✨ Interaktive Kinderbuchlesungen für Volksschulen in Österreich ☎ +43 650 6107333  ·  Buch-Shop ↗
Familie · Lesen lernen

Lesen in den Ferien

Neun Wochen sind eine lange Pause – so bleibt Lesen im Sommer, ohne nach Schule zu schmecken.

Der Igel Igebitz liegt an einem Sommertag bäuchlings auf einem flachen Stein am Bach und liest in einem aufgeschlagenen Buch, im Wasser daneben hört der Frosch Frido zu.
Neun Wochen sind eine lange Pause – gegen sie hilft nur, was nicht nach Schule schmeckt.

Die Sommerferien dauern in Österreich neun Wochen. Für ein Kind, das gerade lesen lernt, ist das eine lange Zeit ohne Übung – und Leseflüssigkeit lebt von Häufigkeit, nicht von Anstrengung.

Gleichzeitig sind Ferien Ferien. Ein Übungsplan, der aussieht wie Schule, wird in der zweiten Woche aufgegeben und hinterlässt ein Kind, das noch weniger Lust hat als vorher.

Dieser Beitrag beschreibt, was im Sommer tatsächlich funktioniert – samt einer Übersicht der Leseaktionen aller neun Bundesländer. Wie Lesen überhaupt entsteht, steht unter Lesen lernen.

Warum neun Wochen etwas ausmachen

Flüssiges Lesen entsteht dadurch, dass Wörter so oft gesehen werden, bis sie auf einen Blick erkannt werden. Dieser Bestand wächst durch Wiederholung – und er schrumpft, wenn lange nichts dazukommt.

Betroffen sind davon nicht alle Kinder gleich. Wer bereits flüssig liest, verliert in neun Wochen wenig; wer mitten in der Lautier-Phase steckt, verliert spürbar mehr, weil dort noch nichts wirklich gefestigt ist.

Gemeint ist damit ausdrücklich kein Sommerkurs. Zehn Minuten an den meisten Tagen genügen, um den Stand zu halten, und sie lassen sich in neun Wochen deutlich leichter unterbringen als in einer Schulwoche.

Die Leseaktionen der Bundesländer

Praktischerweise gibt es in ganz Österreich fertige Programme dafür. Alle neun Bundesländer haben eigene Sommer-Leseaktionen, die über die öffentlichen Bibliotheken laufen, und in fast allen ist das Entlehnen für Kinder im Sommer kostenlos.

Die folgende Übersicht nennt die Aktionen nach Bundesland. Namen und Ablauf können sich von Jahr zu Jahr ändern; die jeweilige Bibliothek vor Ort weiß Genaueres.

BundeslandAktionWie es läuft
WienSommerleseclubLeseclub der Städtischen Büchereien für Kinder
NiederösterreichRaus aus den SeitenSommeraktion der öffentlichen Bibliotheken
OberösterreichLeseinitiative in den SommerferienLesepass mit einem Stempel je entliehenem Buch, für Kinder bis 12 Jahre
SalzburgLesesommerSommeraktion der öffentlichen Bibliotheken
SteiermarkFeriens(p)assFerienaktion der Bibliotheken
TirolGeschichtensommerSommeraktion der öffentlichen Bibliotheken
VorarlbergSommerlesenSommeraktion der öffentlichen Bibliotheken
BurgenlandLesesommerSommeraktion der öffentlichen Bibliotheken
KärntenFerienaktionen der BibliothekenProgramm je nach Standort

Wie die oberösterreichische Leseinitiative funktioniert

Stellvertretend lohnt ein Blick auf Oberösterreich, weil die Aktion dort besonders klar aufgebaut ist. Rund 200 öffentliche Bibliotheken geben Lesepässe aus, insgesamt etwa 34.000 Stück, und zwar an Kinder bis zwölf Jahre.

Für jedes Buch, das im Juli, August oder September entlehnt wird, gibt es einen Stempel. Wer seinen Pass abgibt, nimmt an einer Verlosung mit Buchpreisen teil; rund 11.000 Pässe kommen jedes Jahr zurück.

Dazu kommt ein Rahmenprogramm der Bibliotheken – Lesenächte, Märchenwanderungen, Leserallyes. Für viele Familien ist genau das der Anlass, im Sommer überhaupt in die Bücherei zu gehen.

Den Lesepass gleich am ersten Ferientag holen. Der Reiz solcher Pässe liegt im Sammeln, und der funktioniert nur mit Vorlauf. Ein Pass, der Mitte August auftaucht, bleibt leer. Wer ihn am ersten Ferientag mitbringt, hat neun Wochen Zeit – und das Kind entscheidet selbst, wie voll er wird.

