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Familie · Lernen

Konzentration bei Kindern

Was die Aufmerksamkeit stört, was sie stärkt – und ab wann mehr dahintersteckt.

Zwei gleiche Schreibtische nebeneinander: der linke überstellt mit Tablet, Spielzeug, Jause und Stiften, der rechte nur mit einem aufgeschlagenen Heft, einem Bleistift und einem Glas Wasser.
Konzentration entsteht seltener durch Ermahnung als durch das, was nicht auf dem Tisch liegt.

Volksschulkinder können sich je nach Alter etwa 15 bis 25 Minuten am Stück konzentrieren. Was Eltern danach als Trödeln erleben, ist in den meisten Fällen eine erschöpfte Aufmerksamkeit und keine Unlust.

Wer das weiß, spart sich die Hälfte der Auseinandersetzungen am Nachmittag – denn gegen eine erschöpfte Aufmerksamkeit hilft keine Ermahnung, sondern nur eine Pause.

Dieser Beitrag beschreibt, wie lange Kinder tatsächlich können, was ihre Aufmerksamkeit stört und was sie stärkt. Der Rahmen für den Nachmittag steht unter Lernen & Hausübung.

Wie lange ein Kind konzentriert bleiben kann

Die Richtwerte für die Konzentrationsspanne steigen mit dem Alter und liegen deutlich unter dem, was Erwachsene erwarten. Sie gelten für konzentrierte Arbeit an einer Sache, nicht für Tätigkeiten, die ein Kind aus eigenem Antrieb macht.

Genau diese Unterscheidung führt regelmäßig zu Missverständnissen. Ein Kind, das zwei Stunden an einer Lego-Burg baut, hat keine längere Aufmerksamkeitsspanne als eines, das nach fünfzehn Minuten Rechnen aufgibt – es hat nur ein anderes Interesse.

AlterKonzentrationsspanne (Richtwert)Was daraus für den Nachmittag folgt
5 bis 7 Jahrerund 15 MinutenEin Block, dann Pause – auch mitten in der Aufgabe
7 bis 10 Jahrerund 20 MinutenZwei Blöcke à 20 Minuten mit Bewegungspause dazwischen
10 bis 12 Jahre20 bis 25 MinutenLängere Einheiten möglich, Pausen bleiben nötig
12 bis 14 Jahrerund 30 MinutenSelbstständige Einteilung wird realistisch

Was die Aufmerksamkeit zuverlässig stört

An erster Stelle steht der Schlaf. Ein Kind, das zu wenig geschlafen hat, wirkt selten müde, sondern unruhig, fahrig und gereizt – Schlafmangel sieht bei Kindern anders aus als bei Erwachsenen und wird deshalb oft übersehen.

An zweiter Stelle steht der Hunger. Der Nachmittag beginnt in vielen Familien direkt nach der Schule, und ein Kind, das seit der Jause nichts gegessen hat, kommt nicht weit. Zehn Minuten essen vor dem Anfangen sparen dreißig Minuten Diskussion.

Dazu kommen die offensichtlichen Störquellen: ein laufender Bildschirm in Sichtweite, Geschwister im selben Raum, ein Telefon auf dem Tisch. Entscheidend ist dabei nicht die Lautstärke, sondern ob etwas potenziell interessanter ist als die Aufgabe.

Die Pause richtig setzen

Eine Pause wirkt am besten, wenn sie eingeplant ist, bevor sie nötig wird. Eine Unterbrechung nach fünfzehn Minuten kostet zwei Minuten; eine, die aus Frust entsteht, kostet den Rest des Nachmittags.

Für die Pause selbst gilt eine Regel, die viele Familien überrascht: Bewegung bringt mehr als Ruhe. Fünf Minuten Herumlaufen, Treppensteigen oder Hüpfen bringen ein Kind eher zurück an den Tisch als fünf Minuten Hinlegen.

Ungeeignet ist alles, aus dem ein Kind nur schwer wieder herauskommt. Ein Bildschirm in der Pause verlängert sie zuverlässig und macht aus zwei Minuten zwanzig.

Die Pause ansagen, bevor sie gebraucht wird. Der Satz lautet: „Wir machen fünfzehn Minuten, dann gibt es eine Pause.“ Damit weiß das Kind von Anfang an, dass ein Ende in Sicht ist, und muss sich die Pause nicht durch Zappeln erkämpfen. Ein Wecker übernimmt die Ansage und spart den Erwachsenen die Rolle des Aufpassers.

