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Familie · Lesen lernen

Mehrsprachig aufwachsen und lesen lernen

Lesetechnik überträgt sich zwischen Sprachen, Wortschatz nicht – was daraus für den Alltag folgt, und wie MIKA-D und Deutschförderung geregelt sind.

Ein Erwachsener und ein Kind sitzen abends am Küchentisch, vor ihnen zwei aufgeschlagene Bücher nebeneinander; der Finger des Kindes liegt auf der einen Seite, die Hand des Erwachsenen auf der anderen.
Die Technik lernt ein Kind einmal – den Wortschatz in jeder Sprache einzeln.

Kinder, die zu Hause eine andere Sprache sprechen, lernen in der Volksschule zweimal lesen: die Technik und die Sprache, in der sie angewendet wird. Wer diese beiden Aufgaben auseinanderhält, versteht, was zu Hause tatsächlich hilft.

Die Forschung ist dabei genauer, als die Debatte vermuten lässt. Manches überträgt sich zwischen den Sprachen sehr gut, anderes praktisch nicht – und diese Unterscheidung entscheidet darüber, welcher Rat brauchbar ist.

Dieser Beitrag nennt die Zahlen, die Regeln in Österreich und die wirksamen Schritte zu Hause. Der Überblick steht unter Lesen lernen.

Die Zahl, um die es geht

PIRLS 2021 hat für Österreich einen deutlichen Abstand ausgewiesen. Der Leistungsnachteil mehrsprachig aufwachsender Kinder am Ende der vierten Schulstufe beträgt 48 Kompetenzpunkte, der Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund 52 Punkte.

Zum Vergleich: Der vielbesprochene Unterschied zwischen Mädchen und Buben liegt bei 14 Punkten. Die Sprache ist damit der weitaus stärkere Faktor, und sie ist zugleich der Faktor, an dem sich tatsächlich etwas ändern lässt.

Bestätigt wird das Bild von der nationalen Kompetenzerhebung: Kinder ohne Deutsch als Erstsprache liegen in allen Kompetenzbereichen zurück, am deutlichsten beim Zuhören und am wenigsten in Mathematik.

Befund aus PIRLS 2021 (Österreich)Punkte
Österreich im Mittel530 (international 503)
Nachteil mehrsprachiger Kinder48
Unterschied nach Migrationshintergrund52
Unterschied zwischen Mädchen und Buben14

Was sich überträgt und was nicht

Eine Meta-Analyse von Melby-Lervåg und Lervåg hat untersucht, welche Fähigkeiten von einer Sprache in die andere übergehen, und das Ergebnis ist überraschend klar getrennt. Phonologische Bewusstheit und Dekodieren übertragen sich in mittlerer bis großer Höhe, weil die begrenzte Zahl der Buchstaben-Laut-Verbindungen leicht übertragbar ist.

Mündliche Sprache überträgt sich dagegen kaum. Wortschatz und Hörverstehen bleiben weitgehend an die jeweilige Sprache gebunden, und der Zusammenhang zwischen mündlicher Erstsprache und Leseverständnis in der Zweitsprache liegt nahe null.

Aus diesen zwei Befunden folgt eine praktische Regel. Die Technik des Lesens muss ein Kind nur einmal lernen; den Wortschatz, mit dem es Texte versteht, muss es in jeder Sprache eigens aufbauen.

FähigkeitÜberträgt sich zwischen Sprachen
Phonologische Bewusstheit (Laute hören)stark
Dekodieren (Buchstaben zu Lauten)stark
Wortschatzschwach
Hörverstehenschwach
Leseverständnis über die Sprachgrenzenahe null
Was diese Unterscheidung im Alltag bedeutet. Ein Kind, das in seiner Familiensprache flüssig liest, hat die halbe Arbeit erledigt – die Technik sitzt. Was in Deutsch fehlt, sind Wörter, und Wörter kommen nur über Deutsch-Input: Vorlesen, Gespräche, Hörspiele, Kindergarten und Schule. Umgekehrt gilt: Ein Kind, das in keiner Sprache flüssig liest, hat ein Technikproblem, und das lässt sich in jeder der beiden Sprachen bearbeiten.

Soll man zu Hause Deutsch sprechen?

Diese Frage stellen Eltern am häufigsten, und der gut gemeinte Rat, die Familiensprache aufzugeben, hält der Forschung nicht stand. Eine Meta-Analyse von Prevoo und Kollegen fand, dass mündliche Sprachkompetenz innerhalb einer Sprache stark mit Schulleistungen zusammenhängt, mit Korrelationen zwischen 0,22 und 0,43, über Sprachen hinweg dagegen nur zwischen 0,12 und 0,22.

