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Ratgeber · Igel

Was fressen Igel?

Käfer, Würmer, Raupen und Schnecken. Und ganz sicher keine Milch.

Ein Igel frisst in der Abenddämmerung von einer flachen Schale mit Katzennassfutter; daneben steht eine zweite Schale mit klarem Wasser, im Gras davor ein Käfer, ein Regenwurm und eine Raupe.
Katzennassfutter und frisches Wasser als Zufütterung – niemals Milch. Die Hauptnahrung bleiben Insekten.

Der Igel ist ein fleißiger Jäger der Nacht – und ein echter Nützling im Garten. Aber was genau steht auf seinem Speiseplan, wie viel frisst er, und was darf man ihm auf keinen Fall geben?

Die kurze Antwort: Igel fressen Insekten und andere Kleintiere, vor allem Käfer, Regenwürmer, Raupen, Ohrwürmer, Spinnen und Schnecken. Milch, Brot und Essensreste gehören nicht dazu – sie machen Igel krank.

Der folgende Überblick zeigt den natürlichen Speiseplan, erklärt die verbreitetsten Fütterungsirrtümer und sagt, wann Zufüttern wirklich hilft.

Der natürliche Speiseplan des Igels

Igel sind Insektenfresser (Insektivoren). Auf ihrem natürlichen Speiseplan stehen vor allem Käfer und Käferlarven, Regenwürmer, Raupen, Ohrwürmer, Tausendfüßer, Spinnen und Schnecken. Gelegentlich nehmen sie auch Aas, Vogeleier oder Fallobst – das sind aber Ausnahmen, keine Hauptnahrung.

Weil sie so viele Schnecken und Insekten vertilgen, sind Igel im Garten überaus nützlich: Ein Igel ersetzt jede Schneckenfalle, und zwar ohne Gift und ohne Nebenwirkungen.

Wichtig zu wissen: Igel sind keine Vegetarier. Obst, Gemüse, Nüsse oder Getreide können sie kaum verwerten – ihr Verdauungssystem ist auf tierische Nahrung eingestellt.

Frisst gernFrisst nicht / schädlich
Käfer, Käferlarven, RegenwürmerMilch (führt zu Durchfall!)
Raupen, Ohrwürmer, TausendfüßerBrot, Nudeln, Reis
Schnecken, SpinnenObst, Gemüse, Nüsse als Hauptfutter
selten: Aas, Fallobstgewürzte oder gesalzene Essensreste

Wie viel frisst ein Igel pro Nacht?

Ein Igel durchsucht in einer Nacht mehrere Gärten. Wie viel dabei zusammenkommt, hängt stark von Jahreszeit und Angebot ab: Im Herbst frisst er deutlich mehr als im Frühsommer, weil er sich Reserven für den Winterschlaf anfressen muss.

Im Herbst steigt der Bedarf noch einmal deutlich: Jetzt frisst sich der Igel die Fettreserven an, von denen er den ganzen Winterschlaf lebt. Ein Garten ohne Insekten – kurz gemäht, gespritzt, geschottert – macht genau diese Phase gefährlich.

Die beste Igelfütterung ist deshalb kein Napf, sondern ein insektenreicher Garten: wilde Ecken, heimische Sträucher, Laub, Totholz und kein Gift.

Warum Milch und Brot schädlich sind

Ein weit verbreiteter Irrtum: Igel würden gern Milch trinken. Tatsächlich vertragen Igel keine Milch – ihnen fehlt das Enzym, um Milchzucker zu spalten. Die Folge ist schwerer Durchfall, der zu Austrocknung führt und für geschwächte Tiere tödlich enden kann.

Auch Brot, Nudeln, Reis oder Essensreste gehören nicht auf den Igel-Speiseplan. Sie sättigen kurz, liefern aber weder die richtigen Nährstoffe noch das Eiweiß, das der Igel braucht – und sie belasten die Verdauung.