Schlaf

Unter allen Maßnahmen zur Konzentration ist ausreichender Schlaf die wirksamste und zugleich die unbeliebteste, weil sie den Abend betrifft und nicht den Nachmittag. Volksschulkinder brauchen deutlich mehr Schlaf, als viele Familien einplanen.

Hilfreich ist, vom Aufstehen zurückzurechnen statt vom Abend nach vorn: Wer um halb sieben aufstehen muss, sollte entsprechend früh im Bett sein, und das heißt mit Einschlafzeit meist früher als gedacht.

Wirksamer als jede Ermahnung ist dabei ein verlässlicher Ablauf am Abend, der jeden Tag gleich läuft. Ein vorgelesenes Kapitel gehört zu den brauchbarsten Bestandteilen, weil es das Kind herunterfährt, statt es aufzudrehen.

Der Lernplatz

Ein guter Lernplatz ist kein teurer Schreibtisch, sondern eine Fläche, auf der nur das liegt, was gerade gebraucht wird. Alles andere gehört weg – auch die Dinge, die nur herumliegen, weil sie schon immer dort lagen.

Sinnvoll ist außerdem ein fester Platz, der jeden Tag derselbe ist, weil ein Kind dadurch beim Hinsetzen bereits weiß, was kommt. Ob das der Schreibtisch im Kinderzimmer oder der Küchentisch ist, macht dabei weniger Unterschied als die Verlässlichkeit.

Nützlich ist eine Sitzposition, in der die Füße den Boden berühren und der Rücken Halt hat. Ein Kind, das auf einem zu hohen Sessel baumelt, wird mit ziemlicher Sicherheit unruhig, und daran ist dann nicht die Aufmerksamkeit schuld.

Was wenig bringt

Wenig belegt sind kommerzielle Konzentrationstrainings, die versprechen, die Aufmerksamkeitsspanne allgemein zu verlängern. Was in solchen Programmen trainiert wird, verbessert meist die Leistung in genau diesen Übungen und überträgt sich kaum auf die Hausübung.

Ähnlich vorsichtig ist mit Nahrungsergänzung umzugehen. Für gesunde Kinder ohne festgestellten Mangel ist ein Nutzen für die Konzentration nicht belegt – wo ein Verdacht auf einen Mangel besteht, gehört das ärztlich abgeklärt und nicht selbst behandelt.

Ebenso wenig hilft die Verlängerung der Arbeitszeit. Ein Kind, dessen Aufmerksamkeit erschöpft ist, wird durch weitere zwanzig Minuten am Tisch nicht aufmerksamer, sondern nur unglücklicher – und lernt nebenbei, dass Lernen unangenehm ist.

Interesse schlägt Disziplin

Auffällig ist bei fast jedem Kind der Unterschied zwischen selbst gewählten und aufgetragenen Tätigkeiten. Dasselbe Kind hält beim Bauen, Zeichnen oder einem Lieblingsthema erheblich länger durch als bei einer Übungsseite.

Nutzbar ist das im Kleinen. Wo sich ein Stoff mit einem Interesse verbinden lässt – Rechnen mit Fußballergebnissen, Lesen über Pferde, Schreiben als Brief an die Großmutter –, verlängert sich die Ausdauer ohne jede Ermahnung.

Übertragen lässt sich das allerdings nicht beliebig. Manches muss trotzdem geübt werden, und dafür bleibt der Rahmen aus fester Zeit, klarer Obergrenze und eingeplanter Pause das wirksamste Mittel.

Wann mehr dahintersteckt

Auffällig wird es nicht dadurch, dass ein Kind bei der Hausübung unruhig ist – das sind fast alle. Aufmerksam werden sollte man, wenn die Schwierigkeiten in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig auftreten, also in der Schule, zu Hause und in der Freizeit, und wenn sie über Monate anhalten.

Weitere Hinweise sind eine deutliche Abweichung von Gleichaltrigen, ein hoher Leidensdruck beim Kind selbst und die Beobachtung, dass auch selbst gewählte Tätigkeiten nicht durchgehalten werden.

