Wenn es kalt wird und die Insekten verschwinden, zieht sich der Igel zurück: Er hält einen langen Winterschlaf. Dabei fährt sein Körper alles auf Sparflamme – Herzschlag und Atmung verlangsamen sich stark, die Körpertemperatur sinkt fast auf Umgebungsniveau. So übersteht der Igel vier bis fünf Monate ohne Nahrung.
Damit das gelingt, braucht er zwei Dinge: genug Gewicht und einen sicheren, frostfreien Unterschlupf. Fehlt eines von beiden, wird der Winter zur Lebensgefahr – besonders für Jungigel aus späten Würfen.
Dieser Ratgeber erklärt, was im Körper des Igels passiert, welches Gewicht wann nötig ist, wie ein gutes Winterquartier aussieht und was zu tun ist, wenn ein Igel mitten im Winter auftaucht.
Wann und wie Igel Winterschlaf halten
Igel halten in der Regel von etwa November bis März oder April Winterschlaf – der genaue Zeitpunkt hängt von Witterung, Nahrungsangebot und Gewicht ab. Ausgewachsene Männchen ziehen sich meist zuerst zurück, Weibchen und Jungtiere oft erst deutlich später.
Zum Winterschlaf rollt sich der Igel in einem gut gepolsterten Nest aus Laub zusammen. Es liegt geschützt unter Hecken, in Reisighaufen, unter Gartenhäusern oder in einem Igelhaus – wichtig ist, dass es trocken, windstill und frostgeschützt ist.
Warme Herbste verschieben den Beginn nach hinten. Ein Igel, der Ende November noch aktiv ist, ist deshalb nicht automatisch ein Notfall – entscheidend ist sein Gewicht.
Was im Körper des Igels passiert
Der Winterschlaf ist kein tiefer Schlaf, sondern ein kontrollierter Notbetrieb. Der Igel senkt seine Körpertemperatur von rund 34 °C auf etwa 8 °C ab. Der Herzschlag fällt von etwa 200 Schlägen pro Minute auf wenige Schläge, die Atmung wird flach und setzt zeitweise fast aus.
So verbraucht er nur einen Bruchteil der sonst nötigen Energie und lebt von den Fettreserven, die er sich im Herbst angefressen hat. Trotzdem wacht jeder Igel im Lauf des Winters mehrmals kurz auf – das ist normal, kostet aber jedes Mal viel Kraft.
Genau deshalb ist Ruhe im Winterquartier so wichtig: Wer einen Laubhaufen umschichtet, zwingt den Igel zum Aufwachen und verbrennt Reserven, die im Frühjahr fehlen.
| Im Sommer | Im Winterschlaf |
|---|---|
| Körpertemperatur rund 34 °C | nur wenige Grad über der Umgebung |
| Herzschlag ca. 200/min | wenige Schläge pro Minute |
| regelmäßige Atmung | flach, mit langen Pausen |
| nachts aktiv und auf Nahrungssuche | keine Nahrungsaufnahme |
Wie viel Gewicht braucht ein Igel wirklich?
Als Faustregel gilt: Mitte November sollte ein Igel rund 500 Gramm wiegen, um den Winterschlaf sicher zu überstehen. Kleinere Tiere haben zu wenig Fettreserven – sie wachen im Winter auf, finden keine Nahrung und verhungern.
Betroffen sind fast immer Jungigel aus späten Würfen im September oder Oktober. Sie haben nur wenige Wochen Zeit, um vom Nestgewicht auf 500 Gramm zu kommen. Wer im Spätherbst einen sehr kleinen Igel sieht, sollte deshalb genau hinschauen.