Ebenfalls ungeeignet sind Nüsse, Rosinen und Trockenfrüchte: Sie können in den Zahnzwischenräumen kleben bleiben und zu Entzündungen führen.

Merke: Igeln nie Milch oder Brot geben – nur Wasser und, wenn nötig, fleischhaltiges Katzennassfutter.

Zufüttern – wann, womit und wie viel?

Gesunde Igel finden ihr Futter selbst. Im Frühjahr und Sommer ist Zufüttern in einem naturnahen Garten normalerweise nicht nötig. Sinnvoll wird es im Spätherbst, wenn Insekten knapp werden und vor allem späte Jungigel noch Gewicht zulegen müssen – und im Frühjahr, wenn die Tiere ausgehungert aus dem Winterschlaf kommen.

Geeignet ist fleischhaltiges Katzennassfutter, spezielles Igelfutter, ungewürztes Rührei oder gekochtes Hühnerfleisch. Eine Portion von etwa zwei bis drei Esslöffeln pro Abend genügt; wichtiger als die Menge ist, dass immer frisches Wasser danebensteht.

Angeboten wird abends an einer geschützten Stelle. Reste räumt man am Morgen weg, damit keine Ratten angelockt werden, und spült Schalen täglich aus.

FrageAntwort
Wann?vor allem September bis November, sowie im März/April
Womit?fleischhaltiges Katzennassfutter, Igelfutter, ungewürztes Rührei
Wie viel?etwa 2–3 Esslöffel pro Abend, plus frisches Wasser
Wo?geschützt, am besten in einem Futterhaus mit kleinem Eingang
Was nicht?Milch, Brot, Nudeln, Nüsse, gewürzte Reste

Futterstelle vor Katzen schützen

Das häufigste Problem beim Zufüttern hat vier Pfoten: Katzen fressen Igelfutter besonders gern. Ein einfaches Futterhaus löst das – eine Kiste mit einem Eingang von etwa 10 bis 12 Zentimetern und einem kleinen Vorraum, durch den eine Katze nicht mit der Pfote greifen kann.

Alternativ hilft ein umgedrehter Blumentopf mit ausgesägtem Eingang, beschwert mit einem Stein. Wichtig ist nur, dass der Igel bequem hinein- und wieder herauskommt.

Mehr zum Zusammenleben von Igel, Katze und Hund steht im Beitrag Igel, Katze & Hund im Garten.

Was Jungigel fressen

Jungigel werden in den ersten Wochen von der Mutter gesäugt. Wer ein Igelbaby findet, darf ihm deshalb auf keinen Fall Kuhmilch geben – sie ist für Igel besonders in diesem Alter lebensgefährlich. Auch Aufzuchtmilch gehört in fachkundige Hände.

Ab etwa der vierten bis sechsten Lebenswoche fressen Jungigel dasselbe wie erwachsene Tiere: Insekten, Würmer und Larven. Sie lernen bei der Mutter, was essbar ist, und sind danach selbstständig.

Findet man einen sehr kleinen, piepsenden Igel allein und ziellos umherlaufend, ist das ein Notfall: Dann bitte eine Igelstation anrufen, statt selbst zu füttern. Die Schritte dazu stehen unter Igel gefunden – was tun?

Der beste Futterplatz ist der Garten selbst

Am nachhaltigsten hilft man Igeln nicht mit dem Napf, sondern mit dem Garten. Wo Laub liegen bleibt, Totholz und Reisig aufgeschichtet sind und keine Pestizide eingesetzt werden, wimmelt es von Käfern, Würmern und Larven – genau der Nahrung, die der Igel braucht.

Schneckenkorn ist dabei doppelt schädlich: Es nimmt dem Igel die Nahrung und vergiftet ihn über die gefressenen Schnecken zusätzlich. Ein Garten ohne Gift ernährt seinen Igel von allein.

Wie das konkret geht, steht im Beitrag Igel im Garten – so hilfst du ihm.

