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Familie · Gefühle

Selbstwert stärken

Drei Begriffe, die verwechselt werden – und die eine Erfahrung, auf die es ankommt.

Ein Kind steht auf einem Sessel an der Küchenarbeitsfläche und gießt hoch konzentriert aus einem schweren Krug Milch in ein Glas; etwas ist danebengegangen, im Hintergrund bleibt ein Erwachsener bei der offenen Tür stehen.
Selbstwert wächst an Dingen, die ein Kind wirklich selbst geschafft hat – Missgeschick inbegriffen.

Selbstwert ist der Begriff, der in Elternratgebern am häufigsten vorkommt und am seltensten erklärt wird. Meist ist er eine Mischung aus drei verschiedenen Dingen, die sich unterschiedlich stärken lassen.

Die Unterscheidung lohnt sich, weil sie im Alltag zu unterschiedlichen Handlungen führt. Was Selbstwirksamkeit stärkt, stärkt nicht automatisch den Selbstwert – und umgekehrt.

Dieser Beitrag trennt die drei Begriffe und nennt, was für jeden davon wirkt. Der Überblick steht unter Gefühle, Streit & Erziehung.

Drei Begriffe, die verwechselt werden

Selbstwert ist die Überzeugung, wertvoll zu sein – unabhängig von Leistung. Selbstbewusstsein ist das Zutrauen in bestimmte Fähigkeiten. Selbstwirksamkeit ist die Erfahrung, dass eigenes Handeln etwas verändert.

Die drei entstehen auf verschiedenen Wegen. Selbstwert entsteht aus Zugehörigkeit und bedingungsloser Zuwendung; Selbstbewusstsein aus Können; Selbstwirksamkeit aus überstandenen Schwierigkeiten.

Verwechselt wird meist Selbstwert mit Selbstbewusstsein, und daraus folgt der häufigste Irrweg: Eltern versuchen, über Erfolge etwas zu stärken, das nicht von Erfolgen abhängt.

BegriffWas es istWoraus es entsteht
SelbstwertIch bin wertvoll, unabhängig von LeistungZugehörigkeit, bedingungslose Zuwendung
SelbstbewusstseinIch kann bestimmte DingeKönnen und Übung in konkreten Bereichen
SelbstwirksamkeitWas ich tue, verändert etwasSchwierigkeiten, die überstanden wurden
Zuwendung ohne Anlass ist die Grundlage. Selbstwert entsteht nicht aus Lob und nicht aus Erfolgen, sondern aus der Erfahrung, ohne Grund willkommen zu sein. Praktisch heißt das: Zeit, die nicht an eine Leistung gebunden ist, keinen Zweck hat und nicht abgebrochen wird. Wie das konkret aussieht, steht unter Exklusivzeit mit jedem Kind – und zehn Minuten genügen.

Warum Lob den Selbstwert nicht stärkt

Lob ist eine Rückmeldung auf etwas, das ein Kind getan hat. Damit hängt es an der Leistung – und was an der Leistung hängt, kann den Selbstwert nicht tragen, weil Leistungen schwanken.

Noch ungünstiger wirkt Lob, das auf stabile Eigenschaften zielt. Ein Kind, das für seine Klugheit gelobt wird, hat bei der nächsten schweren Aufgabe ein Problem mit sich selbst und nicht mit der Aufgabe.

Brauchbar ist Lob dort, wo es Können beschreibt, also für das Selbstbewusstsein. Der Unterschied zwischen den Lobformen steht unter Loben – aber richtig.

Was Selbstwirksamkeit stärkt

Selbstwirksamkeit entsteht ausschließlich aus Erfahrung, und zwar aus einer bestimmten: etwas geschafft zu haben, das zunächst schwer war. Leichte Erfolge erzeugen sie nicht.

Praktisch heißt das, Kindern Aufgaben zu geben, bei denen ein Scheitern möglich ist und nicht schlimm. Ein Weg allein zum Bäcker, ein Anruf bei der Großmutter, eine Reparatur mit Werkzeug, ein Kuchen ohne Aufsicht.