Was im Sommer als Lesen zählt

In den Ferien lohnt es sich besonders, den Begriff weit zu fassen. Für den Leseerwerb zählt die Menge an gelesenen Wörtern, und der Textsorte ist es gleichgültig, wie sie aussieht.

Gelesen wird also auch, wer eine Speisekarte studiert, eine Spielanleitung durchgeht, ein Rezept vorliest, eine Landkarte entziffert, Comics verschlingt oder die Schilder im Tierpark abarbeitet. Viele Kinder lesen im Sommer deutlich mehr als im Schuljahr, nur zählt es niemand.

Praktisch heißt das, die Gelegenheiten sichtbar zu machen statt neue zu erfinden. Wer das Kind am Kiosk die Eissorten vorlesen lässt, hat eine Leseeinheit erledigt, ohne dass sie als solche auffällt.

Zehn Minuten, die nicht nach Schule schmecken

Wo doch eine feste Einheit sinnvoll ist – etwa bei einem Kind, das im Juni noch mitten im Lautieren steckte –, entscheidet die Form. Dieselben zehn Minuten wirken völlig anders, je nachdem, wie sie eingebettet sind.

Bewährt hat sich, gemeinsam abwechselnd zu lesen: eine Seite das Kind, eine Seite der Erwachsene. So bleibt das Tempo der Geschichte erhalten, und niemand sitzt allein vor einem Text. Den vollständigen Ablauf beschreibt Lesen üben ohne Streit.

Gut funktioniert außerdem ein ungewöhnlicher Ort: im Zelt, auf der Picknickdecke, mit der Taschenlampe. Was im Sommer nach Abenteuer aussieht, sieht nicht nach Hausübung aus.

Die Bücherei als Ferienort

Im Sommer ist die öffentliche Bibliothek der günstigste Nachschub, den es gibt – kostenlos oder fast, gekühlt, und mit deutlich mehr Auswahl als jedes Kinderzimmerregal. Für ein Kind, das zehn Bücher pro Ferienwoche durchbringt, ist sie die einzige realistische Quelle.

Wichtig ist dabei, das Kind wirklich selbst wählen zu lassen, auch wenn dabei zum fünften Mal dasselbe Thema herauskommt. Das Interesse des Kindes schlägt jede pädagogische Absicht, und ein Buch, das freiwillig gelesen wird, wirkt mehr als drei, die man ausgesucht hat.

Sinnvoll ist ein fester Termin, etwa jeden Dienstag. Ein wiederkehrender Gang hält sich über neun Wochen deutlich besser als der Vorsatz, bald wieder einmal hinzugehen.

Lesen unterwegs

Auf Reisen kommen Gelegenheiten dazu, die es sonst nicht gibt. Eine lange Autofahrt trägt ein Hörbuch, und wenn das Kind das Buch dazu aufgeschlagen hat, wird daraus ein anerkanntes Förderverfahren – mehr dazu in Helfen Hörbücher beim Lesenlernen?.

Am Wasser funktionieren dünne Bücher besser als dicke, und Comics besser als beides. Was nass werden darf, wird eher mitgenommen; ein teures Buch bleibt im Quartier.

Bewährt hat sich außerdem, dem Kind vor der Reise ein eigenes kleines Lesegepäck zusammenstellen zu lassen. Wer selbst gepackt hat, greift unterwegs eher zu.

Was man lassen sollte

Wenig bringt ein Ferienplan mit Tagespensum, Häkchen und Kontrolle. Er sieht nach Schule aus, wird nach zwei Wochen aufgegeben und hinterlässt ein Kind, das mit dem Lesen nun zusätzlich ein Scheitern verbindet.

Ebenso wenig funktioniert die Ankündigung, im Sommer müsse aufgeholt werden. Für ein Kind, das im Schuljahr Schwierigkeiten hatte, ist das die Nachricht, dass auch die Ferien keine Erholung bringen.

