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Familie · Lernen

Nachhilfe in der Volksschule

Wann sie sinnvoll ist, was vorher kommt – und warum die ehrliche Antwort oft »noch nicht« lautet.

Ein Küchentisch am Abend von oben: zwei Erwachsene sitzen einander gegenüber, zwischen ihnen ein aufgeschlagenes Schulheft und ein umgedrehtes Handy, eine Hand liegt auf dem Heft.
Vor der Nachhilfe kommt das Gespräch mit der Schule – fast immer, und fast immer kostenlos.

Nachhilfe ist in Österreich längst kein Sonderfall mehr, auch nicht in der Volksschule: 23 Prozent der Volksschulkinder erhalten sie, österreichweit sind es 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler.

Das heißt nicht, dass sie in all diesen Fällen die richtige Antwort ist. Häufig wird Nachhilfe zu früh gekauft, nämlich bevor drei Möglichkeiten geprüft wurden, die nichts kosten.

Dieser Beitrag nennt diese drei Schritte, die Kriterien für sinnvolle Nachhilfe und die Kosten. Der Überblick steht unter Lernen & Hausübung.

Wie verbreitet Nachhilfe ist

Die Zahlen kommen aus dem Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer, erhoben von IFES. Österreichweit erhalten 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Nachhilfe, das sind 338.000 Kinder und Jugendliche.

In der Volksschule liegt der Anteil bei 23 Prozent – also fast jedes vierte Kind. Das ist ein Befund über das Schulsystem und keiner über die Kinder, und er ist der Grund, warum sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit überhaupt stellt.

Die Kosten liegen im Durchschnitt bei 720 Euro pro Kind und Jahr, österreichweit bei 144 Millionen Euro. Für Familien mit mehreren Kindern ist das ein Posten, der sich bemerkbar macht.

KennzahlWert
Anteil aller Schülerinnen und Schüler mit Nachhilfe32 %
Betroffene Kinder und Jugendliche338.000
Anteil in der Volksschule23 %
Kosten pro Kind und Jahr720 €
Gesamtausgaben in Österreich144 Millionen €

Die drei Schritte vor der Nachhilfe

Der erste Schritt ist das Gespräch mit der Klassenlehrerin, und zwar mit einer konkreten Frage: Woran genau liegt es? Häufig lautet die Antwort anders als erwartet – nicht am Stoff, sondern am Tempo, an der Aufmerksamkeit oder an einer einzigen ungeklärten Grundlage.

Der zweite Schritt ist die Förderung an der Schule. Förderunterricht, Lernstunden, Fördergruppen und individuelle Lernbegleitung gibt es an den meisten Volksschulen, und sie kosten nichts – sie werden nur oft nicht angeboten, wenn niemand fragt.

Der dritte Schritt ist die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion. Sie ist freiwillig, kostenlos und vertraulich und klärt vor allem eine Frage, die keine Nachhilfe klären kann: ob eine Teilleistungsschwäche vorliegt.

Nachhilfe ersetzt keine Abklärung. Der häufigste teure Fehler ist Nachhilfe bei einer Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche. Ein Kind, das die Multiplikation nicht als wiederholte Addition verstanden hat, wird durch mehr Rechenübungen nicht schneller, sondern müder. Deshalb gehört die Abklärung vor den Vertrag – sie ist kostenlos, und sie verändert, was danach sinnvoll ist.

Wann Nachhilfe sinnvoll ist

Sinnvoll ist Nachhilfe dort, wo der Stoff verstanden werden kann, aber die Übungszeit oder die Begleitung fehlt. Ein Kind, das mitkommt und zu Hause niemanden hat, der mit ihm durchgeht, profitiert unmittelbar.

Ebenfalls sinnvoll ist sie in einer abgegrenzten Lage: nach längerer Krankheit, nach einem Schulwechsel, bei einer klar benennbaren Lücke. Solche Aufträge haben ein Ende, und genau das macht sie brauchbar.

Wenig sinnvoll ist Nachhilfe als Dauerzustand ohne Ziel. Wo sie über Jahre läuft, ohne dass sich etwas verändert, ersetzt sie die Förderung, statt sie zu ergänzen – und sie kostet das Kind einen Nachmittag pro Woche.

