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Familie · Schulstart

Noten oder verbale Beurteilung?

Wie die Beurteilung in der Volksschule geregelt ist, wer darüber entscheidet – und was Eltern verlangen können.

Ein Küchentisch am Abend von oben, darauf ein leeres Blatt Papier, eine zusammengeklappte Lesebrille, eine dampfende Tasse Tee und halb darunter eine Kinderzeichnung.
Eine verbale Beurteilung ist länger als eine Note – und sagt mehr, wenn man sie liest.

Ob ein Kind in der ersten Klasse Noten bekommt oder nicht, entscheidet in Österreich nicht die Lehrerin allein und nicht das Ministerium, sondern die Eltern gemeinsam mit der Lehrerin – im Klassenforum.

Das ist der Punkt, den die meisten Familien nicht wissen: Es gibt eine echte Wahl, sie hat eine Frist, und sie lässt sich später noch einmal korrigieren. Geregelt ist das in § 18a des Schulunterrichtsgesetzes.

Dieser Beitrag erklärt, was zur Wahl steht, wer entscheidet und was im Zeugnis steht. Der Überblick steht unter Schulstart & Volksschule.

Was zur Wahl steht

Die Regel im österreichischen Schulwesen ist die Ziffernnote. Für die Volksschule gibt es davon eine Ausnahme, und sie ist auf die erste und zweite Schulstufe begrenzt.

Statt einer Leistungsbeurteilung mit Noten können die Erziehungsberechtigten dort eine schriftliche Information über die Lern- und Entwicklungssituation des Kindes erhalten. Diese Möglichkeit gilt bis zum Ende des ersten Semesters der zweiten Schulstufe.

Wichtig ist der Charakter dieser Information: Sie ist reine Leistungsinformation und beschreibt, wo das Kind steht. Sie ist keine mildere Note und kein Zeugnis ohne Konsequenzen, sondern eine andere Form, dasselbe mitzuteilen.

VarianteWo möglichWas das Kind bekommt
Ziffernnotenalle SchulstufenSchulnachricht und Jahreszeugnis mit Noten von 1 bis 5
Alternative Leistungsbeschreibung1. und 2. SchulstufeSchriftliche Information über Lern- und Entwicklungssituation
Wechsel auf Verlangenim 1. SemesterAuf Wunsch der Eltern Schulnachricht bzw. Zeugnis mit Noten

Wer entscheidet – und wann

Über die Einführung der alternativen Leistungsbeschreibung entscheidet das Klassenforum, also die Klassenlehrerin gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten der Klasse. Die Entscheidung fällt für einzelne Schulstufen.

Die Frist ist eng: Sie muss innerhalb der ersten neun Wochen des Schuljahres getroffen werden. Das erklärt, warum der erste Elternabend in der ersten Klasse so früh liegt und warum er mehr ist als eine Vorstellungsrunde.

Beschlüsse im Klassenforum brauchen die unbedingte Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Eltern, denen die Frage wichtig ist, gehen also am besten hin – abwesend zu sein bedeutet in diesem Fall, mitentschieden zu haben, ohne dabei gewesen zu sein.

Die neun Wochen sind die eigentliche Frist des Schuljahresbeginns. Das Klassenforum ist innerhalb der ersten acht Wochen des Schuljahres einzuberufen, das Schulforum innerhalb der ersten neun. In diesem Zeitfenster fallen die Entscheidungen, die das Jahr prägen: Beurteilungsform, mehrtägige Schulveranstaltungen, Elternsprechtage, Hausordnung. Wer den Termin verpasst, kann das Ergebnis nicht mehr beeinflussen.

Das Bewertungsgespräch

Vor der Ausgabe der schriftlichen Information findet ein Gespräch statt, an dem die Lehrerin, die Erziehungsberechtigten und das Kind teilnehmen. Das ist nicht der Elternsprechtag, sondern ein eigener Termin mit eigenem Zweck.

Besprochen wird der festgestellte Lernfortschritt, und zwar mit Blick auf Leistungsstärken, Begabungen und allfällige Defizite. Ausdrücklich geht es dabei auch um Selbständigkeit, Verständnis, Aufgabenerfüllung und selbständiges Arbeiten.

