In der Volksschule werden in Österreich zwei Erhebungen durchgeführt, die Eltern regelmäßig beunruhigen: die iKM PLUS und ein Lesescreening. Beide sehen nach einem Test aus, und keine von beiden ist eine Prüfung.
Der Unterschied ist wichtig, weil er darüber entscheidet, wie man mit dem Ergebnis umgeht. Weder das eine noch das andere fließt in eine Note ein, und beide sind nicht dafür gemacht, ein Kind zu bewerten.
Dieser Beitrag erklärt, was erhoben wird, wann, und was Eltern davon erfahren. Der Überblick steht unter Schulstart & Volksschule.
Was die iKM PLUS ist
Die iKM PLUS ist die nationale Kompetenzerhebung. In der Volksschule erhebt sie Kernkompetenzen in Deutsch, und zwar im Bereich Lesen, sowie in Mathematik.
Durchgeführt wird sie gegen Ende der dritten und in der vierten Schulstufe über eine Online-Plattform. Zuständig ist das IQS, das Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen.
Der Zweck steht in der Beschreibung ausdrücklich: Die Ergebnisse unterstützen Unterricht und Schulentwicklung. Schulen bekommen individuelle und aggregierte Ergebnisse, die in die Unterrichtsplanung eingehen, und daraus werden Dreijahresberichte für die Schule erstellt.
| Merkmal | iKM PLUS | Salzburger Lese-Screening |
|---|---|---|
| Was erhoben wird | Deutsch (Lesen) und Mathematik | Basale Lesefertigkeit |
| Wann | Ende der 3. und in der 4. Schulstufe | Meist 1. und 3. Schulstufe |
| Dauer | mehrere Einheiten, online | drei Minuten |
| Ergebnis | Kompetenzrückmeldung für Schule und Klasse | Lesequotient |
| Note? | nein | nein |
Warum das keine Note ist
Eine Note beurteilt die Leistung eines Kindes an den Anforderungen des Lehrplans, und sie hat rechtliche Folgen. Eine Kompetenzerhebung beschreibt, wo eine Gruppe steht, und sie hat keine.
Das Ergebnis der iKM PLUS steht daher in keinem Zeugnis und in keiner Schulnachricht. In die Leistungsbeurteilung dürfen ohnehin keine Leistungen einfließen, die nicht Gegenstand des Unterrichts waren.
Für Eltern folgt daraus etwas Entlastendes: Es gibt nichts, worauf man ein Kind vorbereiten müsste. Üben für die iKM PLUS verfälscht das Ergebnis und nimmt der Erhebung genau den Nutzen, den sie haben soll.
Das Salzburger Lese-Screening
Das SLS ist ein dreiminütiges Screening der basalen Lesefertigkeit. Die Kinder lesen kurze Sätze und entscheiden, ob sie stimmen – gemessen wird dabei, wie viele davon in der Zeit bewältigt werden.
Ausgewertet wird das Ergebnis als Lesequotient. In der Volksschule wird das Screening üblicherweise in der ersten und in der dritten Schulstufe eingesetzt.
Was es leistet, ist Früherkennung. Ein Screening findet Kinder, bei denen genauer hingesehen werden soll – es stellt keine Diagnose, und es sagt nichts darüber, ob ein Kind gern liest oder Texte versteht.
Was das Ergebnis nicht aussagt
Ein Screening erfasst die Lesefertigkeit, also das Entschlüsseln von Wörtern unter Zeitdruck. Es erfasst nicht das Leseverständnis, nicht die Lesefreude und nicht die Begabung.
Daraus folgt eine häufige Verwechslung. Ein Kind mit gutem Lesequotienten kann Texte schlecht verstehen, und ein langsam lesendes Kind kann inhaltlich sehr genau arbeiten. Beides kommt vor und wird durch die Zahl nicht abgebildet.
Umgekehrt ist ein auffälliger Wert ein Grund, genauer hinzusehen, und kein Grund zur Beunruhigung. Was dann folgt, steht unter Legasthenie und LRS in Österreich.
Was Eltern erfahren
Die Rückmeldung der iKM PLUS geht in erster Linie an die Schule, weil die Erhebung für die Schulentwicklung gemacht ist. Eine automatische Mitteilung an alle Eltern ist nicht vorgesehen.
Wer wissen will, wo das eigene Kind steht, fragt danach – beim Elternsprechtag oder, in der ersten und zweiten Klasse, im Bewertungsgespräch. Dort liegen die Informationen, die eine Zahl ohnehin nicht liefert.
Brauchbar ist eine konkrete Frage statt der allgemeinen nach dem Ergebnis: Woran sollte mein Kind als Nächstes arbeiten? Die Antwort darauf ist im Alltag verwertbar, ein Punktwert nicht.
Was mit einem auffälligen Ergebnis passiert
Ein auffälliges Ergebnis ist ein Hinweis, und er löst innerhalb der Schule Förderung aus. Das kann zusätzliche Übungszeit sein, Lautleseverfahren, eine Fördergruppe oder eine gezieltere Beobachtung im Unterricht.
Für die Eltern folgt daraus vor allem eines: nachfragen, was die Schule konkret vorhat. Eine Förderung, von der zu Hause niemand weiß, lässt sich nicht unterstützen.
Wo der Verdacht auf eine Lese-Rechtschreibschwierigkeit besteht, ist die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion die zuständige Stelle. Sie ist freiwillig, kostenlos und vertraulich.
Warum es diese Erhebungen gibt
Der Grund liegt in den Ergebnissen internationaler Studien. PIRLS 2021 zeigt für Österreich 530 Punkte am Ende der Volksschule, dabei 20 Prozent der Kinder der vierten Schulstufe in der Risikogruppe und 7 Prozent in der Spitzengruppe.
Eine Risikogruppe dieser Größe lässt sich nur finden, wenn regelmäßig erhoben wird. Genau das ist der Zweck: nicht Kinder zu bewerten, sondern Förderbedarf früh sichtbar zu machen.
Für Familien bedeutet das, die Erhebungen als Werkzeug der Schule zu betrachten und nicht als Bewertung des Kindes. Wer sie so behandelt, nimmt ihnen die Schärfe – und dem Kind die Anspannung.
Was zu Hause tatsächlich hilft
Wer die Lesefertigkeit verbessern will, braucht kein Testtraining, sondern regelmäßige kurze Leseeinheiten. Wirksam sind nach der Forschungslage vor allem Lautleseverfahren, also wiederholtes und begleitetes Vorlesen.
Die Dosis ist dabei überschaubar: einige Minuten täglich schlagen eine lange Einheit am Wochenende. Wie das ohne Streit geht, steht unter Lesen üben ohne Streit.
Und was ebenso zählt: Ein Kind, das gern liest, liest mehr, und Lesemenge ist der stärkste Hebel überhaupt. Deshalb gehört die Frage nach dem Stoff und die nach der Freude nicht getrennt behandelt.
Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