Und drittens: Sommerhefte mit Übungsaufgaben ersetzen kein Lesen. Sie bearbeiten Rechtschreibung und Grammatik, aber sie bauen keinen Bestand sofort erkannter Wörter auf – das tut nur gelesener Text.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Soll mein Kind in den Ferien lesen üben?
Üben im Sinne eines Trainingsplans eher nicht, lesen schon. Die österreichischen Sommerferien dauern neun Wochen, und flüssiges Lesen entsteht dadurch, dass Wörter so oft gesehen werden, bis sie auf einen Blick erkannt werden – dieser Bestand wächst durch Wiederholung und schrumpft, wenn lange nichts dazukommt. Betroffen sind allerdings nicht alle Kinder gleich: Wer bereits flüssig liest, verliert in neun Wochen wenig; wer mitten in der Lautier-Phase steckt, verliert spürbar mehr, weil dort noch nichts gefestigt ist. Zehn Minuten an den meisten Tagen genügen, um den Stand zu halten, und sie lassen sich in den Ferien deutlich leichter unterbringen als in einer Schulwoche. Praktischerweise gibt es dafür in allen neun Bundesländern fertige Programme der öffentlichen Bibliotheken, vom Wiener Sommerleseclub bis zum Vorarlberger Sommerlesen. Damit wird aus dem Lesen kein Übungsauftrag, sondern eine Ferienaktion mit Stempeln und Verlosung.
Welche Sommer-Leseaktionen gibt es in Österreich?
Alle neun Bundesländer haben eigene Aktionen, die über die öffentlichen Bibliotheken laufen. In Wien gibt es den Sommerleseclub, in Niederösterreich „Raus aus den Seiten“, in Oberösterreich die Leseinitiative in den Sommerferien, in Salzburg und im Burgenland jeweils den Lesesommer, in der Steiermark den Feriens(p)ass, in Tirol den Geschichtensommer und in Vorarlberg das Sommerlesen; in Kärnten bieten die Bibliotheken eigene Ferienaktionen an. In fast allen Fällen ist das Entlehnen für Kinder im Sommer kostenlos. Namen und Ablauf können sich von Jahr zu Jahr ändern – die Bibliothek vor Ort weiß Genaueres und gibt die Unterlagen meist direkt mit. Für Familien lohnt es sich, gleich am ersten Ferientag hinzugehen: Der Reiz solcher Aktionen liegt im Sammeln, und der funktioniert nur mit Vorlauf über die vollen neun Wochen.
Wie funktioniert der Lesepass in Oberösterreich?
Rund 200 öffentliche Bibliotheken geben Lesepässe aus, insgesamt etwa 34.000 Stück, und zwar an Kinder bis zwölf Jahre. Für jedes Buch, das im Juli, August oder September entlehnt wird, gibt es einen Stempel. Wer seinen Pass am Ende abgibt, nimmt an einer Verlosung mit Buchpreisen teil; rund 11.000 Pässe kommen jedes Jahr zurück. Dazu kommt ein Rahmenprogramm der Bibliotheken mit Lesenächten, Märchenwanderungen und Leserallyes, und für viele Familien ist genau das der Anlass, im Sommer überhaupt in die Bücherei zu gehen. Wichtig ist der frühe Start: Ein Pass, der erst Mitte August auftaucht, bleibt erfahrungsgemäß leer. Vergleichbare Aktionen laufen in allen anderen Bundesländern, mit eigenen Namen und leicht abweichendem Ablauf. Welche davon gerade gilt, weiß die Bibliothek vor Ort, und die Unterlagen gibt es dort meist gleich mit.
Was zählt in den Ferien als Lesen?
Alles, was Buchstaben hat. Für den Leseerwerb zählt die Menge an gelesenen Wörtern, und der Textsorte ist es gleichgültig, wie sie aussieht. Gelesen wird also auch, wer eine Speisekarte studiert, eine Spielanleitung durchgeht, ein Rezept vorliest, eine Landkarte entziffert, Comics verschlingt oder im Tierpark die Schilder abarbeitet. Viele Kinder lesen im Sommer sogar deutlich mehr als im Schuljahr, nur zählt es niemand, weil es nicht nach einem Buch aussieht. Praktisch heißt das, die vorhandenen Gelegenheiten sichtbar zu machen statt neue zu erfinden: Wer das Kind am Kiosk die Eissorten vorlesen lässt, hat eine Leseeinheit erledigt, ohne dass sie als solche auffällt. Für Kinder ist diese Sichtweise nebenbei entlastend, weil sie zeigt, dass Lesen nicht nur das Sitzen mit einem Roman bedeutet, sondern etwas, das den ganzen Tag über nebenbei passiert.
