Der erste Elternabend in der Volksschule wird oft für eine Kennenlernrunde gehalten. Er ist in Österreich mehr als das: Er ist in der Regel das Klassenforum, und dort fallen Entscheidungen, die das ganze Schuljahr prägen.
Geregelt ist das in § 63a des Schulunterrichtsgesetzes. Wichtig daran sind drei Dinge: die Frist, die Themen und die Mehrheit – denn ein Beschluss braucht die unbedingte Mehrheit der abgegebenen Stimmen.
Dieser Beitrag nennt die Entscheidungen, die Fristen und eine Fragenliste zum Mitnehmen. Der Überblick steht unter Schulstart & Volksschule.
Was das Klassenforum ist
Das Klassenforum besteht aus der Klassenlehrerin oder dem Klassenvorstand und den Erziehungsberechtigten der Kinder dieser Klasse. Es ist damit kein Informationsformat, sondern ein Beschlussgremium.
Einzuberufen ist es mindestens einmal innerhalb der ersten acht Wochen jedes Schuljahres. Werden Klassen zusammengelegt oder geteilt, ist innerhalb von sechs Wochen nach dieser Änderung eine Sitzung abzuhalten.
Darüber liegt das Schulforum, in dem die Schulleitung, alle Klassenlehrerinnen und alle Klassenelternvertretungen der Schule sitzen. Es tagt innerhalb der ersten neun Wochen des Schuljahres und mindestens einmal jährlich.
Was dort entschieden wird
Die Themen sind nicht symbolisch. Entschieden wird unter anderem über mehrtägige Schulveranstaltungen, über Richtlinien zur Wiederverwendung von Schulbüchern, über die Termine der Elternsprechtage, über die Hausordnung und über Kooperationen der Schule.
Das Schulforum entscheidet zusätzlich über schulautonome Lehrplanbestimmungen und über Fragen der Schulorganisation. Dort werden also die Dinge geregelt, die für die gesamte Schule gelten.
Dazu kommt in der ersten Klasse eine Entscheidung mit besonderem Gewicht: die Beurteilungsform. Die Einzelheiten dazu stehen unter Noten oder verbale Beurteilung?.
Die Wahl der Klassenelternvertretung
Die Erziehungsberechtigten wählen eine Klassenelternvertretung und eine Stellvertretung. Gewählt wird in gleicher, unmittelbarer und persönlicher Wahl, und es genügt die einfache Mehrheit.
Wählbar sind nur Erziehungsberechtigte von Kindern dieser Klasse. Die Wahl wird von einer Wahlleitung durchgeführt, die den Vorgang leitet – das ist üblicherweise die Klassenlehrerin oder ein Elternteil.
Die Aufgabe ist weniger aufwendig, als viele annehmen. Sie besteht im Wesentlichen darin, im Schulforum zu sitzen, Informationen weiterzugeben und bei Konflikten ansprechbar zu sein.
Die Fragen, die sich lohnen
Ein Elternabend geht schnell in Organisatorisches über, und die Fragen, die im Alltag wirklich etwas ändern, bleiben liegen. Wer sie vorher aufschreibt, stellt sie auch.
Die folgende Liste enthält Fragen, die sich in jeder ersten Klasse lohnen – und die in einer Antwort mehr Information bringen als der halbe Abend.
| Bereich | Frage |
|---|---|
| Hausübung | Wie lange soll eine Hausübung in dieser Klasse dauern? |
| Erreichbarkeit | Auf welchem Weg und zu welchen Zeiten sind Sie erreichbar? |
| Mitteilungen | Was kommt über das Mitteilungsheft, was digital? |
| Material | Welche Posten besorgt die Klasse gemeinsam und was kostet das? |
| Lesen | Wie wird das Lesen zu Hause eingebunden, gibt es einen Lesepass? |
| Probleme | Wann melden Sie sich bei uns – und ab wann sollen wir uns melden? |
| Pausen | Wie ist die Pausenaufsicht organisiert, wo halten sich die Kinder auf? |
| Krankheit | Wie wird eine Abwesenheit gemeldet und wie wird Stoff nachgeholt? |
Was man besser nicht am Elternabend bespricht
Alles, was nur das eigene Kind betrifft, gehört nicht ins Plenum. Das ist keine Frage der Höflichkeit, sondern der Wirksamkeit: Eine Einzelfrage in der Gruppe bekommt eine allgemeine Antwort.
Ebenfalls schlecht aufgehoben sind Beschwerden über andere Kinder. Sie bringen die Lehrerin in eine unmögliche Lage und erreichen bei den betroffenen Eltern das Gegenteil von dem, was gemeint war.
Brauchbar ist stattdessen, am Ende des Abends um einen eigenen Termin zu bitten. Zwei Sätze genügen, und das Gespräch dauert dann zehn Minuten statt fünf zäher Minuten vor zwanzig Leuten.
Der Elternverein
Neben Klassen- und Schulforum gibt es an den meisten Schulen einen Elternverein. Er ist etwas anderes als das Schulforum: ein Verein mit freiwilliger Mitgliedschaft und eigenem Beitrag, der Projekte, Ausflüge und Anschaffungen mitfinanziert.
Für Familien ist vor allem eines wichtig zu wissen: Der Mitgliedsbeitrag ist freiwillig, und aus ihm werden häufig Kosten übernommen, die sonst Eltern direkt treffen würden – von Theaterkarten bis zu Beiträgen bei Schulveranstaltungen.
Sinnvoll ist deshalb, beim ersten Elternabend zu fragen, was der Elternverein in dieser Schule konkret finanziert. Die Antwort ist meist überraschend konkret und macht die Entscheidung über den Beitrag leichter.
Wie man sich vorbereitet
Zwanzig Minuten Vorbereitung machen aus dem Abend einen nützlichen Termin. Gebraucht werden drei Dinge: die eigenen Fragen auf einem Zettel, etwas zu schreiben und die Bereitschaft, das Wichtigste gleich zu notieren.
Hilfreich ist außerdem, sich vorher mit einer anderen Familie abzusprechen. Zwei Eltern, die dieselbe Frage stellen wollen, bekommen eine ausführlichere Antwort als einer allein.
Und wenn beide Eltern nicht können, lohnt es, jemanden zu bitten, die Beschlüsse mitzuschreiben. Was im Klassenforum beschlossen wird, gilt für das eigene Kind genauso.
Was nach dem Elternabend passiert
Die Beschlüsse gelten ab sofort und für das laufende Schuljahr. Wer sie nachlesen will, fragt bei der Klassenelternvertretung nach; üblich ist ein kurzes Protokoll oder eine Zusammenfassung per Mail.
Zu den Terminen, die danach folgen, gehören der Elternsprechtag und – in der ersten und zweiten Klasse – das Bewertungsgespräch vor der Schulnachricht. Beides sind eigene Formate mit eigenem Zweck.
Der nächste größere Termin im Jahreslauf ist der Elternsprechtag. Dort geht es um das einzelne Kind, und dafür lohnt dieselbe Vorbereitung: zwei oder drei Fragen, aufgeschrieben, vorher.
Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

