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Familie · Lesen lernen

Lesen Buben wirklich weniger?

14 Punkte Unterschied in PIRLS, ein Einbruch seit 2016 – und die Frage, was davon am Lesenkönnen und was am Lesenwollen liegt.

Zwei Kinder liegen von oben gesehen bäuchlings am Boden und lesen – eines in einem dicken Geschichtenbuch, eines in einem großen Sachbuch; ringsherum liegen Comics, ein Magazin und ein Atlas.
Gelesene Wörter zählen – gleich, ob sie aus einem Roman oder aus einer Rekordliste kommen.

Dass Buben weniger lesen, gilt als ausgemacht. Die Zahlen bestätigen einen Unterschied, aber er ist kleiner und anders gelagert, als die Erzählung vermuten lässt – und er betrifft vor allem eine Frage: nicht das Können, sondern die Lust.

Interessant ist außerdem die Bewegung. Der Abstand in Österreich ist nicht stabil, sondern hat sich in den letzten Erhebungen vergrößert, und zwar nicht, weil Mädchen besser wurden.

Dieser Beitrag nennt die Zahlen, ordnet sie ein und sagt, was zu Hause wirkt. Der Überblick steht unter Lesen lernen.

Was die Zahlen sagen

Die verlässlichste Quelle für die Volksschule ist PIRLS, die internationale Lesestudie am Ende der vierten Schulstufe. In der Erhebung 2021 erreichte Österreich 530 Punkte gegenüber einem internationalen Mittel von 503, und Mädchen erzielten dabei um 14 Punkte mehr als Buben.

Bemerkenswerter als der Abstand ist seine Entwicklung. Buben lagen 2021 um 15 Punkte unter ihrem eigenen Wert von 2016 – der gewachsene Unterschied entstand also nicht dadurch, dass Mädchen zulegten, sondern dadurch, dass Buben verloren.

Bestätigt wird das Muster von der nationalen Kompetenzerhebung. Über die Jahre 2023 bis 2025 erreichen oder übertreffen 59 Prozent der Kinder am Ende der vierten Schulstufe die Bildungsstandards im Lesen, und Mädchen liegen dabei vor den Buben, ebenso beim Verfassen von Texten.

BefundZahl
Österreich in PIRLS 2021530 Punkte (international 503)
Vorsprung der Mädchen14 Punkte
Buben gegenüber 201615 Punkte weniger
Schwache Leserinnen und Leser20 Prozent
Spitzengruppe7 Prozent
Bildungsstandards im Lesen erreicht (4. Schulstufe)59 Prozent

14 Punkte: viel oder wenig?

Eine Punktzahl ohne Maßstab sagt nichts, deshalb zwei Vergleiche aus derselben Studie. Der Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund beträgt in Österreich 52 Punkte, der Nachteil mehrsprachig aufwachsender Kinder 48 Punkte.

Gegen diese Werte gehalten sind 14 Punkte ein kleiner Unterschied. Das Geschlecht ist damit nicht der wichtigste Faktor für die Lesekompetenz eines Kindes, sondern einer der schwächeren.

Praktisch heißt das: Ein Bub, der nicht gut liest, liest nicht deshalb schlecht, weil er ein Bub ist. Wer den Abstand als Erklärung nimmt, hört an der Stelle auf zu suchen, an der man anfangen müsste.

Der Unterschied innerhalb der Gruppen ist größer als der zwischen ihnen. Zwischen dem schwächsten und dem stärksten Buben einer vierten Klasse liegen mehrere Schulstufen; zwischen dem Durchschnitt der Buben und dem der Mädchen liegen 14 Punkte. Für ein einzelnes Kind ist die Gruppenaussage daher unbrauchbar. Sie taugt für Schulpolitik und für die Auswahl von Lesestoff in einer Klasse, nicht für die Einschätzung des eigenen Kindes.

Können oder wollen?