Was gute Nachhilfe ausmacht

Entscheidend ist nicht die Qualifikation allein, sondern die Abstimmung. Eine Nachhilfe, die nicht weiß, was in der Klasse gerade läuft, arbeitet an etwas anderem als das Kind braucht.

Brauchbar ist deshalb ein einfacher Ablauf: Das Kind bringt die Hefte mit, die Nachhilfe arbeitet mit dem tatsächlichen Stoff, und es gibt eine kurze Rückmeldung an die Eltern – was gemacht wurde und was noch fehlt.

Ebenfalls wichtig ist die Gruppengröße. In der Volksschule wirkt Einzelbetreuung oder eine Gruppe von zwei bis drei Kindern; in größeren Gruppen entsteht wieder Unterricht, und der findet ohnehin schon statt.

Frage vor der AnmeldungWarum sie zählt
Was ist das Ziel und woran messen wir es?Ohne Ziel wird Nachhilfe zum Dauerzustand
Wie viele Kinder sind in einer Einheit?In der Volksschule wirken höchstens zwei bis drei
Wird mit dem Stoff der Klasse gearbeitet?Eigene Materialien lösen das Problem nicht
Gibt es Rückmeldung an die Eltern?Sonst weiß niemand, woran gearbeitet wird
Wie lange dauert eine Einheit?60 Minuten sind für Volksschulkinder die Obergrenze
Wann wird beendet?Ein Ende gehört von Anfang an vereinbart

Warum Eltern selten die besten Nachhilfelehrer sind

Nicht wegen des Fachwissens, sondern wegen der Beziehung. Eltern haben ein Interesse am Ergebnis, das Kinder spüren – und genau dieses Interesse macht aus einer Übung eine Prüfung.

Dazu kommt die Ermüdung des Tages. Wer um siebzehn Uhr mit einem müden Kind rechnet, hat zwei erschöpfte Menschen an einem Tisch, und die Sache endet häufig im Streit statt im Ergebnis.

Daraus folgt kein Argument gegen jede Beteiligung, sondern eines für eine klare Rolle: Rahmen setzen und da sein, erklären nur ausnahmsweise. Was das bedeutet, steht unter Hausübung ohne Streit.

Was Nachhilfe kostet – und was es sonst gibt

Mit durchschnittlich 720 Euro pro Kind und Jahr ist Nachhilfe ein bedeutender Posten, und in der Schulkostenstudie der Arbeiterkammer zählt sie zu den größten Einzelblöcken.

Erhoben ist auch die andere Seite: Ein erheblicher Teil der Familien, die Nachhilfe wollten, konnte sie sich nicht leisten. Das ist der Grund, warum die kostenlosen Wege nicht als zweite Wahl behandelt werden sollten.

Neben der schulischen Förderung gibt es in vielen Gemeinden Lernhilfeangebote von Vereinen, der Volkshochschule, der Caritas oder der Jugendarbeit. Auskunft geben die Gemeinde und die Arbeiterkammer.

Wie man den Erfolg prüft

Nachhilfe braucht einen Zeitpunkt, an dem nachgesehen wird. Bewährt hat sich ein Termin nach etwa zehn Einheiten, an dem drei Dinge besprochen werden: Was hat sich verändert, was nicht, und wie lange noch?

Als Maßstab taugt nicht die Note allein. Brauchbarer sind konkrete Beobachtungen: Braucht die Hausübung weniger Zeit? Meldet sich das Kind wieder? Kommt es ohne Streit an den Tisch?

Verändert sich nach zehn Einheiten nichts, ist das ein Grund für einen Wechsel der Methode und nicht für mehr Einheiten. Häufig fehlt dann etwas weiter unten – und dafür ist die Abklärung zuständig.

Die ehrliche Antwort

In der Volksschule lautet sie häufig: noch nicht. Ein Kind, das in der zweiten Klasse langsamer liest oder beim Einmaleins hängt, braucht meist keine bezahlte Betreuung, sondern zehn Minuten am Tag und etwas Geduld.

Gemeint ist damit keine Aufforderung zum Zuwarten, sondern eine zur Reihenfolge: Gespräch, schulische Förderung, Abklärung – und erst danach bezahlen.