Für Eltern ist dieses Gespräch die beste Gelegenheit des Jahres. Es ist das einzige Format, in dem das Kind dabei ist und über sich selbst mitredet – und Kinder nehmen aus einem solchen Gespräch mehr mit als aus jedem Zeugnis.

Wenn Eltern Noten wollen

Auch wenn die Klasse sich für die alternative Beschreibung entschieden hat, bleibt der Weg zur Note offen. Erziehungsberechtigte können anstelle der Leistungsinformation eine Schulnachricht oder ein Jahreszeugnis verlangen.

Zu verlangen ist das im Bewertungsgespräch des ersten Semesters. Wird das getan, gilt für dieses Kind die Beurteilung nach den allgemeinen Bestimmungen, also mit Noten.

Verlangt wird das als Einzelentscheidung und nicht in einer Abstimmung: Sie betrifft das eigene Kind und nicht die Klasse. Wer sie trifft, sollte allerdings wissen, dass eine Note weniger Information enthält als eine Beschreibung – sie ist kürzer, nicht genauer.

Was in einer Leistungsbeschreibung steht

Eine schriftliche Information über die Lern- und Entwicklungssituation ist kein Aufsatz und keine Lobrede. Sie beschreibt in Sätzen, was ein Kind erreicht hat und woran es gerade arbeitet.

Für Eltern ungewohnt ist der Ton: Formulierungen wie »liest kurze Texte flüssig und erfasst den Inhalt« sagen mehr als ein Sehr gut, sind aber schwerer zu vergleichen. Genau das ist Absicht.

Brauchbar ist die Frage, die man an jede solche Beschreibung stellen kann: Was wäre der nächste Schritt? Wenn die Antwort im Text steht, ist die Beschreibung gut; wenn nicht, gehört sie beim Gespräch nachgefragt.

Was ab der zweiten Klasse gilt

Die alternative Leistungsbeschreibung endet mit dem ersten Semester der zweiten Schulstufe. Danach gibt es in der Volksschule Ziffernnoten, und daran ändert auch ein Beschluss des Klassenforums nichts.

Für Familien bedeutet das einen Übergang, der vorbereitet gehört. Ein Kind, das zweieinhalb Jahre Beschreibungen bekommen hat, erlebt die erste Note als etwas Neues – und je weniger daraus gemacht wird, desto besser.

Hilfreich ist, die Note von Anfang an als Auskunft über eine Leistung zu behandeln und nicht über das Kind. Wie das im Alltag geht, steht unter Motivation und Belohnung.

Was die Beurteilung nicht leistet

Weder die Note noch die Beschreibung sagt etwas über die Begabung eines Kindes aus, und beide sagen nichts über den weiteren Bildungsweg. Sie beschreiben einen Stand zu einem Zeitpunkt.

Nicht in die Beurteilung einfließen dürfen Leistungen, die nicht Gegenstand des Unterrichts waren – und ebenso nicht das Ergebnis von Erhebungen wie der iKM PLUS, die ausdrücklich keine Noten liefert.

Was diese Erhebungen tatsächlich messen und wofür sie da sind, steht unter iKM PLUS und Lesescreening.

Wie man mit dem Zeugnis umgeht

Der Tag, an dem die Schulnachricht kommt, ist in vielen Familien angespannter als nötig. Wirksam ist, ihn vorher zu entschärfen: Der Inhalt ist zu diesem Zeitpunkt längst bekannt, weil das Bewertungsgespräch vorausgegangen ist.

Brauchbar ist eine feste Reihenfolge – zuerst gemeinsam lesen, dann eine Frage stellen, dann weglegen. Was nicht hilft, ist der Vergleich mit Geschwistern oder mit der Klasse.