Tipp für Familien: Kinder können im Garten auf „Igel-Speisekarten-Suche“ gehen: Wer findet Käfer, Würmer, Ohrwürmer? Passend dazu gibt es den Igel-Steckbrief zum Ausdrucken.
Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Was fressen Igel am liebsten?
Igel sind Insektenfresser: Käfer und Käferlarven, Regenwürmer, Raupen, Ohrwürmer, Tausendfüßer, Spinnen und Schnecken stehen ganz oben auf dem Speiseplan. Der Begriff Insektenfresser beschreibt dabei genauer, was ein Igel braucht, als das oft gehörte Allesfresser: Sein Verdauungssystem ist auf tierische Nahrung eingestellt, und alles, was davon abweicht, verwertet er schlecht oder gar nicht. Für den Garten folgt daraus eine einfache Regel: Wo es Insekten gibt, gibt es Igel. Eine ungemähte Ecke, Laub unter den Sträuchern, totes Holz und der Verzicht auf Gift bringen deshalb mehr als jede Futterschale. Ein Igel, der nachts durch einen insektenreichen Garten streift, versorgt sich vollständig selbst und braucht keine Zufütterung, solange er gesund ist und die Jahreszeit stimmt. Wer wissen will, ob der eigene Garten genug hergibt, dreht abends einen Stein oder ein Brett um und schaut, was darunter lebt.
Wie viel braucht ein Igel in einer Nacht?
Auf der nächtlichen Nahrungssuche legt ein Igel weite Strecken durch mehrere Gärten zurück. Im Herbst frisst er deutlich mehr, um sich Winterspeck anzufressen – in dieser Zeit entscheidet sich, ob er das Gewicht für den Winterschlaf erreicht. Genau deshalb ist der Spätsommer und Herbst die einzige Jahreszeit, in der Zufütterung regelmäßig sinnvoll ist. Im Frühjahr kommt eine zweite kurze Phase dazu, wenn die Tiere ausgehungert aufwachen und noch wenig Nahrung finden. Dazwischen, also im Sommer, versorgt sich ein gesunder Igel selbst. Für den Garten heißt das vor allem, dass das Nahrungsangebot über das ganze Jahr hinweg stimmen muss und nicht nur an einer Futterstelle: Wo im Sommer keine Insekten leben, nützt eine volle Schale im Oktober nur begrenzt. Wer zufüttert, orientiert sich deshalb an der Jahreszeit und nicht daran, ob die Schale leer ist – eine leere Schale heißt nur, dass jemand gefressen hat.
Darf man Igeln Milch geben?
Nein. Igel können Milchzucker nicht verdauen und bekommen davon schweren Durchfall, der tödlich enden kann. In die Schale gehört ausschließlich frisches Wasser. Das gilt für jede Form von Milch – Kuhmilch, verdünnte Milch, Milch mit Wasser gemischt oder eingeweichtes Brot in Milch. Der Irrtum hält sich hartnäckig, weil das Bild vom Igel mit dem Schälchen Milch alt und verbreitet ist; falsch ist es trotzdem. Für einen geschwächten Igel ist Durchfall besonders gefährlich, weil er die letzten Reserven kostet und zusätzlich Flüssigkeit entzieht. Wasser dagegen ist immer richtig und im Sommer sogar wichtiger als Futter: Eine flache Schale an einer schattigen Stelle, täglich frisch befüllt, hilft mehr als jede gut gemeinte Beigabe. Auch laktosefreie Milch ist keine Alternative, weil das Problem nicht allein beim Milchzucker liegt.
Was kann man Igeln zufüttern?
