Das Einmaleins gilt als Auswendiglernstoff, und genau das ist der Grund, warum es bei so vielen Kindern hängt. Wer zehn Reihen als zehn Listen behandelt, muss hundert Einzelheiten speichern, die einander ähnlich sehen.
Die didaktische Alternative ist älter und besser belegt: Man automatisiert wenige, leicht merkbare Kernaufgaben und leitet alles Übrige davon ab. Das vollständige Einmaleins wird erst danach gezielt gefestigt.
Dieser Beitrag nennt die Kernaufgaben, die Ableitungswege und eine Reihenfolge zum Üben. Der Überblick steht unter Lernen & Hausübung.
Warum Reihen auswendig lernen so schwer ist
Zehn Malreihen ergeben hundert Aufgaben, und die meisten davon unterscheiden sich nur in Kleinigkeiten. Ein Kind, das sie als hundert Einzelheiten behandelt, lernt eine Liste ähnlicher Zahlen – das ist die schwierigste Form von Gedächtnisarbeit.
Dazu kommt ein zweiter Nachteil. Wer eine Reihe als Kette lernt, muss beim Abfragen von vorne beginnen: Auf die Frage nach sieben mal sechs zählt das Kind innerlich die Sechserreihe hoch. Das ist langsam und bricht unter Druck zusammen.
Die Fachdidaktik argumentiert deshalb seit Langem gegen das traditionelle Malreihen-Auswendiglernen. Empfohlen wird ein Konzept aus drei Teilen: Kernaufgaben automatisieren, alles andere ableiten, und erst danach das vollständige Einmaleins gezielt festigen.
Die Kernaufgaben
Kernaufgaben sind jene Aufgaben, die leicht zu merken sind, weil sie einem einfachen Muster folgen. Sie werden automatisiert, also so geübt, dass die Antwort ohne Rechnen kommt.
Dazu gehören die Reihen mit 1, 2, 5 und 10 sowie die Quadratzahlen. Zusammen decken sie einen großen Teil des Einmaleins ab und liefern zugleich die Ausgangspunkte für alles Übrige.
| Kernaufgabe | Warum sie leicht ist |
|---|---|
| Mal 1 | Die Zahl bleibt, wie sie ist |
| Mal 2 | Verdoppeln – das können Kinder oft schon vorher |
| Mal 10 | Eine Null dazu |
| Mal 5 | Die Hälfte von mal 10 |
| Quadratzahlen | Gleiche Zahl zweimal, gut merkbar als Bild |
Ableiten: der eigentliche Kern
Ableiten bedeutet, eine unbekannte Aufgabe aus einer bekannten zu gewinnen. Das ist kein Notbehelf für schwache Kinder, sondern der Weg, auf dem auch Erwachsene rechnen, ohne es zu merken.
Vier Strategien genügen für das gesamte kleine Einmaleins, und sie lassen sich in wenigen Sätzen erklären.
| Strategie | Beispiel | Woher |
|---|---|---|
| Verdoppeln | 4 × 7 = doppelt so viel wie 2 × 7 | von der Zweierreihe |
| Halbieren | 5 × 8 = halb so viel wie 10 × 8 | von der Zehnerreihe |
| Nachbaraufgabe | 6 × 7 = 5 × 7 plus einmal 7 | von der Fünferreihe |
| Eine weniger | 9 × 6 = 10 × 6 minus einmal 6 | von der Zehnerreihe |
| Tauschaufgabe | 7 × 3 = 3 × 7 | vom Vertauschen |
Die Reihenfolge
Eine brauchbare Reihenfolge folgt der Ableitbarkeit und nicht den Zahlen. Zuerst kommt, was leicht ist und viel trägt; zuletzt das, was ohnehin aus dem Vorherigen folgt.
Die folgende Aufstellung ist ein Gerüst, an dem sich zu Hause üben lässt. In der Schule kann die Reihenfolge abweichen – dann folgt man ihr, weil das Kind sonst zwei Systeme gleichzeitig hat.
| Schritt | Was geübt wird |
|---|---|
| 1 | Mal 2 und mal 10 – verdoppeln und Null dazu |
| 2 | Mal 5 als Hälfte von mal 10 |
| 3 | Die Tauschaufgabe verstehen und anwenden |
| 4 | Quadratzahlen als feste Merkpunkte |
| 5 | Mal 4 und mal 8 durch Verdoppeln |
| 6 | Mal 9 über die Zehnerreihe minus eins |
| 7 | Mal 3, 6 und 7 über Nachbaraufgaben |
| 8 | Alles vermischt, gezielt und kurz automatisieren |
Wie geübt wird
Kurz und oft schlägt lang und selten. Fünf Minuten an sechs Tagen bringen mehr als eine halbe Stunde am Sonntag, weil Automatisierung von der Wiederholung lebt und nicht von der Dauer.
Wirksam ist mündliches Üben in Situationen, die nichts kosten: auf dem Weg zur Schule, beim Tischdecken, im Auto. Aufgeschrieben wird ohnehin in der Schule genug.
Wichtig ist außerdem die Richtung. Wer nur die Reihe der Reihe nach abfragt, prüft das Aufsagen; wer durcheinander fragt, prüft das Können. Der Unterschied zeigt sich bei der ersten Schularbeit.
Was nicht hilft
An erster Stelle steht das Abfragen unter Zeitdruck, solange das Ableiten noch gebraucht wird. Eine Stoppuhr auf ein Kind zu richten, das gerade denkt, unterbricht genau den Vorgang, der eingeübt werden soll.
An zweiter Stelle stehen Apps, die nur belohnen und nicht erklären. Sie taugen zum Festigen, sobald die Sache verstanden ist, und richten Schaden an, solange sie es nicht ist.
An dritter Stelle steht die Menge. Zwei Reihen gleichzeitig zu üben, verlängert die Gesamtzeit, weil sich die Zahlen gegenseitig überschreiben – eine nach der anderen ist schneller.
Woran man merkt, dass es sitzt
Automatisiert ist eine Aufgabe, wenn die Antwort ohne Pause kommt und ohne Lippenbewegung. Alles, was gerechnet wird, ist noch nicht automatisiert – auch wenn es richtig ist.
Brauchbar ist eine kleine Prüfung: zwanzig Aufgaben durcheinander, mündlich, ohne Zeitdruck. Was stockt, wird notiert; was kommt, wird nicht weiter geübt.
Bewährt hat sich, nur die stockenden Aufgaben weiter zu üben. Die meisten Kinder haben am Ende fünf bis zehn Aufgaben übrig, und diese fünf bis zehn sind die ganze Arbeit.
Wenn es dauerhaft nicht weitergeht
Wenn ein Kind auch nach Monaten und mit Ableitungsstrategien nicht vorankommt, ist das kein Fleißproblem. Häufig fehlt etwas darunter: das Verständnis der Multiplikation als wiederholte Addition oder der Zahlenraum bis hundert.
Sinnvoll ist dann, einen Schritt zurückzugehen statt schneller zu üben. Ein Kind, das nicht sieht, dass vier mal sechs vier Gruppen von sechs sind, kann die Ergebnisse nicht ableiten – es kann sie nur raten.
Wo der Verdacht auf eine Rechenschwäche besteht, ist die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion die zuständige Stelle; sie ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. Bevor Nachhilfe gekauft wird, lohnt dieser Weg – die Überlegungen dazu stehen unter Nachhilfe in der Volksschule.
Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