Und was immer hilft, ist die Trennung von Sache und Person. Eine Beurteilung beschreibt, wo ein Kind steht, und nicht, wie viel es wert ist – dieser Satz trägt die ganze Volksschulzeit.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Gibt es in der ersten Klasse Volksschule Noten?
Das entscheidet die Klasse. Die Regel im österreichischen Schulwesen ist die Ziffernnote, für die Volksschule gibt es davon aber eine Ausnahme, die auf die erste und zweite Schulstufe begrenzt ist: Statt einer Leistungsbeurteilung mit Noten können die Erziehungsberechtigten eine schriftliche Information über die Lern- und Entwicklungssituation des Kindes erhalten. Diese Möglichkeit gilt bis zum Ende des ersten Semesters der zweiten Schulstufe. Wichtig ist ihr Charakter: Sie ist reine Leistungsinformation und beschreibt, wo das Kind steht – sie ist keine mildere Note und kein Zeugnis ohne Konsequenzen, sondern eine andere Form, dasselbe mitzuteilen. Geregelt ist das in § 18a des Schulunterrichtsgesetzes. Für Eltern heißt das: Die Frage stellt sich nur in den ersten zweieinhalb Schuljahren, danach ist sie entschieden. Wer sie diskutieren will, muss das früh tun.
Wer entscheidet über die Beurteilungsform?
Das Klassenforum, also die Klassenlehrerin gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten der Klasse, und die Entscheidung fällt für einzelne Schulstufen. Die Frist ist eng: Sie muss innerhalb der ersten neun Wochen des Schuljahres getroffen werden. Das erklärt, warum der erste Elternabend in der ersten Klasse so früh liegt und warum er mehr ist als eine Vorstellungsrunde. Beschlüsse im Klassenforum brauchen die unbedingte Mehrheit der abgegebenen Stimmen, weshalb Eltern, denen die Frage wichtig ist, am besten hingehen. Abwesend zu sein bedeutet in diesem Fall, mitentschieden zu haben, ohne dabei gewesen zu sein – nachträglich lässt sich das Ergebnis für die Klasse nicht mehr ändern. Sinnvoll ist deshalb, vor dem Termin mit anderen Eltern der Klasse zu reden, weil die Entscheidung mit einfacher Mehrheit fällt und wenige Stimmen den Ausschlag geben.
Kann ich trotzdem Noten für mein Kind verlangen?
Ja. Auch wenn die Klasse sich für die alternative Leistungsbeschreibung entschieden hat, bleibt der Weg zur Note offen: Erziehungsberechtigte können anstelle der Leistungsinformation eine Schulnachricht oder ein Jahreszeugnis verlangen. Zu verlangen ist das im Bewertungsgespräch des ersten Semesters. Wird es verlangt, gilt für dieses Kind die Beurteilung nach den allgemeinen Bestimmungen, also mit Noten. Das ist eine Einzelentscheidung und keine Abstimmung – sie betrifft das eigene Kind und nicht die Klasse. Wer sie trifft, sollte allerdings wissen, dass eine Note weniger Information enthält als eine Beschreibung: Sie ist kürzer, nicht genauer, und der nächste Schritt steht nicht darin. Wer unsicher ist, kann die Frage im Gespräch offen stellen und sich die Beschreibung für das erste Semester erst einmal ansehen. Entschieden werden muss erst dort, nicht im Herbst.
Was ist das Bewertungsgespräch?
Ein eigener Termin, der vor der Ausgabe der schriftlichen Information stattfindet und an dem die Lehrerin, die Erziehungsberechtigten und das Kind teilnehmen. Es ist nicht der Elternsprechtag und hat einen eigenen Zweck: Besprochen wird der festgestellte Lernfortschritt, und zwar mit Blick auf Leistungsstärken, Begabungen und allfällige Defizite. Ausdrücklich geht es dabei auch um Selbständigkeit, Verständnis, Aufgabenerfüllung und selbständiges Arbeiten. Für Eltern ist dieses Gespräch die beste Gelegenheit des Jahres, weil es das einzige Format ist, in dem das Kind dabei ist und über sich selbst mitredet – und Kinder nehmen daraus mehr mit als aus jedem Zeugnis. Sinnvoll ist, mit einer eigenen Frage hineinzugehen statt bloß zuzuhören – etwa, woran das Kind aus Sicht der Lehrerin als Nächstes arbeiten sollte. Das gilt besonders für Kinder, die sich selbst unterschätzen.