Der häufigste Fehler ist die Hilfe zu früh. Wer eingreift, sobald es schwierig wird, nimmt genau jenen Teil weg, aus dem die Erfahrung entstanden wäre – und tut damit das Gegenteil des Gemeinten.

Aufgaben, die ein Kind schaffen kann

Wirksam sind Aufgaben in einem bestimmten Bereich: gerade zu schwer, um sie mühelos zu erledigen, und gerade leicht genug, um sie mit Anstrengung zu schaffen.

Zu leichte Aufgaben erzeugen nichts, weil ein Kind sofort merkt, dass sie nichts bedeuten. Zu schwere erzeugen das Gegenteil, weil das Scheitern nicht an der Anstrengung liegt.

Die praktische Regel lautet: Wenn ein Kind etwa drei von vier Versuchen schafft, ist die Aufgabe richtig gewählt. Bei vier von vier ist sie zu leicht, bei einem von vier zu schwer.

AlterAufgaben, die tragen
5 bis 6 JahreSich allein anziehen, etwas allein bezahlen, ein Zimmer aufräumen
7 bis 8 JahreAllein zur Nachbarin gehen, ein Butterbrot machen, etwas reparieren
9 bis 10 JahreAllein einkaufen, telefonisch etwas ausrichten, ein Gericht kochen
11 bis 12 JahreMit dem Bus allein fahren, einen Termin selbst vereinbaren, etwas verkaufen

Fehler aushalten

Ein Kind, dessen Fehler immer sofort ausgeglichen werden, lernt nicht, dass Fehler zu bewältigen sind. Genau diese Erfahrung ist der Kern der Selbstwirksamkeit.

Wirksam ist deshalb, kleine Folgen eintreten zu lassen: Die vergessenen Turnsachen werden nicht nachgebracht, das zerbrochene Glas wird gemeinsam aufgekehrt, die verpasste Freundin wird selbst angerufen.

Was dabei zählt, ist die Haltung dazu. Ein Fehler, der ohne Vorwurf bleibt und dessen Behebung dem Kind überlassen wird, ist eine Übung; einer, der kommentiert wird, ist eine Bewertung.

Was den Selbstwert beschädigt

An erster Stelle steht die Bedingung. Zuwendung, die an Verhalten geknüpft wird – »wenn du so bist, mag ich dich nicht« –, trifft genau die Stelle, an der Selbstwert entsteht.

An zweiter Stelle steht der Vergleich, besonders zwischen Geschwistern. Ein Kind, das sich benachteiligt sieht, berichtet von schlechterer psychischer Gesundheit; die Forschungslage dazu ist eindeutig.

An dritter Stelle stehen Rollenzuschreibungen. »Der Wilde«, »die Vernünftige«, »der Sensible« beschreiben Gewohnheiten, werden aber als Eigenschaften gehört, und ein Kind richtet sich darin ein.

Was Kinder über sich hören sollten

Wirksam sind Sätze, die nichts verlangen. »Ich bin froh, dass du da bist« ist ein anderer Satz als »ich bin stolz auf dich«, weil der erste nichts voraussetzt.

Ebenso wirksam ist das Erzählen. Kinder hören gern, wie sie als Baby waren, was sie zuerst gesagt haben, wie der Tag ihrer Geburt verlief – solche Geschichten sind Zugehörigkeit in erzählter Form.

Und es hilft, eigene Fehler zuzugeben. Ein Erwachsener, der sagt »Das war unfair von mir, entschuldige«, zeigt dem Kind, dass Wert und Fehlerlosigkeit zwei verschiedene Dinge sind.

Wann Hilfe von außen sinnvoll ist

Zu unterscheiden ist ein Kind, das sich manchmal schlecht findet, von einem, das das dauerhaft tut. Das Erste gehört zur Entwicklung, das Zweite nicht.

Aufmerksam wird man dort, wo Sätze über den eigenen Wert häufig und ohne Anlass kommen, wo ein Kind Aufgaben von vornherein meidet, wo es sich zurückzieht oder wo Schlaf und Appetit sich verändern.

