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Familie · Gefühle & Erziehung

Mobbing in der Volksschule

Woran man es erkennt, wie das Vorgehen mit der Schule aussieht – und welche zwei Schritte Eltern besser unterlassen.

Der Blick von oben in einen Schulhof: in der Mitte spielt eine lose Gruppe von Kindern, nahe der Mauer steht abseits ein einzelnes Kind mit umgehängter Schultasche.
Nicht jeder Konflikt ist Mobbing – das Muster erkennt man an der Wiederholung und am Ungleichgewicht.

Mobbing unterscheidet sich vom Streit nicht durch die Schwere, sondern durch die Struktur. Das Bildungsministerium nennt vier Merkmale: Schädigungsabsicht, Wiederholung über längere Zeit, ein Machtungleichgewicht und die Hilflosigkeit der betroffenen Person.

Sind alle vier gegeben, hilft kein Gespräch unter Kindern mehr, weil genau das Machtgefälle es verhindert. Zuständig ist dann die Schule, und in Österreich ist dafür ein Weg vorgesehen.

Dieser Beitrag beschreibt die Merkmale, das Vorgehen Schritt für Schritt und die Anlaufstellen. Der Überblick über den Bereich steht unter Gefühle, Streit & Erziehung.

Die vier Merkmale

Der Leitfaden des Bildungsministeriums beschreibt Mobbing als besondere Form von Gewalt mit lang anhaltenden Folgen und grenzt sie über vier Kriterien vom gewöhnlichen Konflikt ab.

Entscheidend ist, dass alle vier zusammenkommen. Ein einmaliger Streit, auch ein heftiger, ist kein Mobbing; ebenso wenig eine Auseinandersetzung zwischen zwei gleich starken Kindern, aus der beide wieder herauskommen.

MerkmalWas es bedeutetWoran man es erkennt
SchädigungsabsichtDie Handlungen sollen verletzenEs ist kein Versehen und kein Spiel
WiederholungSystematisch über längere ZeitDieselben Kinder, dasselbe Muster, über Wochen
MachtungleichgewichtKräfteverhältnis zu Ungunsten des KindesMehrere gegen eines, älter, stärker, angesehener
HilflosigkeitDie betroffene Person kommt nicht herausEigene Versuche haben nichts geändert

Wie häufig es vorkommt

Der Leitfaden nennt österreichische Daten aus der HBSC-Erhebung von 2014: 35 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, an Mobbing beteiligt gewesen zu sein, 32 Prozent berichteten, selbst betroffen gewesen zu sein.

Zu beachten ist, worauf sich diese Zahlen beziehen – auf die gesamte Schulzeit und auf eine Selbsteinschätzung, nicht auf einen laufenden Fall in der eigenen Klasse.

Für Familien ist die Einordnung trotzdem brauchbar. Ein Kind, das betroffen ist, ist kein Einzelfall, und eine Schule, die mit der Frage konfrontiert wird, hört sie nicht zum ersten Mal.

Woran Eltern es merken

Kinder erzählen von Mobbing selten von selbst, und der häufigste Grund dafür ist Scham. Viele halten das, was passiert, für ihre eigene Schuld, und manche fürchten, dass Erwachsene die Lage verschlimmern.

Anzeichen sind ein plötzlicher Widerwille, in die Schule zu gehen, Bauchweh oder Kopfweh vor allem an Schultagen, Rückzug, ein Wechsel der Stimmung nach der Schule, verschwundene oder beschädigte Sachen und die Erklärung, es sei niemand dabei gewesen.

Hilfreich sind konkrete Fragen statt allgemeiner. „Mit wem hast du heute in der Pause gespielt?“ bringt mehr als „Wie war es in der Schule?“, weil es beantwortbar ist und weil die Antwort über Wochen ein Muster ergibt.

Ein Mobbing-Tagebuch führen. Datum, Uhrzeit, was passiert ist, wer beteiligt war, wer es gesehen hat. Fünf Zeilen pro Eintrag genügen. Damit wird aus einem Eindruck eine Dokumentation, und genau das verändert jedes Gespräch mit der Schule – nicht weil misstraut würde, sondern weil sich mit konkreten Vorfällen arbeiten lässt und mit einem Gefühl nicht.

