Igel sind in vielen Gärten zu Hause – und dort auf unsere Rücksicht angewiesen. Die gute Nachricht: Ein igelfreundlicher Garten macht weniger Arbeit als ein perfekt aufgeräumter. Denn genau das, was der Igel braucht – eine wilde Ecke, ein Laubhaufen, ein Durchschlupf im Zaun –, ist alles, was man nicht tut.
Dieser Ratgeber geht der Reihe nach durch: Unterschlupf, Winterquartier, Igelhaus, Wasser und Futter, die typischen Gefahrenquellen, den Mähroboter, den Durchschlupf im Zaun und einen Gartenkalender, der zeigt, wann im Jahr welche Rücksicht wichtig ist. Am Ende steht eine Checkliste zum Abhaken.
Unterschlupf und wilde Ecken schaffen
Das Wichtigste zuerst: Igel brauchen Deckung. Ein Garten, in dem jeder Halm gemäht und jedes Blatt weggesaugt ist, bietet weder Versteck noch Nahrung – für einen Igel ist er eine Wüste.
Ideal ist eine ruhige Ecke, die einfach wachsen darf: hohes Gras, ein paar heimische Sträucher, Brennnesseln, dazu ein Laub- oder Reisighaufen. Dort leben die Käfer, Würmer und Raupen, von denen der Igel lebt, und dort findet er tagsüber Schutz.
Auch dichte Hecken sind Gold wert: Sie sind Igel-Straße, Versteck und Nistplatz in einem. Schneiden sollte man sie deshalb nicht zwischen Juni und August, wenn die Jungigel im Nest liegen.
- Eine Gartenecke ungemäht stehen lassen – am besten dauerhaft.
- Heimische Sträucher und dichte Hecken statt Schotterflächen pflanzen.
- Totholz und Reisig aufschichten statt zu entsorgen.
- Hecken nicht in der Zeit von Juni bis August schneiden.
Laubhaufen, Reisighaufen und totes Holz
Der wirksamste Igelschutz kostet gar nichts: Laub liegen lassen. Ein lockerer Laubhaufen, am besten mit ein paar Ästen beschwert, damit er nicht wegweht, ist das beste Winterquartier, das ein Garten bieten kann – besser als jedes gekaufte Igelhaus.
Am besten legt man den Haufen im Oktober an einer geschützten, ruhigen Stelle an: unter einer Hecke, an der Nordseite des Gartenhauses, hinter dem Komposter. Wichtig ist nur eines: Ab November wird er nicht mehr angerührt. Wer im Winter „aufräumt“, weckt schlafende Igel – und jedes Aufwachen kostet Reserven, die im Frühjahr fehlen.
Auch totes Holz hat seinen Platz: Ein Reisighaufen oder eine Benjeshecke lockt Insekten an und dient als Versteck. Was für den Igel gut ist, ist für Kröten, Erdkröten und Blindschleichen ebenso gut.
Igelhaus: kaufen, bauen, richtig aufstellen
Ein Igelhaus ist eine gute Ergänzung, wenn im Garten wenig Platz für einen großen Laubhaufen ist. Bewährt haben sich Häuser aus unbehandeltem Holz mit einer Grundfläche von rund 30 × 40 Zentimetern, einem Eingang von etwa 10 bis 12 Zentimetern und – wichtig – einem kleinen Vorraum oder Labyrinthgang, damit Katze und Marder nicht hineingreifen können.
Der Standort entscheidet, ob das Haus angenommen wird: ruhig, schattig, wettergeschützt, am besten unter Sträuchern oder an einer Hecke, mit dem Eingang von der Wetterseite weg. Darüber eine Lage Laub und Reisig, darunter eine trockene Unterlage. Mitten auf dem Rasen bleibt jedes Igelhaus leer.
Als Einstreu eignet sich trockenes Laub oder Stroh; Heu schimmelt zu schnell. Gereinigt wird einmal jährlich, am besten im Frühjahr, wenn das Haus sicher leer ist.