Gefolgert wird daraus nicht, dass Deutsch unwichtig sei, sondern dass beide Sprachen zählen. Als Schlüsselfaktor nennen die Autoren die Förderung der mündlichen Sprachkompetenz in beiden Sprachen.

Praktisch heißt das: Eltern sollen mit ihrem Kind in der Sprache sprechen, die sie am besten beherrschen, weil nur dort reicher Wortschatz, komplexe Sätze und echte Gespräche entstehen. Gebrochenes Deutsch am Küchentisch ersetzt keinen deutschen Input, es verringert nur die Qualität des vorhandenen.

Wo der deutsche Input herkommt

Wenn die Familiensprache zu Hause bleibt, muss deutscher Input von außen dazukommen, und zwar planmäßig. Kindergarten und Schule allein reichen bei vielen Kindern nicht, weil dort in der Pause und in der Gruppe oft wieder die Familiensprache gesprochen wird.

Wirksam sind Formate mit viel Sprache und wenig Bild: Hörspiele auf Deutsch, Vorlesen durch eine deutschsprachige Person, Bibliotheksbesuche, ein Verein mit deutschsprachigen Kindern, Lernhilfe oder Lesepatenschaften.

Weniger wirksam als angenommen sind Filme und Videos. Bewegte Bilder tragen den Inhalt, sodass Sprache nebensächlich wird – Hörspiele zwingen dagegen zum Zuhören und bauen deshalb messbar mehr Wortschatz auf.

Wirkt gutWirkt weniger
Hörspiele auf DeutschFilme und Videos
Vorlesen mit Gespräch über den TextVorlesen ohne Nachfragen
Verein, Chor, Sport mit deutschsprachigen KindernNur Kindergarten und Schule
Zweisprachige Bücher, beide Seiten gelesenNur deutsche Bücher ohne Verständnishilfe
Lesepatenschaft, Lernhilfe, BibliothekArbeitsblätter zu Hause

MIKA-D und der außerordentliche Status

In Österreich entscheidet ein standardisiertes Verfahren über die Sprachförderung. MIKA-D ist das Messinstrument zur Feststellung der Deutschkompetenz bei Deutsch als Zweitsprache, entwickelt vom Bundesinstitut IQS; seit Juni 2026 liegt ein neues, kompetenzorientiertes Konzept als MIKA-D 2.0 vor.

Getestet wird bei der Schuleinschreibung außerordentlicher Kinder, bei Seiteneinsteigern und jeweils am Ende des Sommersemesters. Das Ergebnis entscheidet über den außerordentlichen oder ordentlichen Status und über die Zuteilung zu einer Deutschförderklasse oder einem Deutschförderkurs.

Wichtig für Eltern ist die Bedeutung des Worts »außerordentlich«. Gemeint ist keine Bewertung des Kindes, sondern ein Status, in dem die Leistungen noch nicht in allen Fächern beurteilt werden müssen – und er ist zeitlich begrenzt.

Deutschförderklasse und Deutschförderkurs

Unterschieden werden zwei Formen, und zwar nach dem Testergebnis. Die Deutschförderklasse ist für Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen vorgesehen und umfasst in der Primarstufe 15 Wochenstunden intensives Sprachtraining, in der Sekundarstufe 20.

Der Deutschförderkurs richtet sich an Kinder mit mangelhaften Kenntnissen und läuft mit 6 Wochenstunden parallel zum Unterricht. Ab jedenfalls acht betroffenen Kindern pro Schule ist eine der beiden Formen verbindlich einzurichten.

Begrenzt ist die Dauer. Eine Deutschförderklasse kann je nach Testergebnis bis zu vier Semester besucht werden, und am Ende jedes Semesters wird verpflichtend mit MIKA-D getestet; bei ausreichendem Ergebnis folgt im nächsten Semester der ordentliche Status.

