Es gab im ganzen Smaragdwald nichts Besseres als die Honigkekse von Mama Bär. Sie waren außen knusprig und innen weich, sie rochen nach warmem Honig und ein kleines bisschen nach Zimt, und wenn Mama Bär ein Blech davon in ihre Höhle stellte, dann roch man das bis hinunter zum Kristallsee.
An diesem Nachmittag hatte sie ein besonders großes Blech gebacken, und Brummel hatte den ganzen Korb geschenkt bekommen. „Für dich und deine Freunde“, hatte sie gesagt und ihm über den Kopf gestrichen. Brummel hatte genickt und war losgetrottet, den Korb fest an sich gedrückt.
Am Kristallsee saßen Igebitz, Ellie und Frido im Gras. Brummel stellte den Korb in die Mitte, und es wurde sehr still und sehr knusprig. Ellie aß vier Kekse, weil Ellie immer vier von allem isst. Frido aß zwei und legte sich danach zufrieden auf den Rücken. Igebitz aß drei und sammelte die Krümel ein, weil er Krümel nicht gerne liegen lässt.
Und dann, irgendwann, war der Korb leer. Fast leer. Ganz unten, halb unter dem Tuch, lag noch ein einziger Keks.
Vier Augenpaare sahen ihn an.
„Der gehört mir“, sagte Brummel schnell. „Es waren meine Kekse. Von meiner Mama.“
Das stimmte natürlich. Die anderen sagten nichts. Ellie zuckte mit den Schultern, Frido schaute aufs Wasser, und Igebitz strich sich eine Stachelspitze glatt, was er immer tut, wenn ihm etwas ein bisschen unangenehm ist.
„Na dann“, sagte Ellie und stand auf. „Ich klettere noch zur Astgabel, bevor es dunkel wird.“ Frido platschte in den See. Igebitz sagte „Bis morgen, Brummel“ und trottete den Weg zur alten Eiche hinauf.
Brummel blieb allein am Ufer sitzen, den Keks in der großen Tatze.
Er drehte ihn hin und her. Er roch daran. Er nahm einen Bissen – und der Keks schmeckte genau so, wie ein Honigkeks von Mama Bär eben schmeckt: nach warmem Honig und einem kleinen bisschen Zimt.
Aber es war so still.
Kein Ellie, die mit vollem Mund redet. Kein Frido, der nach dem zweiten Keks „Ich kann nicht mehr“ sagt und dann doch noch einen nimmt. Kein Igebitz, der die Krümel einsammelt. Nur Brummel, ein halber Keks und ein sehr, sehr stiller See.
Brummel kaute langsamer. Dann hörte er ganz auf zu kauen.
Er stand auf, legte den Rest des Kekses zurück in den Korb und trottete los. Zuerst zum Baumhaus mit den rosa Gardinen. Dann zum Teich bei der steinernen Brücke. Dann hinauf zur alten Eiche.
„Kommt noch mal mit“, sagte er jedes Mal nur. „Bitte.“
Am Ufer legte Brummel den halben Keks auf einen flachen Stein und brach ihn mit großer Sorgfalt in vier sehr, sehr kleine Stücke. Sie waren wirklich winzig. Man hätte sie fast übersehen können.
„Das ist ja gar nichts“, sagte Ellie und lachte.
„Doch“, sagte Brummel. „Das ist ein Viertel Honigkeks für jeden.“
Und dann saßen sie zu viert im Gras, kauten ihre winzigen Stücke, die kaum eine Sekunde hielten, und Ellie erzählte von der Astgabel, und Frido sagte „Ich kann nicht mehr“, obwohl da längst nichts mehr war, und Igebitz sammelte vier Krümel ein, die kaum größer waren als Sandkörner.
Später, auf dem Heimweg, dachte Brummel über etwas nach, das er vorher noch nie so gedacht hatte: Ein ganzer Keks allein hatte nach Honig geschmeckt. Ein Viertel Keks mit den anderen hatte nach Honig geschmeckt und nach Lachen und nach Abend am See.
Und das Zweite, fand Brummel, war deutlich mehr.