Auffällig ist, wo der Unterschied nicht auftritt. In der nationalen Erhebung liegen Buben in Mathematik vor den Mädchen, und beim Zuhören gibt es keinen bedeutsamen Unterschied – die Lücke betrifft also das Lesen und das Schreiben, nicht das sprachliche Verstehen überhaupt.

Dieser Befund verschiebt die Frage von der Fähigkeit zur Zuwendung. Lesen wird durch Lesen besser; wer weniger liest, bleibt langsamer, versteht weniger und liest deshalb noch weniger.

Am Anfang dieser Spirale steht keine Begabung, sondern eine Entscheidung darüber, wie man seine freie Zeit verbringt. Genau dort ist auch der Ansatzpunkt für Eltern.

Woher der Abstand kommt

Mehrere Erklärungen greifen zusammen, und keine allein trägt. Erstens das Angebot: Erzählende Kinderliteratur ist stark auf Beziehung, Innenleben und Alltag hin geschrieben, während Sachthemen, Humor, Tempo und Wettkampf seltener vorkommen – Muster, die einen Teil der Buben eher ansprechen.

Zweitens die Vorbilder. Vorgelesen wird in vielen Familien von Müttern, unterrichtet wird in der Volksschule fast ausschließlich von Frauen, und in der Bibliothek stehen überwiegend Frauen an der Theke. Ein Bub kann daraus schließen, dass Lesen etwas ist, was Frauen tun.

Drittens die Konkurrenz. Bildschirmangebote mit sofortiger Belohnung treffen bei Buben statistisch auf mehr Nutzungszeit, und die dort verbrachte Zeit fehlt beim Lesen. Der Einbruch um 15 Punkte seit 2016 fällt zeitlich mit dieser Verschiebung zusammen, was einen Zusammenhang nahelegt, aber nicht beweist.

Lesefreude: die Zahl, die alle betrifft

Eine PIRLS-Zahl wird in der Debatte über Buben regelmäßig übersehen: Nur 32 Prozent aller Kinder in Österreich geben an, viel Freude am Lesen zu haben. Zwei von drei Kindern lesen also ohne besonderes Vergnügen, unabhängig vom Geschlecht.

Damit ist die Lesefreude kein Buben-Thema, sondern ein allgemeines. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt eher darin, wie sichtbar die fehlende Freude wird – Buben verweigern häufiger offen, Mädchen erledigen es eher pflichtgemäß.

Für Eltern folgt daraus eine nützliche Verschiebung des Ziels. Nicht »mein Sohn soll so viel lesen wie seine Schwester«, sondern »mein Kind soll etwas finden, das es freiwillig liest«.

Befund aus PIRLS 2021Anteil
Viel Freude am Lesen32 Prozent
Hohes Leseselbstkonzept51 Prozent
Zur Risikogruppe zählend20 Prozent
Unter der untersten Kompetenzstufe4 Prozent

Was zu Hause wirkt

Wirksam ist an erster Stelle der passende Stoff, und der Maßstab dafür ist nicht literarische Qualität, sondern freiwilliges Weiterlesen. Die Plattform boys & books, hinter der drei Hochschulen stehen, sammelt Titel nach diesem Kriterium und formuliert den Leitsatz so: Nur wer gerne liest, wird viel und dadurch besser lesen.

Bemerkenswert an derselben Quelle ist eine Unterscheidung. Leseflüssigkeit und Textverstehen lassen sich geschlechterübergreifend fördern; bei Lesemotivation und Lesefreude sollen entwicklungsspezifische Unterschiede berücksichtigt werden.

Praktisch heißt das: Beim Üben braucht es keine Buben-Methode, bei der Buchauswahl sehr wohl einen Blick darauf, was dieses Kind freiwillig aufschlägt.