Zuständig sind die Kinderärztin und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die freiwillig, kostenlos und vertraulich ist. Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstbewusstsein?
Selbstwert ist die Überzeugung, wertvoll zu sein – unabhängig von Leistung. Selbstbewusstsein ist das Zutrauen in bestimmte Fähigkeiten, also etwas Bereichsabhängiges. Und Selbstwirksamkeit ist die Erfahrung, dass eigenes Handeln etwas verändert. Die drei entstehen auf verschiedenen Wegen: Selbstwert aus Zugehörigkeit und bedingungsloser Zuwendung, Selbstbewusstsein aus Können und Übung in konkreten Bereichen, Selbstwirksamkeit aus Schwierigkeiten, die überstanden wurden. Verwechselt wird meist Selbstwert mit Selbstbewusstsein, und daraus folgt der häufigste Irrweg: Eltern versuchen über Erfolge etwas zu stärken, das nicht von Erfolgen abhängt. Verwechselt wird meist Selbstwert mit Selbstbewusstsein, und daraus folgt der häufigste Irrweg. Eltern versuchen dann über Erfolge etwas zu stärken, das nicht von Erfolgen abhängt. Die Unterscheidung führt im Alltag zu unterschiedlichen Handlungen.
Stärkt Lob den Selbstwert?
Nein, jedenfalls nicht den Selbstwert. Lob ist eine Rückmeldung auf etwas, das ein Kind getan hat, und damit hängt es an der Leistung – was an der Leistung hängt, kann den Selbstwert nicht tragen, weil Leistungen schwanken. Noch ungünstiger wirkt Lob, das auf stabile Eigenschaften zielt: Ein Kind, das für seine Klugheit gelobt wird, hat bei der nächsten schweren Aufgabe ein Problem mit sich selbst und nicht mit der Aufgabe. Brauchbar ist Lob dort, wo es Können beschreibt, also für das Selbstbewusstsein. Für den Selbstwert wirkt etwas anderes: Zuwendung ohne Anlass, also Zeit, die an keine Leistung gebunden ist. Für den Selbstwert wirkt etwas anderes: Zuwendung ohne Anlass, also Zeit, die an keine Leistung gebunden ist. Zehn Minuten am Tag genügen dafür. Entscheidend ist, dass diese Zeit nicht abgebrochen wird. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
Wie entsteht Selbstwirksamkeit?
Ausschließlich aus Erfahrung, und zwar aus einer bestimmten: etwas geschafft zu haben, das zunächst schwer war. Leichte Erfolge erzeugen sie nicht, weil ein Kind sofort merkt, dass sie nichts bedeuten. Praktisch heißt das, Kindern Aufgaben zu geben, bei denen ein Scheitern möglich ist und nicht schlimm: ein Weg allein zum Bäcker, ein Anruf bei der Großmutter, eine Reparatur mit Werkzeug, ein Kuchen ohne Aufsicht. Der häufigste Fehler dabei ist die Hilfe zu früh – wer eingreift, sobald es schwierig wird, nimmt genau jenen Teil weg, aus dem die Erfahrung entstanden wäre, und tut damit das Gegenteil des Gemeinten. Wer eingreift, sobald es schwierig wird, nimmt genau jenen Teil weg, aus dem die Erfahrung entstanden wäre. Möglich sein muss dabei auch das Scheitern. Leichte Erfolge erzeugen keine Selbstwirksamkeit. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
Welche Aufgaben sind richtig gewählt?
Solche, die gerade zu schwer sind, um sie mühelos zu erledigen, und gerade leicht genug, um sie mit Anstrengung zu schaffen. Zu leichte Aufgaben erzeugen nichts, zu schwere das Gegenteil, weil das Scheitern dann nicht an der Anstrengung liegt. Die praktische Regel lautet: Wenn ein Kind etwa drei von vier Versuchen schafft, ist die Aufgabe richtig gewählt – bei vier von vier ist sie zu leicht, bei einem von vier zu schwer. Konkret geht mit fünf bis sechs Jahren das allein Anziehen oder etwas allein Bezahlen, mit sieben bis acht ein Butterbrot oder der Weg zur Nachbarin, mit neun bis zehn ein Einkauf, ab elf eine Busfahrt allein. Bei vier von vier Versuchen ist die Aufgabe zu leicht, bei einem von vier zu schwer. Konkret geht mit sieben Jahren der Weg zur Nachbarin, mit zehn ein Einkauf. Entscheidend ist, dass niemand daneben steht.
