Eine Schultasche wird einmal gekauft und vier Jahre getragen. Das ist der Grund, warum sich der Kauf lohnt, ihn nicht dem Motiv zu überlassen – und warum ein Kind beim Anprobieren dabei sein muss.
Die Kriterien, auf die es ankommt, sind überschaubar: Gewicht, Rückenpolsterung, Trageriemen und Sichtbarkeit. Alles andere ist Ausstattung, die den Preis erklärt, aber nicht die Qualität.
Dieser Beitrag nennt die Kriterien, die geltenden Normen und die Prüfung im Geschäft. Was hineingehört, steht unter Was in die Schultasche gehört.
Das Gewicht ist das wichtigste Kriterium
Eine gute Schultasche wiegt leer möglichst nicht mehr als 1,2 Kilogramm. Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist es nicht: Jedes Gramm am Leergewicht trägt das Kind über vier Jahre an jedem Schultag mit.
Für die gepackte Tasche gilt als Richtwert, dass sie nicht mehr als 15 Prozent des Körpergewichts des Kindes ausmachen soll. Bei einem Erstklässler mit 22 Kilogramm sind das rund 3,3 Kilogramm – und das ist schnell erreicht.
Praktisch folgt daraus, die Tasche im Geschäft zu wiegen und nicht auf Angaben zu vertrauen. Zwischen zwei ähnlich aussehenden Modellen liegen oft mehrere hundert Gramm.
Die Normen und was sie abdecken
Zwei Normen sind beim Schultaschenkauf relevant. Die deutsche DIN 58124 und die österreichische ÖNORM 2170 beschreiben ergonomische Anforderungen und sind ein brauchbares Mindestkriterium.
Wichtig ist allerdings die Einschränkung: Sicherheitsaspekte wie Reflektoren sind von der ÖNORM nicht in jedem Fall abgedeckt. Wer also nur auf das Prüfzeichen achtet, hat die Sichtbarkeit noch nicht geklärt.
Sinnvoll ist deshalb, beides getrennt zu prüfen – einmal das Prüfzeichen für die Ergonomie, einmal mit eigenen Augen die reflektierenden und fluoreszierenden Flächen.
Rücken und Trageriemen
Eine gute Tasche hat eine ergonomisch geformte, stabile Rückenpolsterung, die das Gewicht auf eine größere Fläche verteilt, statt es auf einzelne Punkte zu bringen. Sie soll an der Wirbelsäule anliegen und nicht nach hinten wegkippen.
Die Trageriemen sind verstellbar und gepolstert und mindestens vier Zentimeter breit. Zu schmale Riemen schneiden ein, und zu lang eingestellte verlagern das Gewicht nach unten, was den Rücken stärker belastet als ein höher sitzender Packen.
Ein Hüftgurt entlastet die Wirbelsäule zusätzlich, weil er einen Teil des Gewichts auf das Becken überträgt. Er ist nicht bei jeder Tasche vorhanden und im Volksschulalter kein Muss, aber ein echter Vorteil.
Sichtbarkeit im Straßenverkehr
Ein Erstklässler geht im November im Dunkeln zur Schule, und er ist der kleinste Verkehrsteilnehmer auf dem Weg. Deshalb ist die Sichtbarkeit kein Nebenkriterium, sondern der zweite Grund, warum eine Tasche etwas kostet.
Gebraucht werden zwei verschiedene Materialien: retroreflektierendes Material, das im Scheinwerferlicht zurückstrahlt und in der Nacht wirkt, und fluoreszierendes Material, das bei Tageslicht und in der Dämmerung auffällt. Eines ersetzt das andere nicht.
Empfohlen wird außerdem, auf PVC-freie Reflektoren zu achten, um Schadstoffe zu vermeiden. Nachrüsten lässt sich die Sichtbarkeit mit Überwürfen und Anhängern, aber eine Tasche, die es von Haus aus mitbringt, bleibt die bessere Lösung.
Die Prüfung im Geschäft
Eine Schultasche wird gepackt angeprobiert und nicht leer. Die meisten Geschäfte haben dafür Gewichte oder Bücher; wenn nicht, tun es zwei Wasserflaschen aus dem Rucksack.
Die folgende Übersicht nennt die Punkte, die sich in wenigen Minuten prüfen lassen.
| Prüfpunkt | Was passen muss |
|---|---|
| Leergewicht | möglichst unter 1,2 kg – im Geschäft nachwiegen |
| Höhe am Rücken | Oberkante nicht über Schulterhöhe, Unterkante nicht unter Hüfte |
| Rückenpolsterung | liegt an, kippt gepackt nicht nach hinten weg |
| Trageriemen | gepolstert, verstellbar, mindestens 4 cm breit |
| Sichtbarkeit | retroreflektierende und fluoreszierende Flächen an allen vier Seiten |
| Verschlüsse | das Kind öffnet und schließt sie allein, auch mit kalten Händen |
| Stehfestigkeit | die Tasche steht gepackt von selbst und fällt nicht um |
Wann man am besten kauft
Die neuen Kollektionen kommen im Frühjahr, die Vorjahresmodelle werden dann reduziert. Weil sich Schultaschen von Jahr zu Jahr technisch kaum unterscheiden, ist das der günstigste Zeitpunkt.
Ungünstig ist der Kauf im letzten Augustdrittel. Dann ist die Auswahl am kleinsten, die Preise sind am höchsten, und das Anprobieren findet im vollen Geschäft statt – was bei einem Kind, das ohnehin aufgeregt ist, keine guten Entscheidungen begünstigt.
Sinnvoll ist außerdem, das Anprobieren und das Kaufen zu trennen. Im ersten Termin werden drei Modelle ausprobiert, im zweiten wird entschieden; das nimmt dem Motiv die Übermacht über die Ergonomie.
Set oder einzeln
Schultaschen werden meist als Set mit Federpennal, Schlampermäppchen und Turnsackerl verkauft. Das ist praktisch und oft günstiger als der Einzelkauf, hat aber einen Nachteil.
Der Nachteil ist die Bindung an ein Motiv. Wer das Set kauft, hat vier Jahre dasselbe Motiv auf fünf Gegenständen – und wenn die Begeisterung nachlässt, betrifft das alles gleichzeitig.
Eine brauchbare Mitte ist die unauffällige Tasche mit wechselbaren Elementen. Viele Modelle arbeiten mit ansteckbaren Figuren oder Klettflächen, die sich austauschen lassen, und das löst das Problem für wenig Geld.
Was mit einer gebrauchten Tasche geht
Eine gebrauchte Schultasche ist kein Kompromiss, sofern zwei Dinge stimmen. Erstens müssen die Trageriemen samt Polsterung intakt sein, zweitens die Rückenpolsterung ihre Form behalten haben.
Zu prüfen sind außerdem die Reflektoren: Sie werden mit den Jahren blind und verlieren dabei genau jene Eigenschaft, auf die es ankommt. Nachrüsten geht, gehört aber gleich beim Übernehmen erledigt.
Nicht mehr brauchbar ist eine Tasche, deren Boden durchgescheuert ist oder deren Verschlüsse klemmen. Beides lässt sich nicht reparieren und macht dem Kind den Alltag jeden Tag ein Stück schwerer.
Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

