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Familie · Schulstart

Die Vorschulstufe: ein Jahr mehr Zeit

Ein zusätzliches Jahr innerhalb der Schule – und für viele Kinder die bessere Entscheidung.

Ein helles Klassenzimmer von hinten: Kinder sitzen im Halbkreis auf einem Teppich, ein Kind arbeitet etwas abseits an einem niedrigen Tisch konzentriert an einem Fädelspiel.
Die Vorschulstufe ist kein Abstellgleis, sondern dieselbe Schule mit mehr Zeit.

Die Vorschulstufe ist ein zusätzliches Jahr innerhalb der Volksschule für Kinder, die bereits schulpflichtig, aber noch nicht schulreif sind. Sie hat einen eigenen Lehrplan, bereitet spielerisch auf die erste Schulstufe vor und zählt zur allgemeinen Schulpflicht. Das Kind geht also zur Schule, nur mit einem anderen Programm.

Für viele Familien ist die Mitteilung trotzdem zuerst eine Enttäuschung. Das liegt weniger an der Sache als an dem, was hineingelesen wird: ein verlorenes Jahr, ein Rückstand, ein Urteil über das Kind. Nichts davon trifft zu.

Dieser Beitrag beschreibt, wer in die Vorschulstufe kommt, wie sie organisiert ist, was dort passiert und wie es danach weitergeht. Wie die Entscheidung zustande kommt, steht unter Schulreifetest: was wirklich geprüft wird.

Was ist die Vorschulstufe genau?

Die Vorschulstufe ist eine eigene Stufe innerhalb der Volksschule mit eigenem Lehrplan. Sie richtet sich an Kinder, die schulpflichtig geworden sind, bei denen die Schulleitung aber festgestellt hat, dass sie dem Unterricht der ersten Schulstufe noch nicht ohne Überforderung folgen könnten.

Innerhalb der Gliederung der Volksschule gehört die Vorschulstufe bei Bedarf zur Grundstufe I, die sonst aus der ersten und zweiten Schulstufe besteht. Sie ist damit Teil der Schule und nicht davor angesiedelt.

Der Unterschied zum Kindergarten ist deutlich: Das Kind hat eine Klasse, eine Lehrperson, einen Stundenplan und einen Schulweg. Es gehört zur Schule, und für die meisten Kinder ist genau das der Punkt, der zählt.

Wer kommt in die Vorschulstufe?

In die Vorschulstufe kommen Kinder, die bei der Schuleinschreibung als noch nicht schulreif eingeschätzt wurden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung auf Grundlage des Termins, der Sprachstandsfeststellung und der Unterlagen aus dem Kindergarten.

Die Gründe sind unterschiedlich und liegen selten an einer einzelnen Sache. Häufig geht es um Aufmerksamkeit und Ausdauer, um Sprache, um die soziale Entwicklung in der Gruppe oder schlicht darum, dass ein Kind kurz vor dem Stichtag geboren wurde und deshalb ein knappes Jahr jünger ist als die meisten in seiner Klasse.

Reichen zusätzlich die Deutschkenntnisse nicht aus, kommt Sprachförderung dazu. Liegt es ausschließlich an der Sprache, kommt das Kind dagegen in die erste Schulstufe mit Deutschförderklasse oder Deutschförderkurs – dann ist die Vorschulstufe nicht der richtige Weg.

Wie ist die Vorschulstufe organisiert?

Es gibt zwei Formen, und welche zum Tragen kommt, hängt von der Größe der Schule ab. An größeren Standorten gibt es eigene Vorschulklassen. An kleineren werden Vorschulkinder gemeinsam mit der ersten und teilweise zweiten Schulstufe unterrichtet und dabei nach dem Vorschullehrplan gefördert.

Die gemeinsame Führung hat einen Vorteil, der oft übersehen wird: Das Kind sitzt von Anfang an in der Klasse, in der es später weiterlernt, und der Übergang in die erste Schulstufe ist kein Wechsel mehr.

In beiden Formen gilt derselbe Lehrplan mit denselben Zielen. Unterschiedlich ist nur, wie der Unterricht organisiert wird.

FormWie sie aussiehtWo sie üblich ist
Eigene VorschulklasseEine eigene Klasse nur mit VorschulkindernGrößere Schulen mit genügend Kindern
Gemeinsam geführtVorschulkinder lernen in einer Klasse mit der ersten und zweiten Schulstufe, nach eigenem LehrplanKleinere Schulen und Standorte mit flexibler Schuleingangsphase

Was passiert dort im Unterricht?