FormUmfangFür wen
Deutschförderklasse Primarstufe15 Wochenstundenungenügende Deutschkenntnisse
Deutschförderklasse Sekundarstufe20 Wochenstundenungenügende Deutschkenntnisse
Deutschförderkurs6 Wochenstunden parallelmangelhafte Deutschkenntnisse
Einrichtung verbindlichab 8 Kindern pro Schulebeide Formen
Höchstdauer Förderklassebis zu 4 Semesterje nach Testergebnis

Was als wirksame Förderung gilt

Zur Wirksamkeit der Maßnahmen gibt es fachliche Einschätzungen, und sie sind Teil einer laufenden Debatte. Hannes Schweiger vom Institut für Germanistik der Universität Wien nennt drei Säulen: Individualisierung entsprechend dem Sprachstand des einzelnen Kindes, Verschränkung von sprachlichem und fachlichem Lernen sowie die Nutzung des gesamten sprachlichen Repertoires.

Gemeint ist mit dem dritten Punkt, Kinder das Deutsche mit ihren anderen Sprachen vergleichen zu lassen und diese Sprachen immer wieder zu verwenden. Zur Organisationsform sagt Schweiger, integrative Lernsettings seien die wirksameren und nachhaltigeren.

Diese Position ist fachlich begründet und gleichzeitig umstritten; die gesetzliche Regelung sieht die getrennte Deutschförderklasse ausdrücklich vor. Für Eltern ist dabei vor allem der erste Punkt praktisch nutzbar: nachfragen, wo das eigene Kind sprachlich steht und woran gerade gearbeitet wird.

Die Sprachen des Kindes nicht trennen, sondern vergleichen. Fragen wie »wie sagt man das bei uns?«, »hat das Wort bei euch auch zwei Bedeutungen?«, »welcher Laut fehlt im Deutschen?« nutzen genau das, was die Forschung als übertragbar ausweist. Ein Kind, das seine Sprachen bewusst vergleichen darf, versteht die Buchstaben-Laut-Regeln schneller – und es lernt außerdem, dass seine Familiensprache in der Schule nichts ist, was man verstecken muss.

Vorlesen in der Familiensprache

Vorlesen in der Familiensprache ist keine Notlösung, sondern Aufbauarbeit an genau jenen Fähigkeiten, die sich übertragen. Ein Kind, dem regelmäßig vorgelesen wird, lernt, dass Text etwas erzählt, folgt längeren Zusammenhängen und hört auf Laute – alles davon zählt später im Deutschen.

Zusätzlich brauchbar sind zweisprachige Bilderbücher, die in vielen österreichischen Bibliotheken vorhanden sind. Wer beide Seiten liest, erst die Familiensprache, dann Deutsch, verbindet Verstehen und neue Wörter in einem Durchgang.

Nützlich ist auch die umgekehrte Richtung. Ein Kind, das nach dem Deutsch-Vorlesen in der Familiensprache erzählen darf, was vorkam, zeigt sein Verständnis vollständig – und nicht nur den Teil, für den es schon deutsche Wörter hat.

Die häufigsten Irrtümer

Vier Annahmen halten sich hartnäckig, und alle vier führen in die falsche Richtung. Die erste lautet, zwei Sprachen überforderten ein Kind – belegt ist das nicht; Schwierigkeiten entstehen nicht durch die Zahl der Sprachen, sondern durch zu wenig Input in einer davon.

Die zweite Annahme lautet, Deutsch komme von selbst, wenn das Kind einmal in der Schule ist. Möglich ist das, aber die 48 Punkte Abstand in PIRLS zeigen, dass es bei vielen Kindern nicht von selbst passiert.

Die dritte Annahme lautet, man solle zu Hause Deutsch sprechen; die vierte, Lesen in der Familiensprache sei verlorene Zeit. Beides ist nach der vorliegenden Forschung falsch.

Verbreitete AnnahmeWas stimmt
Zwei Sprachen überfordern ein KindNicht die Zahl der Sprachen, sondern zu wenig Input je Sprache
Deutsch kommt in der Schule von selbstBei vielen Kindern nicht; 48 Punkte Abstand in PIRLS
Zu Hause besser Deutsch sprechenBeide Sprachen zählen; Eltern sprechen ihre stärkere Sprache
Lesen in der Familiensprache bringt nichtsLesetechnik überträgt sich stark
Untertitelte Filme reichen als InputHörspiele und Gespräche wirken mehr als Bildmedien

Wenn es nicht vorangeht

Zu unterscheiden sind zwei Dinge, die im Alltag oft verwechselt werden: ein noch nicht aufgebautes Deutsch und eine Lese-Rechtschreib-Störung. Ein Kind mit Spracherwerbsrückstand versteht Texte schlecht, liest aber technisch passabel; bei einer Lesestörung ist es umgekehrt.