Was steht in einer Leistungsbeschreibung?
Eine schriftliche Information über die Lern- und Entwicklungssituation ist kein Aufsatz und keine Lobrede. Sie beschreibt in Sätzen, was ein Kind erreicht hat und woran es gerade arbeitet. Für Eltern ungewohnt ist der Ton: Formulierungen wie »liest kurze Texte flüssig und erfasst den Inhalt« sagen mehr als ein Sehr gut, sind aber schwerer zu vergleichen – und genau das ist Absicht, weil der Vergleich mit der Klasse nicht der Zweck ist. Brauchbar ist eine Frage, die sich an jede solche Beschreibung stellen lässt: Was wäre der nächste Schritt? Steht die Antwort im Text, ist die Beschreibung gut; steht sie nicht darin, gehört sie beim Gespräch nachgefragt. Hilfreich ist außerdem, die Beschreibung mit dem Kind gemeinsam zu lesen; die meisten Kinder erkennen sich darin wieder und können erklären, was gemeint ist. Eine gute Beschreibung nennt immer auch den nächsten Schritt.
Ab wann gibt es sicher Noten?
Die alternative Leistungsbeschreibung endet mit dem ersten Semester der zweiten Schulstufe. Ab dem zweiten Semester der zweiten Klasse gibt es in der Volksschule Ziffernnoten, und daran ändert auch ein Beschluss des Klassenforums nichts. Für Familien bedeutet das einen Übergang, der vorbereitet gehört: Ein Kind, das zweieinhalb Jahre Beschreibungen bekommen hat, erlebt die erste Note als etwas Neues – und je weniger daraus gemacht wird, desto besser. Hilfreich ist, die Note von Anfang an als Auskunft über eine Leistung zu behandeln und nicht über das Kind. Wer diesen Unterschied früh einführt, erspart sich die Diskussionen der späteren Schuljahre. Wer den Übergang abfedern will, spricht vorher darüber, dass jetzt Zahlen kommen, und zwar ohne Ankündigung von Konsequenzen. Eine Note ist eine Auskunft und kein Urteil. Die Umstellung fällt leichter, wenn sie angekündigt ist.
Fließen Testergebnisse in die Beurteilung ein?
Nein, jedenfalls nicht die Ergebnisse der nationalen Kompetenzerhebungen. Die iKM PLUS erhebt Kernkompetenzen in Deutsch, Lesen und Mathematik gegen Ende der dritten und in der vierten Schulstufe, und ihre Ergebnisse dienen der Unterrichts- und Schulentwicklung – sie sind ausdrücklich keine Noten und stehen in keinem Zeugnis. Dasselbe gilt für Lesescreenings wie das Salzburger Lese-Screening, das die basale Lesefertigkeit erhebt und Förderbedarf sichtbar macht. In die Beurteilung dürfen außerdem keine Leistungen einfließen, die nicht Gegenstand des Unterrichts waren. Weder Note noch Beschreibung sagen im Übrigen etwas über die Begabung eines Kindes aus. Wer wissen will, wo das eigene Kind steht, fragt danach im Bewertungsgespräch oder beim Elternsprechtag – dort liegen die Informationen, die eine Zahl nicht liefert. Sie messen den Stand einer Gruppe, nicht die Leistung eines Kindes für das Zeugnis.
Wie geht man mit der Schulnachricht um?
Am besten unaufgeregt, und das lässt sich vorbereiten. Der Inhalt ist zu diesem Zeitpunkt längst bekannt, weil das Bewertungsgespräch vorausgegangen ist – eine Schulnachricht, die überrascht, ist ein Zeichen dafür, dass vorher zu wenig geredet wurde. Brauchbar ist eine feste Reihenfolge: zuerst gemeinsam lesen, dann eine Frage stellen, dann weglegen. Was nicht hilft, ist der Vergleich mit Geschwistern oder mit der Klasse, weil er das Kind in eine Rolle bringt, aus der es schwer herauskommt. Und was immer hilft, ist die Trennung von Sache und Person: Eine Beurteilung beschreibt, wo ein Kind steht, und nicht, wie viel es wert ist. Wer dem Tag die Spitze nehmen will, legt danach etwas Gewöhnliches an: einkaufen, spazieren, kochen. Ein Zeugnistag, der besonders gestaltet wird, wird damit auch besonders wichtig. Dieser Satz trägt die ganze Volksschulzeit.
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