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Familie · Lernen

Lernen in den Ferien

Was sinnvoll ist, was rechtlich gilt – und warum der Nachhilfemarkt im Juli falsch liegt.

Ein Kind liegt im Sommergarten mit einem Buch in der Hängematte, ein Bein hängt heraus; auf dem Gartentisch daneben liegt ein geschlossenes Heft mit einem Bleistift darauf.
Zwanzig Minuten an vier Tagen der Woche reichen – der Rest der Ferien gehört den Ferien.

Kaum eine Frage spaltet Elternabende im Juni so zuverlässig wie diese: Soll in den Ferien gelernt werden? Die eine Seite fürchtet den Rückfall, die andere hält Ferien für Ferien.

Die Antwort liegt dazwischen und ist kleiner, als beide Lager vermuten. Wirksam sind wenige Minuten an den meisten Tagen, und am wirksamsten ist etwas, das gar nicht nach Lernen aussieht.

Dieser Beitrag nennt die rechtliche Lage, das sinnvolle Maß und die Reihenfolge. Der Überblick steht unter Lernen & Hausübung.

Was rechtlich gilt

Für Hausübungen ist die Lage eindeutig. Sie dürfen nicht an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen erarbeitet werden, und ebenso nicht in den Weihnachts-, Semester-, Oster-, Pfingst- und Hauptferien.

Diese Regel gilt für verpflichtende Aufgaben. Freiwillige Angebote sind davon nicht betroffen – ein Lesepass, ein Ferienheft zum Mitnehmen oder eine Leseliste der Bücherei sind erlaubt, weil sie eben freiwillig sind.

Für Eltern folgt daraus eine brauchbare Frage vor den Ferien: Ist das verpflichtend oder freiwillig? Die Antwort darauf entscheidet, ob eine Sache im Sommer erledigt werden muss oder nicht.

Nachfragen ist keine Beschwerde. Wenn im Juni ein umfangreiches Ferienheft mitkommt, ist die Frage nach der Verpflichtung sachlich und erlaubt. Viele solche Hefte sind als Angebot gedacht und werden im Herbst nicht kontrolliert – und ein Sommer, den eine Familie mit unnötigen Arbeitsblättern verbringt, ist ein teurer Sommer.

Was neun Wochen ohne Übung kosten

Die Sommerferien sind in Österreich rund neun Wochen lang, und in dieser Zeit verlieren Kinder tatsächlich etwas – aber nicht überall gleich.

Am empfindlichsten sind jene Fertigkeiten, die auf Automatisierung beruhen: die Leseflüssigkeit und das Einmaleins. Beide leben von Wiederholung, und beide werden langsamer, wenn wochenlang nichts passiert.

Weitgehend unempfindlich ist dagegen alles, was verstanden wurde. Ein Kind, das die Multiplikation begriffen hat, hat sie im September noch begriffen; es rechnet nur langsamer, und das holt es in zwei Wochen auf.

BereichEmpfindlich?Was im Sommer genügt
Leseflüssigkeitja10 Minuten an den meisten Tagen, frei gewählter Stoff
Einmaleinsjamündlich im Auto oder beim Tischdecken, 5 Minuten
RechtschreibungwenigLesen genügt, kein eigenes Üben nötig
Verstandener Stoffneinnichts
SchreibmotorikwenigPostkarten, Einkaufszettel, Tagebuch

Das sinnvolle Maß

Als Richtwert haben sich zehn Minuten an den meisten Tagen bewährt – nicht täglich, nicht länger. Die Wirkung kommt aus der Häufigkeit und nicht aus der Dauer, weshalb eine Stunde am Sonntag weniger bringt als fünfmal zehn Minuten.

Wichtig ist, was in diesen Minuten passiert. Arbeitsblätter mit demselben Aufbau wie im Unterricht erzeugen bei vielen Kindern Widerstand, weil sie die Schule in die Ferien holen.

Brauchbar ist stattdessen alles, was einen eigenen Zweck hat: einen Brief schreiben, ein Rezept lesen, im Urlaub die Karte lesen, den Einkauf zusammenrechnen. Das ist dieselbe Fertigkeit in anderer Verpackung.