- Unbehandeltes Holz, kein Metall, keine Dachpappe direkt über dem Nest.
- kleiner Eingang mit Vorraum gegen Katzen und Marder.
- Schattig, ruhig und regengeschützt aufstellen, Eingang windabgewandt.
- Mit Laub und Reisig abdecken, damit es dunkel und warm bleibt.
- Von November bis März nicht öffnen und nicht kontrollieren.
Wasser anbieten – niemals Milch
Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft Igeln besonders in trockenen Sommern und im Frühjahr nach dem Winterschlaf. Am besten stellt man sie an eine geschützte Stelle und wechselt das Wasser täglich; eine schwere Schale kippt nicht so leicht um.
Ganz wichtig: Igel vertragen keine Milch. Sie können den Milchzucker nicht verdauen, bekommen schweren Durchfall und können daran sterben. Der alte Ratschlag mit dem Schälchen Milch ist einer der gefährlichsten Irrtümer überhaupt.
Zufüttern: wann es sinnvoll ist – und wann nicht
Gesunde Igel finden ihr Futter selbst; im Frühling und Sommer ist Zufüttern normalerweise nicht nötig. Sinnvoll wird es im Spätherbst, wenn die Insekten verschwinden und vor allem späte Jungigel noch Gewicht zulegen müssen.
Geeignet ist fleischhaltiges Katzennassfutter, ergänzt durch spezielles Igeltrockenfutter oder ungewürztes Rührei. Angeboten wird abends, an einer geschützten Stelle oder in einem Futterhaus mit kleinem Eingang, damit nicht die Nachbarskatze alles wegfrisst. Reste räumt man morgens weg, sonst kommen Ratten.
| Geeignet | Ungeeignet |
|---|---|
| fleischhaltiges Katzennassfutter | Milch – führt zu Durchfall |
| spezielles Igelfutter | Brot, Nudeln, Essensreste |
| ungewürztes Rührei, gekochtes Hühnerfleisch | Obst, Gemüse, Nüsse als Hauptfutter |
| immer dazu: frisches Wasser | gewürzte oder gesalzene Speisen |
Gefahren im Garten vermeiden
Die meisten Igelverletzungen sind hausgemacht – und lassen sich mit wenigen Handgriffen vermeiden. Auf Schneckenkorn, Rattengift und Pestizide sollte man ganz verzichten: Sie treffen über die Nahrungskette auch den Igel, der die vergiftete Schnecke frisst.
Kellerschächte, offene Gruben, Regentonnen und steilwandige Pools werden regelmäßig zur tödlichen Falle. Ein Gitter darüber oder ein schräg hineingelegtes Brett als Ausstiegshilfe genügt schon. Auch Fußball- und Vogelschutznetze rollt man abends besser ein – Igel verheddern sich darin und verletzen sich beim Befreiungsversuch schwer.
- Kein Schneckenkorn, kein Rattengift, keine Pestizide.
- Lichtschächte und Gruben abdecken, Ausstiegshilfen in Teich und Pool legen.
- Netze nachts einrollen oder straff spannen.
- Vor jedem Mähen und vor der Motorsense in Hecken und hohem Gras nachsehen.
- Gartenabfälle nicht verbrennen, ohne den Haufen vorher umzuschichten.
Mähroboter: die unterschätzte Gefahr
Der Mähroboter ist inzwischen eine der häufigsten Verletzungsursachen bei Igeln – und die gefährlichste Falle im modernen Garten. Der Grund liegt im Verhalten des Igels: Er flieht nicht, sondern rollt sich bei Gefahr zusammen. Genau dann fährt das Gerät weiter.
Die Lösung ist einfach und kostet nichts: Mähroboter nur bei Tageslicht laufen lassen, niemals in der Dämmerung und nachts. Genau dann sind Igel unterwegs. Fast alle Geräte lassen sich per Zeitplan so einstellen, dass sie zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang stehen bleiben.
