zerstört das Vertrauen, weil das Kind danach nicht mehr weiß, wann jemand verschwindet. Brauchbar ist ein immer gleicher kurzer Ablauf: einmal umarmen, einen festen Satz sagen, gehen. Was zählt, ist die Wiederholung und nicht die Länge – nach wenigen Tagen kennt das Kind den Ablauf und weiß, was als Nächstes kommt. Wichtig ist außerdem, das Versprechen einzuhalten: Wer sagt, er kommt nach der Jause, kommt nach der Jause und nicht später. Ein Kind, das erlebt, dass sich niemand heimlich davonmacht, lässt sich beim nächsten Mal leichter verabschieden – die ersten Tage entscheiden hier über die nächsten Wochen. Wichtig ist außerdem, das Versprechen einzuhalten: Wer sagt, er komme nach der Jause, kommt nach der Jause.
Ist der Kindergarten in Österreich verpflichtend?
Das letzte Jahr ja. Kinder, die bis zum 31. August des jeweiligen Jahres das fünfte Lebensjahr vollendet haben, besuchen den Kindergarten verpflichtend an fünf Werktagen pro Woche im Ausmaß von 20 Stunden, grundsätzlich an Vormittagen. Die Pflicht gilt während des gesamten Arbeitsjahres mit Ausnahme der schulfreien Tage und endet mit dem 31. August nach Vollendung des sechsten Lebensjahres. Geregelt ist sie in den Kinderbildungs- und -betreuungsgesetzen der Länder, in Oberösterreich in § 3a. Ausnahmen bestehen für Kinder, die die Schule vorzeitig besuchen, sowie über einen Antrag auf häusliche Vorbereitung auf den Schulbesuch. Angemeldet wird rechtzeitig in einem Kindergarten der Hauptwohnsitzgemeinde, damit die Pflicht auch erfüllbar ist. Ausnahmen bestehen für Kinder, die die Schule vorzeitig besuchen, sowie über einen Antrag auf häusliche Vorbereitung.
Was hilft vor dem Kindergartenstart?
Alles, was das Neue vorher weniger neu macht. Ein Kind, das den Weg kennt, das Gebäude schon einmal von außen gesehen hat und den Namen der Pädagogin sagen kann, startet mit deutlich weniger Unbekanntem. Brauchbar sind konkrete Erzählungen statt allgemeiner Vorfreude: Was passiert am Vormittag, wann gibt es die Jause, wo hängt die Jacke, wer holt ab? Vorhersehbarkeit wirkt bei Übergängen stärker als jede Ermutigung. Hilfreich ist außerdem ein vertrauter Gegenstand, der mitdarf – ein Kuscheltier oder ein Tuch, das nach zu Hause riecht, ist kein Rückschritt, sondern eine Brücke, und es verschwindet von selbst, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Sinnvoll ist außerdem, den Weg vorher ein paar Mal gemeinsam zu gehen, damit er am ersten Tag nichts Neues mehr ist. Vorhersehbarkeit wirkt bei Übergängen stärker als jede Ermutigung.
Was erschwert den Kindergartenstart?
An erster Stelle die Häufung: Wer den Kindergartenstart mit dem Ende der Windel, dem Umzug ins eigene Zimmer oder der Geburt eines Geschwisterkindes verbindet, spart Zeit und zahlt sie doppelt zurück. Alles Verschiebbare wird verschoben, am besten um mindestens vier Wochen. An zweiter Stelle steht der eigene Zustand – Kinder lesen die Anspannung der Erwachsenen sehr genau, und ein Abschied, der den Eltern schwerfällt, fällt auch dem Kind schwer. An dritter Stelle steht die zu kurze Planung: Wer den Start eine Woche vor dem Wiedereinstieg in den Beruf legt, hat keinen Spielraum, und genau den braucht eine Eingewöhnung. Wer sich selbst Zeit nimmt, gibt sie auch dem Kind – und das ist kein Vorwurf, sondern eine Planungsfrage. Wer den Start eine Woche vor dem Wiedereinstieg in den Beruf legt, hat keinen Spielraum – und genau den braucht eine Eingewöhnung, wenn sie länger dauert als geplant.
Was tun, wenn die Eingewöhnung nicht funktioniert?
Eine Eingewöhnung, die sich über Wochen hinzieht, ohne dass sich etwas bessert, ist kein Versagen des Kindes und meist auch keine Frage der Ausdauer. Sinnvoll ist das Gespräch mit der Einrichtung, und zwar mit einer konkreten Frage: Wie verhält sich das Kind, wenn die Eltern weg sind? Viele Kinder beruhigen sich innerhalb weniger Minuten, und diese Information verändert die Lage für Eltern erheblich, weil sie den Abschied von der Zeit danach trennt. Bleibt es auch dann schwierig, lohnt der Blick auf die Passung – Gruppengröße, Tagesablauf, Bezugsperson. Und wo ein Kind über Wochen erkennbar leidet, gehört das zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt. Ein Wechsel der Einrichtung ist dabei die letzte Möglichkeit und selten die erste Antwort. Bleibt es schwierig, lohnt der Blick auf die Passung: Gruppengröße, Tagesablauf, Bezugsperson.
Was ist der Unterschied zwischen Berliner und Münchener Modell?
Beide verlaufen in fünf Schritten und dauern ähnlich lange, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Berliner Modell steht die Beziehung zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft im Mittelpunkt; das Kind wird stärker als jemand behandelt, der begleitet wird. Beim Münchener Modell übernimmt die Kindergruppe selbst eine aktive Rolle – die anderen Kinder holen das neue Kind gewissermaßen ab –, und das Kind gilt ausdrücklich als jemand, der über eigene Fähigkeiten verfügt und mitgestaltet. Für Familien ist die Unterscheidung weniger wichtig als die Frage, ob die Einrichtung überhaupt nach einem Modell arbeitet. Wer keines nennt, wird danach fragen wollen, denn ein festgelegter Ablauf ist für Familien planbar und für das Kind berechenbar. Entscheidend bleibt in beiden Modellen, dass der Abschied kurz und eindeutig ausfällt und dass die Bezugsperson in den ersten Tagen erreichbar in der Nähe bleibt.
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