Der Vorschullehrplan bereitet spielerisch auf die erste Schulstufe vor. Gearbeitet wird an den Voraussetzungen des Lesens, Schreibens und Rechnens, nicht an diesen Fertigkeiten selbst: Sprache, Wahrnehmung, Mengenverständnis, Feinmotorik, Konzentration und die Fähigkeit, in einer Gruppe zu lernen.

Praktisch heißt das viel Bewegung, viel Sprechen, viel Hantieren mit Material – und deutlich weniger Zeit am Tisch, als im ersten Schuljahr üblich wäre. Genau darin liegt der Sinn: Die Anforderung wird an das Kind angepasst und nicht umgekehrt.

Für Kinder, die in einer ersten Klasse chronisch hinterherliefen, ist der Unterschied oft binnen weniger Wochen sichtbar. Sie erleben zum ersten Mal, dass sie mitkommen.

Der wichtigste Effekt ist nicht fachlich. Ein Kind, das im ersten Schuljahr täglich die Erfahrung macht, das Langsamste zu sein, baut ein Bild von sich auf, das jahrelang hält. Die Vorschulstufe verhindert genau das – und dieser Effekt wiegt schwerer als jeder Lernstoff.

Zählt das Jahr zur Schulpflicht?

Ja. Das Vorschuljahr zählt zur allgemeinen Schulpflicht von neun Jahren. Es ist damit kein zusätzliches, vorgeschaltetes Jahr, sondern das erste der neun.

Für die Familie bedeutet das: Das Kind ist Schulkind, mit allem, was dazugehört – Schulweg, Klasse, Zeugnis, Ferienordnung und Schulpflicht. Auch Anspruch auf Schülerfreifahrt und Schulbuchaktion bestehen wie bei allen anderen Schulstufen.

Gegen Ende der Pflichtschulzeit kann sich daraus eine Frage ergeben, die zum Zeitpunkt der Einschreibung noch weit weg ist. Wer das genau wissen möchte, klärt es am besten dann mit der zuständigen Bildungsdirektion, weil die Regelungen von der weiteren Schullaufbahn abhängen.

Kann mein Kind während des Jahres in die erste Klasse wechseln?

Ja, das ist vorgesehen. Die Einstufung ist nicht endgültig, und wenn sich im laufenden Schuljahr zeigt, dass ein Kind weiter ist als angenommen, kann es in die erste Schulstufe wechseln.

An Schulen, die die Schuleingangsphase flexibel führen, ist der Wechsel besonders einfach, weil die Kinder ohnehin gemeinsam in einer Klasse lernen. Dort verändert sich vor allem, nach welchem Lehrplan ein Kind gefördert wird.

Umgekehrt gilt dasselbe: Ein Kind, das in der ersten Schulstufe dauerhaft überfordert ist, kann in die Vorschulstufe wechseln. Beide Richtungen sind möglich, und beide sollten früh im Schuljahr besprochen werden, nicht erst im Mai.

Was sage ich meinem Kind – und was den anderen?

Dem Kind sagt man am besten die Wahrheit in einfacher Form: Du kommst in die Schule, und du bist in der Klasse, in der man alles in Ruhe lernt. Kinder in diesem Alter übernehmen die Bewertung der Erwachsenen. Wer die Vorschulstufe als Rückschlag behandelt, macht sie dazu.

Gegenüber anderen Eltern hilft dieselbe Sachlichkeit. Die Vorschulstufe ist eine von vier möglichen Einstufungen und in Österreich völlig üblich – es gibt sie an nahezu jeder Volksschule, weil es an nahezu jeder Volksschule Kinder gibt, die sie brauchen.

Was sich dagegen nicht lohnt, ist die Rechtfertigung. Ein Satz genügt, und danach wechselt man das Thema.

Was spricht dafür, was dagegen?

Die ehrliche Antwort lautet: In den meisten Fällen spricht mehr dafür, als Eltern im ersten Moment annehmen. Die Bedenken richten sich fast immer auf das Jahr, die Vorteile auf die acht Jahre danach.

Trotzdem ist die Entscheidung nicht in jedem Fall eindeutig, und es lohnt, beide Seiten anzusehen.