Lesen ist die beste Ferienübung

Wenn nur eines gemacht wird, dann Lesen. Es wirkt auf die Leseflüssigkeit, auf den Wortschatz und mit auf die Rechtschreibung, und es ist das einzige Üben, das ein Kind freiwillig macht.

Entscheidend ist die freie Wahl des Stoffs. Comics, Sachbücher über Baumaschinen, Zeitschriften, Hörbuch mit Mitlesen – alles zählt, und die Frage nach dem literarischen Wert stellt sich in den Ferien nicht.

Unterstützung gibt es dabei kostenlos: Die öffentlichen Büchereien führen in allen Bundesländern Sommerleseaktionen mit Stempelpässen und Preisen. Die Details stehen unter Lesen in den Ferien.

Wann ein Ferienkurs sinnvoll ist

Selten, und fast nie in der Volksschule. Sinnvoll ist ein Kurs dort, wo eine klar benennbare Lücke besteht – etwa nach längerer Krankheit oder nach einem Schulwechsel mitten im Jahr.

Nicht sinnvoll ist er als Vorsorge. Ein Kind, das mitkommt, braucht keinen Kurs, und ein Kind, das nicht mitkommt, braucht meist etwas anderes: eine Abklärung und schulische Förderung, nicht zwei Wochen im Juli.

Die Überlegungen und die Reihenfolge dazu stehen unter Nachhilfe in der Volksschule. Vor jedem bezahlten Kurs kommen drei kostenlose Schritte.

Die letzten zwei Wochen

Wo im Sommer nichts passiert ist, lohnt sich nicht der Juli, sondern die letzten zwei Wochen vor dem Schulbeginn. Dann wird der Rhythmus wieder hergestellt, und darin liegt der größere Effekt.

Gemeint ist nicht Lernen, sondern Schlaf. Wer in den letzten zehn Tagen die Schlafzeiten in Schritten von fünfzehn Minuten nach vorne zieht, erspart dem Kind die erste Schulwoche im Halbschlaf.

Dazu kommen zwei praktische Dinge: einmal die Schultasche herrichten und einmal den Weg gehen. Beides nimmt dem ersten Tag die Unsicherheit, und beides ist in einer Stunde erledigt.

ZeitpunktWas ansteht
ganzer Sommer10 Minuten lesen an den meisten Tagen
ab und zuEinmaleins mündlich, 5 Minuten, im Auto
2 Wochen davorSchlafzeiten in 15-Minuten-Schritten vorziehen
1 Woche davorSchultasche und Material herrichten
letzte TageSchulweg einmal gehen, Ablauf des ersten Tages besprechen

Was den Sommer verdirbt

An erster Stelle steht das tägliche Pensum mit Kontrolle. Ein Sommer, in dem jeden Tag um dieselbe Zeit gerechnet wird und jemand nachsieht, ist für das Verhältnis zum Lernen teurer als jede Lücke.

An zweiter Stelle stehen Vergleiche. Sätze über andere Kinder, die im Sommer angeblich ein Buch pro Woche lesen, erzeugen Widerstand und keine Lesemotivation.

An dritter Stelle steht die Drohung mit dem Herbst. »Sonst schaffst du die dritte Klasse nicht« ist ein Satz, der neun Wochen lang wirkt und nichts verbessert.

Was Ferien tatsächlich leisten

Neun Wochen ohne Schule sind nicht bloß Erholung, sondern eine eigene Lerngelegenheit – nur eine ungeplante. Kinder lernen im Sommer viel, es steht nur in keinem Lehrplan.

Dazu gehört die Langeweile. Ein Kind, das zwei Wochen lang nicht bespielt wird, entwickelt eigene Ideen, und diese Fähigkeit wirkt im Schuljahr weiter – sie steckt in jeder Aufgabe, die nicht sofort lösbar ist.