Wo tatsächlich eine Schwäche vorliegt, ist Nachhilfe ohnehin nicht das Mittel. Der Weg dorthin steht unter Legasthenie und LRS in Österreich.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Wie viele Volksschulkinder in Österreich bekommen Nachhilfe?
23 Prozent, also fast jedes vierte Kind. Österreichweit über alle Schulstufen erhalten 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler Nachhilfe, das sind 338.000 Kinder und Jugendliche. Die Zahlen kommen aus dem Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer, erhoben vom Institut für empirische Sozialforschung. Das ist ein Befund über das Schulsystem und keiner über die Kinder – und er ist der Grund, warum sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit überhaupt stellt. Die Kosten liegen im Durchschnitt bei 720 Euro pro Kind und Jahr, österreichweit bei 144 Millionen Euro. Für Familien mit mehreren Kindern ist das ein Posten, der sich deutlich bemerkbar macht. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich also nicht bei den Kindern, sondern bei der Reihenfolge der Schritte. Für Familien mit mehreren Kindern summiert sich das schnell auf einen vierstelligen Betrag im Jahr. Die Zahlen stammen aus dem Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer, erhoben von IFES.
Was sollte man vor der Nachhilfe versuchen?
Drei Dinge, und alle drei kosten nichts. Der erste Schritt ist das Gespräch mit der Klassenlehrerin mit einer konkreten Frage: Woran genau liegt es? Häufig lautet die Antwort anders als erwartet – nicht am Stoff, sondern am Tempo, an der Aufmerksamkeit oder an einer einzigen ungeklärten Grundlage. Der zweite Schritt ist die Förderung an der Schule: Förderunterricht, Lernstunden, Fördergruppen und individuelle Lernbegleitung gibt es an den meisten Volksschulen, sie werden nur oft nicht angeboten, wenn niemand fragt. Der dritte Schritt ist die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die klärt, ob eine Teilleistungsschwäche vorliegt. Alle drei Schritte sind kostenlos, und keiner davon dauert länger als ein Gespräch. Angeboten werden schulische Förderungen oft nur dann, wenn jemand fragt – das ist der Grund, warum der erste Schritt das Gespräch ist und nicht die Suche nach einem Anbieter.
Wann ist Nachhilfe in der Volksschule sinnvoll?
Dort, wo der Stoff verstanden werden kann, aber die Übungszeit oder die Begleitung fehlt. Ein Kind, das mitkommt und zu Hause niemanden hat, der mit ihm durchgeht, profitiert unmittelbar. Ebenfalls sinnvoll ist Nachhilfe in einer abgegrenzten Lage: nach längerer Krankheit, nach einem Schulwechsel oder bei einer klar benennbaren Lücke. Solche Aufträge haben ein Ende, und genau das macht sie brauchbar. Wenig sinnvoll ist Nachhilfe als Dauerzustand ohne Ziel – wo sie über Jahre läuft, ohne dass sich etwas verändert, ersetzt sie die Förderung statt sie zu ergänzen, und sie kostet das Kind zusätzlich einen Nachmittag pro Woche. Ein Auftrag mit Ende ist brauchbar, ein Dauerzustand ohne Ziel nicht. Wenig sinnvoll ist Nachhilfe dagegen als Dauerzustand ohne Ziel, weil sie dann die Förderung ersetzt statt sie zu ergänzen. Und sie kostet das Kind zusätzlich einen Nachmittag pro Woche.
Woran erkennt man gute Nachhilfe?
An der Abstimmung, nicht an der Qualifikation allein. Eine Nachhilfe, die nicht weiß, was in der Klasse gerade läuft, arbeitet an etwas anderem, als das Kind braucht. Brauchbar ist ein einfacher Ablauf: Das Kind bringt die Hefte mit, es wird mit dem tatsächlichen Stoff gearbeitet, und es gibt eine kurze Rückmeldung an die Eltern darüber, was gemacht wurde und was noch fehlt. Ebenfalls wichtig ist die Gruppengröße – in der Volksschule wirkt Einzelbetreuung oder eine Gruppe von zwei bis drei Kindern, in größeren Gruppen entsteht wieder Unterricht, und der findet ohnehin schon statt. Sechzig Minuten sind für Volksschulkinder die Obergrenze. Wer diese Fragen vor der Anmeldung stellt, erspart sich später die Diskussion darüber, was eigentlich vereinbart war. Sechzig Minuten sind für Volksschulkinder außerdem die Obergrenze einer Einheit; darüber hinaus arbeitet ein Kind an diesem Punkt des Tages nicht mehr verlässlich mit.