Der Weg führt in Österreich über die Lehrperson und die Schulpsychologie der Bildungsdirektion, deren Leistungen freiwillig, kostenlos und vertraulich sind, sowie über die Kinderärztin oder den Kinderarzt. Eine Einordnung stellt ausschließlich eine fachärztliche oder klinisch-psychologische Abklärung her.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Wie lange können sich Kinder konzentrieren?
Als Richtwerte gelten etwa 15 Minuten bei Fünf- bis Siebenjährigen, rund 20 Minuten bei Sieben- bis Zehnjährigen, 20 bis 25 Minuten bei Zehn- bis Zwölfjährigen und rund 30 Minuten ab zwölf Jahren. Diese Werte gelten für konzentrierte Arbeit an einer aufgetragenen Sache, nicht für Tätigkeiten, die ein Kind aus eigenem Antrieb macht – genau diese Unterscheidung führt regelmäßig zu Missverständnissen. Ein Kind, das zwei Stunden an einer Lego-Burg baut, hat keine längere Aufmerksamkeitsspanne als eines, das nach fünfzehn Minuten Rechnen aufgibt; es hat nur ein anderes Interesse. Was Eltern nach Ablauf dieser Zeit als Trödeln erleben, ist meist eine erschöpfte Aufmerksamkeit. Gegen eine erschöpfte Aufmerksamkeit hilft keine Ermahnung, sondern nur eine Pause – und zwar am besten eine, die eingeplant war, bevor sie gebraucht wurde.
Was stört die Konzentration meines Kindes am meisten?
An erster Stelle steht der Schlaf. Ein Kind, das zu wenig geschlafen hat, wirkt selten müde, sondern unruhig, fahrig und gereizt – Schlafmangel sieht bei Kindern anders aus als bei Erwachsenen und wird deshalb häufig übersehen. An zweiter Stelle steht der Hunger: Der Nachmittag beginnt in vielen Familien direkt nach der Schule, und ein Kind, das seit der Jause nichts gegessen hat, kommt nicht weit. Zehn Minuten essen vor dem Anfangen sparen dreißig Minuten Diskussion. Dazu kommen die offensichtlichen Störquellen wie ein laufender Bildschirm in Sichtweite, Geschwister im selben Raum oder ein Telefon auf dem Tisch. Entscheidend ist nicht die Lautstärke, sondern ob etwas interessanter ist als die Aufgabe. Wirksam ist deshalb, vor dem Anfangen zwei Dinge zu klären: ob das Kind gegessen hat und ob auf dem Tisch nur liegt, was gerade gebraucht wird. Beides kostet fünf Minuten und spart oft den halben Nachmittag.
Wie setze ich Pausen richtig?
Eine Pause wirkt am besten, wenn sie eingeplant ist, bevor sie nötig wird. Eine Unterbrechung nach fünfzehn Minuten kostet zwei Minuten; eine, die aus Frust entsteht, kostet den Rest des Nachmittags. Angekündigt wird sie am besten gleich zu Beginn, etwa mit dem Satz: „Wir machen fünfzehn Minuten, dann gibt es eine Pause.“ So weiß das Kind von Anfang an, dass ein Ende in Sicht ist, und muss sich die Pause nicht durch Zappeln erkämpfen. Für die Pause selbst gilt eine Regel, die viele überrascht: Bewegung bringt mehr als Ruhe. Ungeeignet ist alles, aus dem ein Kind schwer wieder herauskommt – ein Bildschirm macht aus zwei Minuten zuverlässig zwanzig. Ein Wecker übernimmt die Ansage und erspart den Erwachsenen die Rolle des Aufpassers: Nicht ein Elternteil beendet die Einheit, sondern die Uhr, und darüber lässt sich schlecht streiten.
Hilft Bewegung der Konzentration?
In der Pause ja, und zwar mehr als Hinlegen. Fünf Minuten Herumlaufen, Treppensteigen oder Hüpfen bringen ein Kind eher zurück an den Tisch als fünf Minuten Ruhe, weil die Unruhe, die sich beim Sitzen aufbaut, dabei tatsächlich abgebaut wird. Für den ganzen Nachmittag gilt Ähnliches: Ein Kind, das nach der Schule zuerst eine Stunde draußen war, sitzt danach meist ruhiger als eines, das direkt vom Schulbank an den Schreibtisch gewechselt ist. Wichtig ist allerdings, die Bewegung nicht zur zweiten Anforderung zu machen. Gemeint ist freies Herumtoben und nicht ein weiterer Termin, der ebenfalls Leistung verlangt und das Kind zusätzlich müde macht. Für den Nachmittag heißt das: erst hinaus, dann an den Tisch – in dieser Reihenfolge sitzt ein Kind meist deutlich ruhiger als umgekehrt. Ungeeignet ist ein Bildschirm in der Pause, weil er sie zuverlässig verlängert.