Am besten ist deshalb meist das kleinste Ferienprogramm. Was dazu zu sagen ist, steht unter Mir ist fad.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Darf die Schule Aufgaben für die Ferien geben?
Verpflichtende nicht. Hausübungen dürfen nicht an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen erarbeitet werden und ebenso nicht in den Weihnachts-, Semester-, Oster-, Pfingst- und Hauptferien. Das ist keine Empfehlung, sondern eine klare Regel. Nicht betroffen sind freiwillige Angebote: Ein Lesepass, ein Ferienheft zum Mitnehmen oder eine Leseliste der Bücherei sind erlaubt, weil sie eben freiwillig sind. Für Eltern folgt daraus eine brauchbare Frage vor den Ferien – ist das verpflichtend oder freiwillig? Die Antwort entscheidet, ob eine Sache im Sommer erledigt werden muss, und die Frage danach ist sachlich und keine Beschwerde. Viele Ferienhefte sind ohnehin als Angebot gedacht und werden im Herbst nicht kontrolliert. Die Frage nach der Verpflichtung ist sachlich und keine Beschwerde. Viele solche Hefte werden im Herbst nicht kontrolliert.
Verlernen Kinder in den Sommerferien etwas?
Etwas ja, aber nicht überall gleich. Am empfindlichsten sind jene Fertigkeiten, die auf Automatisierung beruhen: die Leseflüssigkeit und das Einmaleins. Beide leben von Wiederholung, und beide werden langsamer, wenn neun Wochen lang nichts passiert. Weitgehend unempfindlich ist dagegen alles, was verstanden wurde – ein Kind, das die Multiplikation begriffen hat, hat sie im September noch begriffen; es rechnet nur langsamer, und das holt es in zwei Wochen auf. Auch die Rechtschreibung ist wenig empfindlich, weil sie vom Lesen mitgetragen wird. Daraus ergibt sich ein sehr überschaubares Programm für den Sommer. Daraus ergibt sich ein sehr überschaubares Programm für den Sommer, nämlich Lesen und gelegentlich Einmaleins. Gelesen wird im Sommer, gerechnet gelegentlich, geübt sonst nichts. Verstandener Stoff bleibt verstanden, nur das Tempo sinkt.
Wie viel soll ein Kind in den Ferien üben?
Zehn Minuten an den meisten Tagen – nicht täglich und nicht länger. Die Wirkung kommt aus der Häufigkeit und nicht aus der Dauer, weshalb eine Stunde am Sonntag weniger bringt als fünfmal zehn Minuten. Wichtig ist, was in diesen Minuten passiert: Arbeitsblätter mit demselben Aufbau wie im Unterricht erzeugen bei vielen Kindern Widerstand, weil sie die Schule in die Ferien holen. Brauchbar ist stattdessen alles, was einen eigenen Zweck hat – einen Brief schreiben, ein Rezept lesen, im Urlaub die Karte lesen, den Einkauf zusammenrechnen. Das ist dieselbe Fertigkeit in anderer Verpackung, und sie fühlt sich nicht nach Schule an. Dieselbe Fertigkeit in anderer Verpackung fühlt sich nicht nach Schule an und wird deshalb nicht verweigert. Häufigkeit schlägt Dauer, und zwar deutlich. Zehn Minuten an den meisten Tagen sind der Richtwert.
Was ist die wirksamste Ferienübung?
Lesen. Es wirkt auf die Leseflüssigkeit, auf den Wortschatz und mit auf die Rechtschreibung, und es ist das einzige Üben, das ein Kind freiwillig macht. Entscheidend ist die freie Wahl des Stoffs: Comics, Sachbücher über Baumaschinen, Zeitschriften, ein Hörbuch mit Mitlesen – alles zählt, und die Frage nach dem literarischen Wert stellt sich in den Ferien nicht. Unterstützung gibt es dabei kostenlos, weil die öffentlichen Büchereien in allen Bundesländern Sommerleseaktionen mit Stempelpässen und Preisen führen. Wer nur eine Sache im Sommer macht, macht diese – alles Weitere ist verzichtbar, solange gelesen wird. Wer nur eine Sache im Sommer macht, macht diese – alles Weitere ist verzichtbar, solange gelesen wird. Die Frage nach dem literarischen Wert stellt sich in den Ferien nicht. Die Büchereien unterstützen das mit Sommerleseaktionen in allen Bundesländern.