Können Eltern die Nachhilfe selbst übernehmen?
Oft weniger gut als gedacht, und zwar nicht wegen des Fachwissens, sondern wegen der Beziehung. Eltern haben ein Interesse am Ergebnis, das Kinder spüren – und genau dieses Interesse macht aus einer Übung eine Prüfung. Dazu kommt die Ermüdung des Tages: Wer um siebzehn Uhr mit einem müden Kind rechnet, hat zwei erschöpfte Menschen an einem Tisch, und die Sache endet häufig im Streit statt im Ergebnis. Das ist kein Argument gegen jede Beteiligung, sondern für eine klare Rolle: Rahmen setzen und da sein, erklären nur ausnahmsweise. Zehn Minuten täglich in dieser Rolle wirken mehr als eine Stunde in der Rolle des Lehrers. Zehn Minuten täglich in dieser Rolle wirken mehr als eine Stunde in der Rolle des Lehrers. Das ist kein Argument gegen jede Beteiligung, sondern für eine klare Rolle: Rahmen setzen und da sein, erklären nur ausnahmsweise.
Was kostet Nachhilfe und was gibt es kostenlos?
Im Durchschnitt 720 Euro pro Kind und Jahr, womit Nachhilfe in der Schulkostenstudie der Arbeiterkammer zu den größten Einzelblöcken zählt. Erhoben ist auch die andere Seite: Ein erheblicher Teil der Familien, die Nachhilfe wollten, konnte sie sich aus Kostengründen nicht leisten. Das ist der Grund, warum die kostenlosen Wege nicht als zweite Wahl behandelt werden sollten. Neben der schulischen Förderung – Förderunterricht, Lernstunden, individuelle Lernbegleitung – gibt es in vielen Gemeinden Lernhilfeangebote von Vereinen, der Volkshochschule, der Caritas oder der Jugendarbeit. Auskunft geben die Gemeinde und die Arbeiterkammer. Die kostenlosen Wege sind deshalb nicht die zweite Wahl, sondern der erste Schritt. Auskunft über solche Angebote geben die Gemeinde und die Arbeiterkammer, und die Nachfrage kostet ein Telefonat.
Wie prüft man, ob Nachhilfe etwas bringt?
Mit einem festen Termin nach etwa zehn Einheiten, an dem drei Dinge besprochen werden: Was hat sich verändert, was nicht, und wie lange noch? Ohne einen solchen Zeitpunkt läuft Nachhilfe weiter, weil sie eben läuft. Als Maßstab taugt die Note allein nicht, weil sie zu spät kommt und zu grob ist. Brauchbarer sind konkrete Beobachtungen: Braucht die Hausübung weniger Zeit? Meldet sich das Kind wieder? Kommt es ohne Streit an den Tisch? Verändert sich nach zehn Einheiten nichts, ist das ein Grund für einen Wechsel der Methode und nicht für mehr Einheiten – häufig fehlt dann etwas weiter unten, und dafür ist die Abklärung zuständig. Ohne einen festen Termin läuft Nachhilfe weiter, weil sie eben läuft. Verändert sich nach zehn Einheiten nichts, ist das ein Grund für einen Wechsel der Methode und nicht für mehr Einheiten. Häufig fehlt dann etwas weiter unten.
Wann ist Nachhilfe die falsche Antwort?
Immer dann, wenn eine Teilleistungsschwäche im Raum steht. Ein Kind, das die Multiplikation nicht als wiederholte Addition verstanden hat, wird durch mehr Rechenübungen nicht schneller, sondern müder – und dasselbe gilt bei einer Lese-Rechtschreibschwäche. Deshalb gehört die Abklärung vor den Vertrag: Sie ist kostenlos, und sie verändert, was danach sinnvoll ist. In der Volksschule lautet die ehrliche Antwort ohnehin häufig »noch nicht«. Ein Kind, das in der zweiten Klasse langsamer liest oder beim Einmaleins hängt, braucht meist keine bezahlte Betreuung, sondern zehn Minuten am Tag, die richtige Übungsform und etwas Geduld. In der Volksschule lautet die ehrliche Antwort häufig: noch nicht. Ein Kind, das langsamer liest oder beim Einmaleins hängt, braucht meist zehn Minuten am Tag und die richtige Übungsform. Dazu gehört auch etwas Geduld, und die kostet nichts.
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