Soll man Kinder vor Fehlern schützen?
Nicht vor den kleinen. Ein Kind, dessen Fehler immer sofort ausgeglichen werden, lernt nicht, dass Fehler zu bewältigen sind – und genau diese Erfahrung ist der Kern der Selbstwirksamkeit. Wirksam ist deshalb, kleine Folgen eintreten zu lassen: Die vergessenen Turnsachen werden nicht nachgebracht, das zerbrochene Glas wird gemeinsam aufgekehrt, die verpasste Freundin wird selbst angerufen. Was dabei zählt, ist die Haltung dazu. Ein Fehler, der ohne Vorwurf bleibt und dessen Behebung dem Kind überlassen wird, ist eine Übung; einer, der kommentiert wird, ist eine Bewertung – und Bewertungen erzeugen Vermeidung. Bewertungen erzeugen Vermeidung, Übungen erzeugen Erfahrung. Kleine Folgen dürfen deshalb eintreten. Das zerbrochene Glas wird gemeinsam aufgekehrt und nicht kommentiert. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
Was beschädigt den Selbstwert?
Drei Dinge. An erster Stelle steht die Bedingung: Zuwendung, die an Verhalten geknüpft wird – »wenn du so bist, mag ich dich nicht« –, trifft genau die Stelle, an der Selbstwert entsteht. An zweiter Stelle steht der Vergleich, besonders zwischen Geschwistern; Kinder, die sich benachteiligt sehen, berichten von schlechterer psychischer Gesundheit, und die Forschungslage dazu ist eindeutig. An dritter Stelle stehen Rollenzuschreibungen: »der Wilde«, »die Vernünftige«, »der Sensible« beschreiben Gewohnheiten, werden aber als Eigenschaften gehört, und ein Kind richtet sich darin ein – oft für Jahre. Ein Kind richtet sich in einer Rollenzuschreibung ein, oft für Jahre. Die Forschungslage zur ungleichen Behandlung ist dabei eindeutig. Bedingte Zuwendung trifft genau die Stelle, an der Selbstwert entsteht. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
Welche Sätze wirken?
Solche, die nichts verlangen. »Ich bin froh, dass du da bist« ist ein anderer Satz als »ich bin stolz auf dich«, weil der erste nichts voraussetzt und der zweite eine Leistung im Hintergrund hat. Ebenso wirksam ist das Erzählen: Kinder hören gern, wie sie als Baby waren, was sie zuerst gesagt haben, wie der Tag ihrer Geburt verlief – solche Geschichten sind Zugehörigkeit in erzählter Form und wirken stärker als jede Bestätigung. Und es hilft, eigene Fehler zuzugeben. Ein Erwachsener, der sagt »Das war unfair von mir, entschuldige«, zeigt dem Kind, dass Wert und Fehlerlosigkeit zwei verschiedene Dinge sind. Solche Geschichten sind Zugehörigkeit in erzählter Form und wirken stärker als jede Bestätigung. Eigene Fehler zuzugeben gehört dazu. Wert und Fehlerlosigkeit sind zwei verschiedene Dinge. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
Wann sollte man Hilfe holen?
Wenn die Selbstabwertung dauerhaft wird. Zu unterscheiden ist ein Kind, das sich manchmal schlecht findet, von einem, das das über Wochen und ohne Anlass tut – das Erste gehört zur Entwicklung, das Zweite nicht. Aufmerksam wird man dort, wo Sätze über den eigenen Wert häufig und ohne Anlass kommen, wo ein Kind Aufgaben von vornherein meidet, wo es sich aus Freundschaften zurückzieht oder wo Schlaf und Appetit sich verändern. Zuständig sind die Kinderärztin und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die freiwillig, kostenlos und vertraulich ist. Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts und ist auch für Eltern gedacht. Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts und ist auch für Eltern gedacht. Notiert wird vorher zwei Wochen lang, was auffällt. Das macht jedes Gespräch konkreter. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt – und das ist selten dasselbe.
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