Wie bringe ich mein Kind im Sommer zum Lesen?
Über die Form, nicht über die Menge. Dieselben zehn Minuten wirken völlig anders, je nachdem, wie sie eingebettet sind. Bewährt hat sich, gemeinsam abwechselnd zu lesen – eine Seite das Kind, eine Seite der Erwachsene –, weil so das Tempo der Geschichte erhalten bleibt und niemand allein vor einem Text sitzt. Gut funktioniert außerdem ein ungewöhnlicher Ort: im Zelt, auf der Picknickdecke, mit der Taschenlampe. Was im Sommer nach Abenteuer aussieht, sieht nicht nach Hausübung aus. Und drittens hilft die freie Wahl: Ein Buch, das ein Kind selbst ausgesucht hat, wird gelesen, auch wenn Erwachsene drei bessere gewusst hätten. Was dagegen zuverlässig scheitert, ist die Ankündigung, im Sommer müsse aufgeholt werden – für ein Kind mit Schwierigkeiten im Schuljahr ist das die Nachricht, dass auch die Ferien keine Erholung bringen.
Sind Sommerhefte mit Übungsaufgaben sinnvoll?
Für das Lesen nicht. Sommerhefte bearbeiten meist Rechtschreibung, Grammatik und Rechnen, und sie können für diese Bereiche durchaus ihren Zweck haben. Sie bauen aber keinen Bestand sofort erkannter Wörter auf, und genau darauf kommt es beim flüssigen Lesen an – das leistet nur gelesener zusammenhängender Text. Wer also gegen den Leseverlust in den Ferien etwas tun möchte, greift besser zu Büchern als zu Arbeitsblättern. Wenig bringt außerdem ein Ferienplan mit Tagespensum und Häkchen: Er sieht nach Schule aus, wird nach zwei Wochen aufgegeben und hinterlässt ein Kind, das mit dem Lesen nun zusätzlich ein Scheitern verbindet. Für ein Kind, das im Juni noch mitten im Lautieren steckte, ist gemeinsames abwechselndes Lesen die bessere Wahl: eine Seite das Kind, eine Seite der Erwachsene, an einem beliebigen Ort und ohne Plan.
Was liest ein Kind im Urlaub?
Am besten Dünnes und Robustes. Am Wasser funktionieren dünne Bücher besser als dicke und Comics besser als beides – was nass werden darf, wird eher mitgenommen, während ein teures Buch im Quartier bleibt. Auf langen Autofahrten trägt ein Hörbuch, und wenn das Kind das gedruckte Buch dazu aufgeschlagen hat, wird daraus sogar ein anerkanntes Förderverfahren. Bewährt hat sich außerdem, das Kind vor der Reise ein eigenes kleines Lesegepäck zusammenstellen zu lassen: Wer selbst gepackt hat, greift unterwegs eher zu. Und schließlich zählt auch unterwegs alles mit Buchstaben, von der Speisekarte bis zur Wanderkarte. Für das Mitlesen zum Hörbuch braucht es allerdings eine ungekürzte Lesung, bei der der gesprochene Text exakt dem gedruckten entspricht – Hörspiele mit verteilten Rollen taugen dafür nicht. Ein Buch, das im Sand liegen bleiben darf, wird häufiger aufgeschlagen als eines, auf das man aufpassen muss.
Wie oft soll man im Sommer in die Bücherei?
Am besten zu einem festen Termin, etwa jeden Dienstag. Ein wiederkehrender Gang hält sich über neun Wochen deutlich besser als der Vorsatz, bald wieder einmal hinzugehen. Die öffentliche Bibliothek ist im Sommer ohnehin der günstigste Nachschub, den es gibt: kostenlos oder fast, gekühlt und mit deutlich mehr Auswahl als jedes Kinderzimmerregal. Für ein Kind, das mehrere Bücher pro Ferienwoche durchbringt, ist sie die einzige realistische Quelle. Wichtig ist dabei, das Kind wirklich selbst wählen zu lassen, auch wenn zum fünften Mal dasselbe Thema herauskommt – ein Buch, das freiwillig gelesen wird, wirkt mehr als drei ausgesuchte. Bewährt hat sich außerdem, den Gang mit etwas anderem zu verbinden, das ohnehin ansteht: dem Einkauf, dem Weg ins Freibad, dem Besuch bei den Großeltern. So wird aus dem Büchereibesuch keine zusätzliche Unternehmung, sondern ein Zwischenstopp, der wenige Minuten kostet.
Weiterlesen

Passende Beiträge

Newsletter

Neue Geschichten & Gratis-Material

Erhalte Lese- und Vorlesetipps, kostenlose Igebitz-Downloads und Neuigkeiten zu Büchern & Lesungen – ca. einmal im Monat, jederzeit abbestellbar.