Dafür sprichtDagegen wird oft eingewendet
Das Kind lernt von Anfang an mit Erfolgserlebnissen statt mit ÜberforderungEin Jahr Verzögerung im Schulverlauf
Der Lehrplan ist auf genau diesen Entwicklungsstand ausgelegtDie Freunde aus dem Kindergarten sind in der ersten Klasse
Ein Wechsel nach oben ist im laufenden Jahr jederzeit möglichDie Sorge, das Kind fühle sich zurückgesetzt
Das Selbstbild als Schulkind entsteht mit einer positiven ErfahrungFragen aus dem Umfeld, warum das Kind nicht in die erste Klasse geht

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Ist die Vorschulstufe ein verlorenes Jahr?
Nein. Das Vorschuljahr zählt zur allgemeinen Schulpflicht und ist damit kein zusätzliches, vorgeschaltetes Jahr, sondern das erste von neun. Das Kind ist Schulkind mit Klasse, Lehrperson, Stundenplan und Schulweg. Was sich unterscheidet, ist der Lehrplan: Gearbeitet wird an den Voraussetzungen des Lesens, Schreibens und Rechnens statt an diesen Fertigkeiten selbst. Die Sorge vor einem verlorenen Jahr richtet sich fast immer auf dieses eine Jahr, während die Vorteile die acht Jahre danach betreffen. Ein Kind, das im ersten Schuljahr täglich die Erfahrung macht, das Langsamste zu sein, baut ein Bild von sich auf, das lange hält – genau davor schützt die Vorschulstufe, und das wiegt schwerer als der Zeitgewinn. Für die Familie ändert sich im Alltag entsprechend wenig: Das Kind geht jeden Morgen zur Schule wie alle anderen auch.
Wie unterscheidet sich die Vorschulstufe vom Kindergarten?
Deutlich. Die Vorschulstufe ist Teil der Volksschule und nicht davor angesiedelt: Das Kind hat eine Klasse, eine Lehrperson, einen Stundenplan, ein Zeugnis und einen Schulweg, und es gilt die Ferienordnung der Schule. Auch Schülerfreifahrt und Schulbuchaktion greifen wie bei allen anderen Schulstufen. Inhaltlich folgt der Unterricht dem Vorschullehrplan, der spielerisch auf die erste Schulstufe vorbereitet – mit viel Bewegung, viel Sprechen und viel Hantieren mit Material, aber deutlich weniger Zeit am Tisch als in einer ersten Klasse. Für die meisten Kinder ist der entscheidende Unterschied jedoch ein anderer: Sie gehören zur Schule, und das ist genau das, worauf sie sich gefreut haben. Und im Unterschied zu einem weiteren Kindergartenjahr bleibt der Anschluss an die Klasse erhalten, in der das Kind später weiterlernt.
Wie wird entschieden, ob mein Kind in die Vorschulstufe kommt?
Die Entscheidung trifft die Schulleitung bei der Schuleinschreibung, gestützt auf drei Dinge: den Eindruck beim persönlichen Termin, die Feststellung der Deutschkenntnisse und die Entwicklungsdokumentation aus dem Kindergarten. Maßgeblich sind die beiden gesetzlichen Kriterien der Schulreife – ausreichende Kenntnis der Unterrichtssprache und die Fähigkeit, dem Unterricht ohne Überforderung zu folgen. In die Vorschulstufe kommt ein Kind, bei dem die allgemeine Reife noch nicht gegeben ist. Liegt es ausschließlich an der Sprache, führt der Weg dagegen in die erste Schulstufe mit Deutschförderung. Die Gründe sind selten einzeln: Häufig geht es um Aufmerksamkeit, Ausdauer, soziale Entwicklung oder schlicht darum, dass ein Kind knapp vor dem Stichtag geboren wurde. Für Eltern ist deshalb hilfreich zu wissen, dass die Entscheidung nicht an einer einzelnen Beobachtung hängt, sondern an mehreren Quellen zugleich.
Ist der Wechsel in die erste Schulstufe später noch möglich?
Ja, das ist ausdrücklich vorgesehen. Die Einstufung ist nicht endgültig, und wenn sich im laufenden Schuljahr zeigt, dass ein Kind weiter ist als angenommen, kann es in die erste Schulstufe wechseln. An Schulen, die die Schuleingangsphase flexibel führen, ist das besonders einfach, weil Vorschulkinder und Erstklässler ohnehin gemeinsam in einer Klasse lernen – dort ändert sich vor allem, nach welchem Lehrplan ein Kind gefördert wird. Umgekehrt gilt dasselbe: Ein Kind, das in der ersten Schulstufe dauerhaft überfordert ist, kann in die Vorschulstufe wechseln. Beide Richtungen sind möglich, und beide sollten früh im Schuljahr angesprochen werden statt erst im Mai, wenn das Jahr ohnehin fast vorbei ist. Angesprochen wird der Wechsel am besten von der Lehrperson aus, die das Kind täglich sieht – Eltern können die Frage aber jederzeit selbst stellen.