Besonders gefährdet sind Jungigel im Sommer: Sie sind klein, unerfahren und werden von den Sensoren oft gar nicht erkannt. Wer ganz sichergehen will, hebt die Schnitthöhe an und lässt am Rand einen ungemähten Streifen stehen.
- Mähzeiten auf den Tag begrenzen – kein Nachtbetrieb.
- Schnitthöhe erhöhen und Randstreifen ungemäht lassen.
- Vor dem Start kurz über die Fläche schauen.
- Motorsense und Freischneider nur nach Sichtkontrolle einsetzen.
Igel-Durchschlüpfe schaffen
Ein Igel braucht in einer Nacht Zugang zu vielen Gärten. Lückenlose Zäune, Betonmauern und Gabionen zerschneiden dieses Revier – der Igel läuft stundenlang an der Grenze entlang und weicht am Ende auf die Straße aus.
Abhilfe schafft ein Durchschlupf am Boden. Der Naturschutzbund Österreich empfiehlt Zäune mit 10 bis 12 Zentimetern Abstand zum Boden – oder ein Loch darin: ein ausgesägtes Loch im Holzzaun, eine ausgesparte Stelle unter der Mauer, ein fertiges Igeltor. Für den Menschen kaum sichtbar, für den Igel der Unterschied zwischen Sackgasse und Revier.
Am wirksamsten ist es, wenn die Nachbarn mitmachen. Drei, vier verbundene Gärten ergeben bereits ein Revier, in dem ein Igel gut leben kann – eine kleine Igel-Autobahn durch die Straße.
Der Igel-Gartenkalender
Wann ist welche Rücksicht wichtig? Dieser Kalender fasst das Gartenjahr aus Igelsicht zusammen:
| Monat | Im Garten wichtig |
|---|---|
| März–April | Laubhaufen erst spät entfernen – Igel erwachen. Wasserschale aufstellen. |
| Mai | Paarungszeit: nachts nicht mähen, Garten nicht ausräumen. |
| Juni–Juli | Jungigel im Nest: Hecken nicht schneiden, Mähroboter nur tagsüber. |
| August | Jungigel sind unterwegs: Wasser anbieten, beim Mähen besonders aufpassen. |
| September | Winterspeck-Zeit: Insektenreiche Ecken stehen lassen. |
| Oktober | Laubhaufen anlegen, Igelhaus vorbereiten, bei Bedarf zufüttern. |
| November | Winterquartiere in Ruhe lassen; untergewichtige Igel melden. |
| Dezember–Februar | Nicht aufräumen, nicht umsetzen – Winterschlaf. |
Wann ein Igel im Garten Hilfe braucht
Ein Igel, der abends durch den Garten raschelt, ist genau da richtig, wo er ist – bitte einfach zuschauen und in Ruhe lassen. Handeln sollte man nur bei klaren Warnzeichen:
- Er liegt tagsüber sichtbar und regungslos herum.
- Er torkelt, wackelt oder liegt auf der Seite.
- Er ist verletzt oder von Fliegeneiern und Maden befallen.
- Er wiegt Anfang November deutlich unter 500 Gramm.
- Ein Jungigel piepst laut und läuft ziellos umher.
Checkliste: igelfreundlicher Garten
Zum Abhaken – wenn diese Punkte stimmen, ist dein Garten ein guter Ort für Igel:
- ☐ Wilde Ecke mit hohem Gras und Sträuchern vorhanden
- ☐ Laub- oder Reisighaufen als Unterschlupf und Winterquartier
- ☐ Durchschlupf (10 bis 12 cm Abstand zum Boden oder ein Loch) in Zaun oder Mauer
- ☐ Flache Wasserschale, täglich frisch – keine Milch
- ☐ Kein Schneckenkorn, kein Gift im Garten
- ☐ Mähroboter nachts abgeschaltet, vor dem Mähen Sichtkontrolle
- ☐ Kellerschächte, Gruben und Pool gesichert
- ☐ Netze abends eingerollt
- ☐ Hecken zwischen Juni und August nicht geschnitten
- ☐ Im Herbst Laub liegen gelassen