Fleischhaltiges Katzennassfutter, spezielles Igelfutter, ungewürztes Rührei oder gekochtes Hühnerfleisch – dazu immer frisches Wasser. Sinnvoll ist das vor allem im Spätherbst und im Frühjahr, also dann, wenn die Tiere Gewicht aufbauen müssen oder ausgehungert aus dem Winterschlaf kommen. Ungeeignet sind Milchprodukte jeder Art, Brot, gewürzte Speisen, Obst, Gemüse und Nüsse. Die Schale stellt man flach und an eine geschützte Stelle, idealerweise in ein Futterhaus mit kleinem Eingang, damit nicht die Nachbarskatze frisst. Wichtig ist außerdem die tägliche Reinigung: Reste, die liegen bleiben, verderben schnell und ziehen Fliegen an. Und die Futterstelle sollte eine Ergänzung bleiben – ein Garten mit Insekten ist die eigentliche Nahrungsquelle. Wer nicht sicher ist, ob überhaupt gefüttert werden sollte, ruft am besten kurz bei einer Igelstation an, statt vorsorglich eine Schale hinzustellen.
Fressen Igel Schnecken?
Ja, Schnecken gehören zur natürlichen Nahrung. Deshalb ist Schneckenkorn doppelt schädlich: Es nimmt dem Igel die Beute und vergiftet ihn über die gefressenen Schnecken. Diese zweite Wirkung wird oft übersehen, weil sie zeitversetzt eintritt – der Igel frisst keine Körner, sondern vergiftete Tiere, und die Wirkung summiert sich über mehrere Nächte. Für den Garten bedeutet das, dass sich Schneckenbekämpfung und Igelschutz gegenseitig ausschließen. Wer beides will, arbeitet mechanisch statt chemisch: Schneckenzäune um einzelne Beete, Absammeln am Abend, Kupferband an Hochbeeten. Das ist mühsamer, aber es ist die einzige Methode, die einen Igel im Garten nicht gefährdet. Auf Dauer übernimmt der Igel ohnehin einen Teil der Arbeit. Wer bereits Schneckenkorn ausgebracht hat, wartet mit der Futterstelle, bis die Rückstände abgebaut sind, und stellt dann auf mechanische Methoden um.
Fressen Igel Obst oder Gemüse?
Kaum. Igel sind auf tierische Nahrung eingestellt. Fallobst wird gelegentlich angeknabbert, meist aber wegen der Insekten darin und nicht wegen des Obstes selbst. Als Futter sind Obst, Gemüse und Nüsse ungeeignet, weil der Igel sie schlecht verwertet und sie ihm im schlechtesten Fall Verdauungsprobleme machen. Dasselbe gilt für Brot und für alles, was gewürzt oder gesalzen ist. Wer sich fragt, was ein Igel unter einem Apfelbaum sucht, findet die Antwort meist unter dem Obst: Dort sammeln sich Käfer, Ohrwürmer und Larven, und genau darauf hat er es abgesehen. Fallobst im Garten liegen zu lassen ist deshalb durchaus sinnvoll – nicht als Igelfutter, sondern weil es Insekten anzieht, die dann wiederum zur Igelnahrung werden. Wer Obst liegen lässt, sollte nur darauf achten, dass es nicht in der Nähe der Wasserschale gärt und Wespen anzieht.
Was frisst ein Jungigel?
In den ersten Wochen Muttermilch, ab etwa vier bis sechs Wochen dieselben Insekten und Würmer wie erwachsene Tiere. Kuhmilch ist für Jungigel lebensgefährlich – im Zweifel bitte eine Igelstation anrufen. Dieser Punkt ist besonders wichtig, weil verwaiste Jungigel die häufigste Situation sind, in der Menschen aus gutem Willen zu Milch greifen. Für sehr junge Tiere braucht es spezielle Aufzuchtmilch und eine Fütterung im Abstand von wenigen Stunden, und beides gehört in erfahrene Hände. Wer einen Jungigel findet, sollte außerdem nicht vorschnell von Verwaisung ausgehen: Das Muttertier ist oft in der Nähe und kehrt zurück, wenn der Mensch sich zurückzieht. Erst wenn ein Jungtier über Stunden allein bleibt, laut ruft oder sichtbar geschwächt ist, ist Eingreifen richtig. Bis zum Rückruf hält man das Tier warm und ruhig, ohne es zu füttern – das ist in dieser Situation die wichtigste Regel.
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