Das Vorgehen mit der Schule

Der erste Schritt ist das Gespräch mit der Lehrperson – sachlich, mit dem Tagebuch und mit der Bitte um eine Einschätzung aus der Klasse. Sie sieht Dinge, die Eltern nicht sehen können, und in vielen Fällen ist das bereits die Wende.

Reagiert die Lehrperson nicht oder bleibt die Lage unverändert, folgt das Gespräch mit der Direktion. Danach kommt die Schulpsychologie der Bildungsdirektion dazu, deren Leistungen freiwillig, kostenlos und vertraulich sind; sie berät sowohl Eltern als auch die Schule.

Das Bildungsministerium sieht für Schulen ein Vorgehen in fünf Schritten vor: eine Haltung der Null-Toleranz, das Überprüfen der Verdachtsmomente, die Planung im Team, die Umsetzung und Kontrolle der Maßnahmen und langfristige Prävention.

Was Eltern besser nicht tun

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft rät ausdrücklich von zwei Schritten ab, die vielen Eltern als Erstes einfallen: direkt mit den mobbenden Kindern zu sprechen und deren Eltern zu kontaktieren. Beides verschärft die Lage in aller Regel.

Der Grund ist derselbe wie beim Machtgefälle: Ein Kind, dessen Eltern sich eingeschaltet haben, gilt in der Klasse als jemand, der petzt, und das ist genau die Zuschreibung, die Mobbing aufrechterhält.

Ebenfalls abgeraten wird davon, die Schuld beim eigenen Kind zu suchen – Fragen wie „Was hast du denn gemacht?“ bestätigen genau das, was das Kind ohnehin befürchtet. Und ein Schulwechsel als Reaktion darf nicht wie eine Strafe für das betroffene Kind wirken.

Was dem Kind selbst hilft

Neben dem Vorgehen mit der Schule zählt, was zu Hause passiert. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft nennt an erster Stelle, das Selbstvertrauen zu stärken – über Hobbys, Talente und Bereiche, in denen ein Kind erfolgreich ist.

Wirksam ist außerdem ein zweiter sozialer Raum außerhalb der Klasse: ein Verein, eine Musikschule, Nachbarskinder. Ein Kind, das nur eine einzige Gruppe hat, ist deren Bewertung vollständig ausgeliefert.

Wichtig ist schließlich die Entlastung von der Schuldfrage. Der Satz „Das, was da passiert, ist nicht in Ordnung, und es liegt nicht an dir“ gehört ausgesprochen, und zwar mehrfach.

Anlaufstellen in Österreich

Für Kinder und Jugendliche selbst ist „Rat auf Draht“ unter der Nummer 147 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym – ohne Vorwahl und von jedem Telefon aus.

Für Eltern kommen die Kinder- und Jugendanwaltschaften der Bundesländer dazu, die Schulpsychologie der jeweiligen Bildungsdirektion sowie die Familien- und Erziehungsberatungsstellen. Alle drei beraten kostenlos.

Hilfreich ist, sich diese Nummern herauszuschreiben, bevor sie gebraucht werden. In einer akuten Lage ist die Suche nach der richtigen Stelle genau die Hürde, an der viele Familien hängen bleiben.

Wenn sich nichts ändert

Bleibt die Lage trotz Gesprächen mit Lehrperson, Direktion und Schulpsychologie über Monate unverändert, ist ein Schulwechsel eine legitime Möglichkeit und kein Scheitern.

Wichtig ist die Rahmung. Ein Wechsel darf nicht als Konsequenz für das betroffene Kind erscheinen, sondern als Entscheidung für einen besseren Ort – und er gehört mit dem Kind besprochen und nicht über seinen Kopf hinweg entschieden.