Sind Ferienkurse in der Volksschule sinnvoll?
Selten, und fast nie als Vorsorge. Sinnvoll ist ein Kurs dort, wo eine klar benennbare Lücke besteht – etwa nach längerer Krankheit oder nach einem Schulwechsel mitten im Jahr. Nicht sinnvoll ist er, wenn er nur dem Gefühl dient, etwas getan zu haben: Ein Kind, das mitkommt, braucht keinen Kurs, und ein Kind, das nicht mitkommt, braucht meist etwas anderes – eine Abklärung und schulische Förderung, nicht zwei Wochen im Juli. Vor jedem bezahlten Angebot kommen drei kostenlose Schritte: das Gespräch mit der Lehrerin, die Förderung an der Schule und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion. Ein Kurs im Juli ersetzt keine Abklärung, und die Abklärung ist kostenlos. Drei kostenlose Schritte kommen vor jedem bezahlten Kurs, und sie dauern zusammen weniger als eine Woche. Vorsorge ist kein Grund für einen Kurs, eine benennbare Lücke schon.
Was hilft in den letzten zwei Wochen vor dem Schulbeginn?
Der Rhythmus, nicht der Stoff. Wo im Sommer nichts passiert ist, lohnt sich nicht der Juli, sondern die letzten zehn Tage – und dabei geht es um Schlaf. Wer die Schlafzeiten in Schritten von fünfzehn Minuten nach vorne zieht, erspart dem Kind die erste Schulwoche im Halbschlaf, und dieser Effekt ist größer als jede Übungseinheit. Dazu kommen zwei praktische Dinge: einmal die Schultasche herrichten und einmal den Schulweg gehen. Beides nimmt dem ersten Tag die Unsicherheit und ist in einer Stunde erledigt. Wer noch etwas Fachliches tun will, nimmt fünf Minuten Einmaleins mündlich und zehn Minuten Lesen. Wer noch etwas Fachliches tun will, nimmt fünf Minuten Einmaleins mündlich und zehn Minuten Lesen. Der Rhythmus ist wichtiger als der Stoff, und er braucht zehn Tage Vorlauf. Der Schlaf ist dabei der größere Hebel als jede Übungseinheit.
Was verdirbt den Sommer?
Drei Dinge. Erstens das tägliche Pensum mit Kontrolle: Ein Sommer, in dem jeden Tag um dieselbe Zeit gerechnet wird und jemand nachsieht, ist für das Verhältnis zum Lernen teurer als jede Lücke. Zweitens Vergleiche – Sätze über andere Kinder, die im Sommer angeblich ein Buch pro Woche lesen, erzeugen Widerstand und keine Lesemotivation. Drittens die Drohung mit dem Herbst: »Sonst schaffst du die dritte Klasse nicht« ist ein Satz, der neun Wochen lang wirkt und nichts verbessert. Was stattdessen trägt, ist die kleine, freundliche Gewohnheit – zehn Minuten Lesen, ohne dass daraus jeden Tag eine Verhandlung wird. Was stattdessen trägt, ist die kleine freundliche Gewohnheit ohne tägliche Verhandlung. Vergleiche mit anderen Kindern erzeugen Widerstand und keine Lesemotivation. Drohungen mit dem Herbst wirken neun Wochen und verbessern nichts.
Sind Ferien ohne Programm verlorene Zeit?
Nein, im Gegenteil. Neun Wochen ohne Schule sind nicht bloß Erholung, sondern eine eigene Lerngelegenheit – nur eine ungeplante. Kinder lernen im Sommer viel, es steht nur in keinem Lehrplan: Aushandeln mit anderen Kindern, Wege allein gehen, etwas bauen, das nicht funktioniert, und es noch einmal versuchen. Dazu gehört ausdrücklich die Langeweile. Ein Kind, das zwei Wochen lang nicht bespielt wird, entwickelt eigene Ideen, und diese Fähigkeit wirkt im Schuljahr weiter, weil sie in jeder Aufgabe steckt, die nicht sofort lösbar ist. Das beste Ferienprogramm ist deshalb meist das kleinste. Das beste Ferienprogramm ist deshalb meist das kleinste. Kinder lernen im Sommer viel, es steht nur in keinem Lehrplan. Langeweile gehört ausdrücklich dazu, weil daraus eigene Ideen entstehen. Diese Fähigkeit wirkt im Schuljahr weiter.
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