Hinweis auf eine Lesestörung ist daher, wenn ein Kind auch in der Familiensprache stockt, Laute verwechselt und Wörter rät. Wo die Technik in beiden Sprachen hakt, geht es nicht um Deutsch.

Abgeklärt wird das über die Schule und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion. Mehr dazu steht unter Legasthenie und LRS in Österreich; zur Einordnung des Lesetempos siehe Lesetempo nach Schulstufe.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Fällt mehrsprachigen Kindern das Lesenlernen schwerer?
Nicht das Lesenlernen selbst, aber das Verstehen deutscher Texte. PIRLS 2021 weist für Österreich einen Leistungsnachteil mehrsprachig aufwachsender Kinder von 48 Kompetenzpunkten am Ende der vierten Schulstufe aus; der Unterschied nach Migrationshintergrund beträgt 52 Punkte. Zum Vergleich: Der vielbesprochene Abstand zwischen Mädchen und Buben liegt bei 14 Punkten. Die Sprache ist damit der weitaus stärkere Faktor. Bestätigt wird das Bild von der nationalen Kompetenzerhebung, in der Kinder ohne Deutsch als Erstsprache in allen Bereichen zurückliegen, am deutlichsten beim Zuhören. Die Sprache ist damit der Faktor, an dem sich tatsächlich etwas ändern lässt. In der nationalen Kompetenzerhebung ist der Abstand beim Zuhören am größten und in Mathematik am kleinsten. Österreich liegt insgesamt bei 530 Punkten gegenüber einem internationalen Mittel von 503. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Was überträgt sich von einer Sprache in die andere?
Die Technik ja, die Wörter nein. Eine Meta-Analyse von Melby-Lervåg und Lervåg fand, dass phonologische Bewusstheit und Dekodieren sich in mittlerer bis großer Höhe übertragen, weil die begrenzte Zahl der Buchstaben-Laut-Verbindungen leicht übertragbar ist. Mündliche Sprache überträgt sich dagegen kaum: Wortschatz und Hörverstehen bleiben an die jeweilige Sprache gebunden, und der Zusammenhang zwischen mündlicher Erstsprache und Leseverständnis in der Zweitsprache liegt nahe null. Die Lesetechnik muss ein Kind also nur einmal lernen, den Wortschatz in jeder Sprache eigens. Ein Kind, das in seiner Familiensprache flüssig liest, hat die halbe Arbeit erledigt. Was in Deutsch fehlt, sind Wörter, und Wörter kommen nur über Deutsch-Input. Ein Kind, das in keiner Sprache flüssig liest, hat dagegen ein Technikproblem. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Soll man mit dem Kind zu Hause Deutsch sprechen?
Der gut gemeinte Rat, die Familiensprache aufzugeben, hält der Forschung nicht stand. Eine Meta-Analyse von Prevoo und Kollegen fand, dass mündliche Sprachkompetenz innerhalb einer Sprache stark mit Schulleistungen zusammenhängt, mit Korrelationen zwischen 0,22 und 0,43, über Sprachen hinweg nur zwischen 0,12 und 0,22. Als Schlüsselfaktor nennen die Autoren die Förderung der mündlichen Sprachkompetenz in beiden Sprachen. Eltern sollen daher die Sprache sprechen, die sie am besten beherrschen, weil nur dort reicher Wortschatz und echte Gespräche entstehen. Gebrochenes Deutsch am Küchentisch ersetzt keinen deutschen Input, es verringert nur die Qualität des vorhandenen. Gefolgert wird daraus nicht, dass Deutsch unwichtig sei, sondern dass beide Sprachen zählen. Reicher Wortschatz und komplexe Sätze entstehen nur in der stärkeren Sprache der Eltern. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Woher kommt dann der deutsche Input?
Von außen, und zwar planmäßig. Kindergarten und Schule allein reichen bei vielen Kindern nicht, weil in der Pause und in der Gruppe oft wieder die Familiensprache gesprochen wird. Wirksam sind Formate mit viel Sprache und wenig Bild: Hörspiele auf Deutsch, Vorlesen durch eine deutschsprachige Person, Bibliotheksbesuche, ein Verein mit deutschsprachigen Kindern, Lernhilfe oder Lesepatenschaften. Weniger wirksam als angenommen sind Filme und Videos, weil bewegte Bilder den Inhalt tragen und Sprache dadurch nebensächlich wird. Hörspiele zwingen zum Zuhören und bauen messbar mehr Wortschatz auf. In der Pause und in der Gruppe wird oft wieder die Familiensprache gesprochen. Ein Verein mit deutschsprachigen Kindern wirkt deshalb stärker als zusätzliche Arbeitsblätter. Zweisprachige Bilderbücher sind in vielen österreichischen Bibliotheken vorhanden. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Was ist MIKA-D?