Zu prüfen ist davor, ob die Schule alle vorgesehenen Schritte tatsächlich gegangen ist. Das Bildungsministerium hat dafür einen verbindlichen Leitfaden herausgegeben, auf den sich Eltern im Gespräch berufen können.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Was unterscheidet Mobbing von Streit?
Der Unterschied ist keine Frage der Schwere, sondern der Struktur. Der Leitfaden des Bildungsministeriums nennt vier Kriterien, die zusammenkommen müssen: eine Schädigungsabsicht, also bewusste Verletzungshandlungen statt eines Versehens; die Wiederholung, also systematische Vorfälle über längere Zeit; ein Machtungleichgewicht zu Ungunsten der betroffenen Person, etwa mehrere gegen eine oder ältere gegen jüngere; und deren Hilflosigkeit, also das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein. Entscheidend ist, dass alle vier vorliegen. Ein einmaliger Streit, auch ein heftiger, ist kein Mobbing, und ebenso wenig eine Auseinandersetzung zwischen gleich starken Kindern. Sind alle vier gegeben, hilft ein Gespräch unter Kindern nicht mehr weiter, weil genau das Machtgefälle es verhindert – zuständig ist dann die Schule. Entscheidend ist das Zusammentreffen aller vier.
Woran erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?
Kinder erzählen davon selten von selbst, und der häufigste Grund ist Scham – viele halten das, was passiert, für ihre eigene Schuld, und manche fürchten, dass Erwachsene die Lage verschlimmern. Anzeichen sind ein plötzlicher Widerwille, in die Schule zu gehen, Bauchweh oder Kopfweh vor allem an Schultagen, Rückzug, ein Wechsel der Stimmung nach der Schule, verschwundene oder beschädigte Sachen und die Erklärung, es sei niemand dabei gewesen. Hilfreich sind konkrete Fragen statt allgemeiner: „Mit wem hast du heute in der Pause gespielt?“ bringt mehr als „Wie war es in der Schule?“, weil es beantwortbar ist und die Antworten über Wochen ein Muster ergeben. Wichtig ist, bei einem Verdacht nicht abzuwarten: Je länger ein Muster besteht, desto schwerer lässt es sich auflösen, und desto mehr verfestigt sich die Rolle des Kindes in der Klasse.
Was sollen Eltern bei Mobbing als Erstes tun?
Dokumentieren und dann mit der Schule sprechen. Ein Mobbing-Tagebuch mit Datum, Uhrzeit, Vorfall, Beteiligten und Zeugen ist die wichtigste Vorbereitung – fünf Zeilen pro Eintrag genügen. Damit wird aus einem Eindruck eine Dokumentation, und genau das verändert jedes Gespräch mit der Schule, nicht weil misstraut würde, sondern weil sich mit konkreten Vorfällen arbeiten lässt und mit einem Gefühl nicht. Der erste Schritt ist dann das sachliche Gespräch mit der Lehrperson, verbunden mit der Bitte um eine Einschätzung aus der Klasse: Sie sieht Dinge, die Eltern nicht sehen können, und in vielen Fällen ist das bereits die Wende. Wer das Tagebuch vor dem ersten Gespräch eine oder zwei Wochen führt, geht mit etwas hinein, über das sich sachlich reden lässt, statt mit einem Vorwurf. Fünf Zeilen pro Eintrag genügen dafür völlig.
Wie geht das Vorgehen mit der Schule weiter?
Reagiert die Lehrperson nicht oder bleibt die Lage unverändert, folgt das Gespräch mit der Direktion. Danach kommt die Schulpsychologie der Bildungsdirektion dazu, deren Leistungen freiwillig, kostenlos und vertraulich sind und die sowohl Eltern als auch die Schule berät. Für Schulen selbst sieht das Bildungsministerium ein Vorgehen in fünf Schritten vor: eine Haltung der Null-Toleranz etablieren, die Verdachtsmomente überprüfen, die Intervention im Team planen, die Maßnahmen umsetzen und kontrollieren und langfristig Prävention sichern. Eltern können sich auf diesen Leitfaden im Gespräch ausdrücklich berufen, denn er ist keine bloße Empfehlung. Beim Bildungsministerium handelt es sich um verbindliche Richtlinien und nicht um Empfehlungen, was die Position der Eltern im Gespräch erheblich stärkt. Eltern können sich darauf im Gespräch ausdrücklich berufen.