Bringen Konzentrationstrainings etwas?
Kommerzielle Programme, die versprechen, die Aufmerksamkeitsspanne allgemein zu verlängern, sind schwach belegt. Was in solchen Trainings geübt wird, verbessert meist die Leistung in genau diesen Übungen und überträgt sich kaum auf die Hausübung oder den Unterricht. Ähnlich vorsichtig ist mit Nahrungsergänzung umzugehen: Für gesunde Kinder ohne festgestellten Mangel ist ein Nutzen für die Konzentration nicht belegt, und wo ein Verdacht auf einen Mangel besteht, gehört das ärztlich abgeklärt statt selbst behandelt. Wirksamer und billiger sind die unspektakulären Maßnahmen – ausreichend Schlaf, etwas zu essen vor dem Anfangen, ein aufgeräumter Platz und geplante Pausen. Auch die Verlängerung der Arbeitszeit gehört in diese Kategorie: Ein Kind, dessen Aufmerksamkeit erschöpft ist, wird durch weitere zwanzig Minuten am Tisch nicht aufmerksamer, sondern nur unglücklicher.
Wie sieht ein guter Lernplatz aus?
Ein guter Lernplatz ist kein teurer Schreibtisch, sondern eine Fläche, auf der nur das liegt, was gerade gebraucht wird. Alles andere gehört weg, auch die Dinge, die nur dort liegen, weil sie schon immer dort lagen. Sinnvoll ist außerdem ein fester Platz, der jeden Tag derselbe ist, weil ein Kind dadurch beim Hinsetzen bereits weiß, was kommt; ob das der Schreibtisch im Kinderzimmer oder der Küchentisch ist, macht weniger Unterschied als die Verlässlichkeit. Nützlich ist eine Sitzposition, in der die Füße den Boden berühren und der Rücken Halt hat. Ein Kind, das auf einem zu hohen Sessel baumelt, wird mit ziemlicher Sicherheit unruhig, und daran ist dann nicht die Aufmerksamkeit schuld. Hilfreich ist zudem, den Platz gemeinsam mit dem Kind einzurichten, statt ihn vorzugeben: Was ein Kind selbst geordnet hat, hält es eher in Ordnung.
Warum kann mein Kind stundenlang spielen, aber nicht zehn Minuten lernen?
Weil Interesse die Ausdauer stärker bestimmt als Disziplin. Die Richtwerte für die Konzentrationsspanne gelten für aufgetragene Tätigkeiten; bei selbst gewählten hält dasselbe Kind erheblich länger durch. Das ist keine Charakterfrage und auch kein Zeichen von Faulheit, sondern bei Erwachsenen genauso zu beobachten. Nutzbar ist der Zusammenhang im Kleinen: Wo sich ein Stoff mit einem Interesse verbinden lässt – Rechnen mit Fußballergebnissen, Lesen über Pferde, Schreiben als Brief an die Großmutter –, verlängert sich die Ausdauer ohne jede Ermahnung. Übertragen lässt sich das aber nicht beliebig, denn manches muss trotzdem geübt werden. Dafür bleibt der feste Rahmen das wirksamste Mittel. Für Eltern ist das eine entlastende Einsicht, weil sie den Streit von der Person des Kindes weg und zur Sache hin verschiebt. Ein Kind ist nicht unkonzentriert, sondern in diesem Moment uninteressiert.
Ab wann sollte ich Konzentrationsprobleme abklären lassen?
Auffällig wird es nicht dadurch, dass ein Kind bei der Hausübung unruhig ist – das sind fast alle. Aufmerksam werden sollte man, wenn die Schwierigkeiten in mehreren Lebensbereichen gleichzeitig auftreten, also in der Schule, zu Hause und in der Freizeit, und wenn sie über Monate hinweg anhalten. Weitere Hinweise sind eine deutliche Abweichung von Gleichaltrigen, ein hoher Leidensdruck beim Kind selbst und die Beobachtung, dass auch selbst gewählte Tätigkeiten nicht durchgehalten werden. Der Weg führt in Österreich über die Lehrperson, über die Schulpsychologie der Bildungsdirektion sowie über die Kinderärztin oder den Kinderarzt. Eine Einordnung stellt ausschließlich eine fachliche Abklärung her. Bis dahin gilt derselbe Rahmen wie sonst: kurze Einheiten, geplante Pausen, ein aufgeräumter Platz und ausreichend Schlaf – daran ändert eine spätere Einordnung nichts.
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