Ein grober Anhaltspunkt für den Herbst:
Die Werte unterscheiden sich, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten: 500 Gramm ist die Grenze, unterhalb derer ein Tier den Winter kaum übersteht. 600 bis 700 Gramm sind der Wert, bei dem Fachleute ruhig schlafen. Für den Garten heißt das: Ein Jungigel, der Anfang November deutlich unter 500 Gramm liegt, ist ein Fall für den Anruf bei einer Igelstation – nicht für den eigenen Karton.
| Quelle | Richtwert fürs Überwintern |
|---|---|
| Naturschutzbund Österreich | unter 500 g zum 1. November → Unterstützung nötig |
| Wildtierhilfe Wien | 600 g als eigener Maßstab; Studienminimum 400 bis 500 g |
| Pro Igel | 600 bis 700 g bei Jungigeln |
Das perfekte Winterquartier
Ein gutes Winterquartier ist trocken, windgeschützt, dunkel und ungestört. Am einfachsten entsteht es von selbst: ein Laub- und Reisighaufen in einer ruhigen Gartenecke, mit ein paar Ästen beschwert, damit ihn der Wind nicht auseinanderträgt.
Alternativ oder ergänzend hilft ein Igelhaus aus unbehandeltem Holz mit einem Eingang von etwa 10 bis 12 Zentimetern, aufgestellt unter Sträuchern oder an einer Hecke, mit Laub abgedeckt und trocken unterlegt. Innen genügt trockenes Laub oder Stroh.
Angelegt wird beides im Oktober – ab November bleibt es unangetastet. Kontrollieren, ob „jemand drin ist“, sollte man auf keinen Fall.
- Laub- und Reisighaufen im Oktober anlegen, mit Ästen beschweren.
- Igelhaus schattig, ruhig und regengeschützt aufstellen.
- Mit Laub abdecken, trocken unterlegen, Eingang windabgewandt.
- Ab November nicht mehr öffnen, umschichten oder kontrollieren.
- Im Frühjahr erst räumen, wenn die Igel sicher wach sind (ab April).
So hilfst du dem Igel durch den Winter
Die wichtigste Hilfe passiert im Herbst: Laub liegen lassen, insektenreiche Ecken stehen lassen und bei Bedarf zufüttern, damit die Tiere das nötige Gewicht erreichen. Im Winterschlaf selbst braucht der Igel dann vor allem eines – Ruhe.
Auch im Winter darf eine flache Wasserschale bereitstehen, solange sie nicht durchfriert: Igel, die zwischendurch kurz aufwachen, sind dankbar dafür. Milch bleibt auch im Winter tabu.
- Laubhaufen liegen lassen als Winterquartier
- Igelhaus an ruhigem Platz aufstellen
- Im Herbst bei Bedarf zufüttern (Katzennassfutter, Wasser)
- Winterquartiere nicht stören und nicht kontrollieren
- Gartenabfälle vor dem Häckseln oder Verbrennen umschichten
Wenn ein Igel im Winter auftaucht
Ein Igel, der im Dezember oder Jänner bei Tageslicht durch den Garten läuft, ist fast immer ein Notfall. Er hat entweder sein Quartier verloren, ist gestört worden oder hat zu wenig Reserven, um weiterzuschlafen.
In diesem Fall gilt die Reihenfolge aus der Soforthilfe: Tier in einen hohen Karton mit Zeitung setzen, den Karton ins Warme holen und – wenn sich der Igel kälter anfühlt als die eigene Hand – eine handwarme, in ein Tuch gewickelte Wasserflasche beilegen. Futter und Wasser kommen erst, wenn der Igel warm geworden ist, niemals Milch. Parallel dazu eine Igelstation oder Tierärztin anrufen. Ausführlich steht das unter Igel gefunden – was tun?.
Wurde ein Winterquartier versehentlich zerstört, baut man es so gut wie möglich wieder auf: Laub und Reisig locker über dem Tier aufschichten und die Stelle danach in Ruhe lassen. Die ausführliche Anleitung steht unter Igel gefunden – was tun?
Nach dem Winterschlaf: der Frühling
Zwischen März und April erwachen die Igel – ausgehungert und mit stark reduziertem Gewicht. Jetzt ist eine flache Wasserschale besonders wertvoll, und wer möchte, füttert einige Wochen zu, bis genügend Insekten unterwegs sind.
Wichtig: Laubhaufen und Igelhäuser erst räumen, wenn die Tiere sicher wach und ausgezogen sind – also frühestens im April. Auch Rasenmäher und Motorsense kommen im Frühjahr besser erst nach einer kurzen Sichtkontrolle zum Einsatz.