MIKA-D ist das standardisierte Messverfahren zur Feststellung der Deutschkompetenz bei Deutsch als Zweitsprache, entwickelt vom Bundesinstitut IQS; seit Juni 2026 liegt ein neues, kompetenzorientiertes Konzept als MIKA-D 2.0 vor. Getestet wird bei der Schuleinschreibung außerordentlicher Kinder, bei Seiteneinsteigern und jeweils am Ende des Sommersemesters. Das Ergebnis entscheidet über den außerordentlichen oder ordentlichen Status und über die Zuteilung zu einer Deutschförderklasse oder einem Deutschförderkurs. »Außerordentlich« ist dabei keine Bewertung des Kindes, sondern ein zeitlich begrenzter Status. Im außerordentlichen Status müssen die Leistungen noch nicht in allen Fächern beurteilt werden. Knapp verfehlte Kriterien können über eine standardisierte Ergänzungsskala überprüft werden. Der Status ist ausdrücklich zeitlich begrenzt. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Wie funktionieren Deutschförderklassen und Deutschförderkurse?
Unterschieden wird nach dem Testergebnis. Die Deutschförderklasse ist für Kinder mit ungenügenden Deutschkenntnissen vorgesehen und umfasst in der Primarstufe 15 Wochenstunden intensives Sprachtraining, in der Sekundarstufe 20. Der Deutschförderkurs richtet sich an Kinder mit mangelhaften Kenntnissen und läuft mit 6 Wochenstunden parallel zum Unterricht. Ab jedenfalls acht betroffenen Kindern pro Schule ist eine der beiden Formen verbindlich einzurichten. Eine Förderklasse kann bis zu vier Semester besucht werden; am Ende jedes Semesters wird verpflichtend mit MIKA-D getestet. Bei ausreichendem Ergebnis folgt im nächstfolgenden Semester der ordentliche Status. Die Zuteilung richtet sich allein nach dem Testergebnis und nicht nach der Herkunft. Eltern können jederzeit nachfragen, welche Form ihr Kind besucht und warum. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Was gilt fachlich als wirksame Sprachförderung?
Hannes Schweiger vom Institut für Germanistik der Universität Wien nennt drei Säulen: Individualisierung entsprechend dem Sprachstand des einzelnen Kindes, Verschränkung von sprachlichem und fachlichem Lernen sowie die Nutzung des gesamten sprachlichen Repertoires, also das Vergleichen des Deutschen mit den anderen Sprachen des Kindes. Zur Organisationsform sagt Schweiger, integrative Lernsettings seien die wirksameren und nachhaltigeren. Diese Position ist fachlich begründet und gleichzeitig umstritten; die gesetzliche Regelung sieht die getrennte Deutschförderklasse ausdrücklich vor. Für Eltern ist der erste Punkt praktisch nutzbar: nachfragen, wo das Kind steht und woran gearbeitet wird. Fragen wie »wie sagt man das bei uns?« nutzen genau das, was sich zwischen Sprachen überträgt. Ein Kind lernt dabei auch, dass seine Familiensprache nichts ist, was man verstecken muss.
Wann steckt hinter den Schwierigkeiten eine Lesestörung?
Zu unterscheiden sind ein noch nicht aufgebautes Deutsch und eine Lese-Rechtschreib-Störung, und der Unterschied ist gut erkennbar. Ein Kind mit Spracherwerbsrückstand versteht Texte schlecht, liest aber technisch passabel; bei einer Lesestörung ist es umgekehrt. Hinweis auf eine Lesestörung ist daher, wenn ein Kind auch in der Familiensprache stockt, Laute verwechselt und Wörter rät. Wo die Technik in beiden Sprachen hakt, geht es nicht um Deutsch. Abgeklärt wird das über die Schule und die schulpsychologische Beratung der Bildungsdirektion, die kostenlos und vertraulich ist. Wo die Technik in beiden Sprachen hakt, geht es nicht um Deutsch. Ein Kind mit Spracherwerbsrückstand liest technisch passabel und versteht den Inhalt schlecht. Die schulpsychologische Beratung ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
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