Soll ich mit den Eltern der anderen Kinder sprechen?
Davon rät die Kinder- und Jugendanwaltschaft ausdrücklich ab – ebenso davon, direkt mit den mobbenden Kindern zu sprechen. Beides gehört zu dem, was vielen Eltern als Erstes einfällt, und beides verschärft die Lage in aller Regel. Der Grund ist derselbe wie beim Machtgefälle: Ein Kind, dessen Eltern sich eingeschaltet haben, gilt in der Klasse als jemand, der petzt, und das ist genau die Zuschreibung, die Mobbing aufrechterhält. Ebenfalls abgeraten wird davon, die Schuld beim eigenen Kind zu suchen; Fragen wie „Was hast du denn gemacht?“ bestätigen genau das, was das Kind ohnehin befürchtet. Der Weg führt über die Schule und nicht über die andere Familie. Auch ein Schulwechsel darf nicht wie eine Strafe für das betroffene Kind wirken und ist selten der erste Schritt. Der Weg führt über die Schule und nicht über die andere Familie.
Wie häufig ist Mobbing an österreichischen Schulen?
Der Leitfaden des Bildungsministeriums nennt österreichische Daten aus der HBSC-Erhebung von 2014: 35 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, an Mobbing beteiligt gewesen zu sein, und 32 Prozent berichteten, selbst betroffen gewesen zu sein. Zu beachten ist, worauf sich diese Zahlen beziehen – auf die Schulzeit insgesamt und auf eine Selbsteinschätzung, nicht auf einen laufenden Fall in der eigenen Klasse. Für Familien ist die Einordnung trotzdem brauchbar: Ein Kind, das betroffen ist, ist kein Einzelfall, und eine Schule, die mit der Frage konfrontiert wird, hört sie nicht zum ersten Mal und hat dafür Verfahren. Für ein einzelnes Kind sagen diese Zahlen wenig, für die Einordnung aber viel – vor allem gegen das Gefühl, mit dem Problem allein zu sein. Eine Schule, die damit konfrontiert wird, hört die Frage nicht zum ersten Mal.
Was hilft dem betroffenen Kind selbst?
Neben dem Vorgehen mit der Schule zählt, was zu Hause passiert. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft nennt an erster Stelle, das Selbstvertrauen zu stärken – über Hobbys, Talente und Bereiche, in denen ein Kind erfolgreich ist und Anerkennung erlebt. Wirksam ist außerdem ein zweiter sozialer Raum außerhalb der Klasse, etwa ein Verein, eine Musikschule oder Nachbarskinder: Ein Kind, das nur eine einzige Gruppe hat, ist deren Bewertung vollständig ausgeliefert. Wichtig ist schließlich die Entlastung von der Schuldfrage. Der Satz „Das, was da passiert, ist nicht in Ordnung, und es liegt nicht an dir“ gehört ausgesprochen, und zwar mehrfach. Für Eltern ist das oft der schwerste Teil, weil die eigene Hilflosigkeit mitschwingt; genau deshalb lohnt es sich, sich selbst Unterstützung zu holen. Der Satz gehört mehrfach ausgesprochen und nicht nur einmal.
An wen kann man sich in Österreich wenden?
Für Kinder und Jugendliche selbst ist „Rat auf Draht“ unter der Nummer 147 rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und anonym, ohne Vorwahl und von jedem Telefon aus. Für Eltern kommen die Kinder- und Jugendanwaltschaften der Bundesländer dazu, die Schulpsychologie der jeweiligen Bildungsdirektion sowie die Familien- und Erziehungsberatungsstellen – alle drei beraten kostenlos. Hilfreich ist, sich diese Nummern herauszuschreiben, bevor sie gebraucht werden: In einer akuten Lage ist die Suche nach der richtigen Stelle genau die Hürde, an der viele Familien hängen bleiben, und ein Zettel an der Pinnwand kostet zwei Minuten. Ein Zettel an der Pinnwand kostet zwei Minuten und erspart im Ernstfall eine halbe Stunde Suche. Beraten wird dabei von allen genannten Stellen kostenlos, und in einer akuten Lage ist die Suche nach der richtigen Stelle genau die Hürde, an der viele Familien hängen bleiben.
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