Gibt es eigene Vorschulklassen an jeder Schule?
Es gibt zwei Formen, und welche zum Tragen kommt, hängt von der Größe der Schule ab. An größeren Standorten gibt es eigene Vorschulklassen nur mit Vorschulkindern. An kleineren Schulen werden Vorschulkinder gemeinsam mit der ersten und teilweise zweiten Schulstufe unterrichtet und dabei nach dem Vorschullehrplan gefördert. Die gemeinsame Führung hat einen Vorteil, der leicht übersehen wird: Das Kind sitzt von Anfang an in der Klasse, in der es später weiterlernt, und der Übergang in die erste Schulstufe ist dann kein Wechsel mehr, sondern nur ein anderer Lehrplan. In beiden Formen gelten dieselben Ziele und derselbe Lehrplan – unterschiedlich ist allein, wie der Unterricht organisiert wird. Welche Form an der eigenen Schule gilt, erfährt man am einfachsten bei der Einschreibung oder durch einen Anruf in der Direktion. Beide Formen sind gleichwertig und folgen denselben Zielen.
Was lernt ein Kind in der Vorschulstufe?
Der Vorschullehrplan arbeitet an den Voraussetzungen des Lesens, Schreibens und Rechnens, nicht an diesen Fertigkeiten selbst. Dazu gehören Sprache und Wortschatz, Wahrnehmung, Mengenverständnis, Feinmotorik, Konzentration und die Fähigkeit, in einer Gruppe zu lernen. Praktisch heißt das viel Bewegung, viel Sprechen und viel Arbeiten mit Material – und deutlich weniger Zeit am Tisch, als im ersten Schuljahr üblich wäre. Genau darin liegt der Sinn: Die Anforderung wird an das Kind angepasst und nicht umgekehrt. Für Kinder, die in einer ersten Klasse chronisch hinterhergelaufen wären, ist der Unterschied oft binnen weniger Wochen sichtbar – sie erleben zum ersten Mal, dass sie mitkommen, und das verändert ihre Haltung zum Lernen. Für Eltern heißt das auch, zu Hause nichts zusätzlich üben zu müssen – das Programm der Schule deckt genau das ab, worum es geht.
Wie erkläre ich meinem Kind die Vorschulstufe?
Am besten in einfacher Form und ohne Bedauern: Du kommst in die Schule, und du bist in der Klasse, in der man alles in Ruhe lernt. Kinder in diesem Alter übernehmen die Bewertung der Erwachsenen fast vollständig – wer die Vorschulstufe als Rückschlag behandelt, macht sie im Erleben des Kindes dazu. Umgekehrt nehmen Kinder eine sachliche Auskunft ohne Weiteres an, weil sie den Vergleich noch gar nicht anstellen. Gegenüber anderen Eltern hilft dieselbe Sachlichkeit: Die Vorschulstufe ist eine von vier möglichen Einstufungen und in Österreich völlig üblich – es gibt sie an nahezu jeder Volksschule. Was sich dagegen nicht lohnt, ist eine ausführliche Rechtfertigung; ein Satz genügt, und danach wechselt man das Thema. Und man vermeidet Vergleiche mit Kindern aus dem Kindergarten, die in die erste Klasse gekommen sind; Kinder stellen diesen Vergleich von selbst seltener an, als Erwachsene vermuten.
Bekommt mein Kind in der Vorschulstufe ein Zeugnis?
Ja. Die Vorschulstufe ist eine Schulstufe der Volksschule, und wie in der Grundstufe I üblich erhalten die Kinder am Ende des Schuljahres eine Beurteilung. Wie diese aussieht, unterscheidet sich je nach Schule und Schulstufe – in der Grundstufe I ist eine verbale Beurteilung verbreitet, die beschreibt, was ein Kind kann und woran es arbeitet, statt Noten zu vergeben. Für die genaue Form an der eigenen Schule fragt man am besten direkt in der Direktion nach, weil die Schulen hier Spielraum haben. Unabhängig von der Form gilt: Die Beurteilung beschreibt den Entwicklungsstand und entscheidet nicht über ein Bestehen. Ein Aufsteigen in die erste Schulstufe erfolgt im Anschluss regulär. Die Beurteilung dient damit der Rückmeldung an die Familie und nicht der Auslese. Für den weiteren Verlauf ist die Beurteilung des Vorschuljahres ohne Auswirkung; sie hält den Stand fest und nicht mehr. Wer sie nicht versteht, lässt sie sich im Elterngespräch erklären – dafür sind diese Gespräche da.
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