StattBesser
»Lies endlich ein richtiges Buch.«Comic, Sachbuch, Fußballmagazin gelten auch
Ein Buch, weil es pädagogisch wertvoll istEin Buch, das das Kind freiwillig weiterliest
Zwanzig Minuten am StückZweimal sieben Minuten, dafür täglich
Die Mutter liest vorDer Vater, Opa oder große Bruder liest vor
»Du liest zu wenig.«»Ich lese das gerade. Magst du eine Seite?«
Nur ErzählungenAnleitungen, Rekorde, Karten, Rätsel, Sachtexte
Lesende Männer sind eine Maßnahme. Wenn ein Bub nie einen Mann mit einem Buch sieht, ordnet er Lesen der weiblichen Seite des Haushalts zu – und diese Zuordnung geschieht, ohne dass jemand darüber redet. Ein Vater, der zehn Minuten sichtbar in der Küche liest, wirkt daher mehr als eine Aufforderung. Dasselbe gilt für Großvater, Onkel oder Patenonkel; wichtig ist nur die Sichtbarkeit und nicht die Menge.

Kurze Formate und Sachtexte

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft das Format. Als Lesen zählt in vielen Familien nur der durchgehende Roman, während Sachtexte, Comics, Anleitungen, Spielregeln, Rezepte und Rekordlisten nicht mitgezählt werden.

Diese Zählweise schadet, weil sie bei Kindern, die gerne Kurzes und Faktisches lesen, den Eindruck erzeugt, sie würden nicht lesen. Fachlich ist das falsch: Leseflüssigkeit entsteht durch Wortmenge, gleich welcher Art.

Praktisch bewährt sich deshalb ein breites Angebot am Frühstückstisch und im Auto. Ein Buch mit Rekorden, ein Atlas, ein Comic und ein Magazin bringen in einer Woche oft mehr gelesene Wörter zusammen als ein Roman, der zäh vorangeht.

Wenn es nicht am Wollen liegt

Vor allen Motivationsfragen gehört eine andere Möglichkeit geprüft: dass das Lesen selbst noch zu anstrengend ist. Ein Kind, das pro Zeile arbeitet, hat am Inhalt nichts zu gewinnen und vermeidet folgerichtig.

Anhaltspunkte dafür sind stockendes Lesen über die zweite Schulstufe hinaus, Raten statt Lesen, Auslassen von Zeilen, auffällige Erschöpfung nach wenigen Minuten. In diesem Fall hilft keine Buchempfehlung, sondern Üben an der Flüssigkeit.

Wie sich Lesetempo einordnen lässt, steht unter Lesetempo nach Schulstufe; zur Abgrenzung einer Lese-Rechtschreib-Störung siehe Legasthenie und LRS in Österreich.

Was man sich nicht einreden soll

Zwei Sätze richten im Alltag Schaden an, und beide klingen harmlos. Der erste lautet, Buben lesen halt nicht – eine Entlastung für alle Beteiligten, die ein Kind bei 20 Prozent Risikogruppe teuer bezahlt.

Der zweite Satz lautet, das kommt schon noch. Zutreffen kann das, aber die Lesespirale läuft in beide Richtungen: Wer in der dritten Klasse wenig liest, liest in der vierten noch weniger, weil es schwerer geworden ist.

Angemessen ist zwischen beidem die nüchterne Haltung: kein Drama, aber eine Aufgabe. Zehn Minuten täglich mit dem richtigen Stoff verändern innerhalb eines Schuljahres mehr, als die Diskussion über Geschlechterunterschiede je verändern wird.

Angaben geprüft: September 2026. Beträge, Fristen und Empfehlungen werden jährlich nachgesehen.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zum Thema

Lesen Buben wirklich schlechter als Mädchen?
Es gibt einen Unterschied, und er ist kleiner als sein Ruf. In PIRLS 2021, der internationalen Lesestudie am Ende der vierten Schulstufe, erreichte Österreich 530 Punkte gegenüber einem internationalen Mittel von 503; Mädchen erzielten dabei um 14 Punkte mehr als Buben. Bestätigt wird das Muster von der nationalen Kompetenzerhebung, in der Mädchen im Lesen und im Verfassen von Texten vor den Buben liegen. In Mathematik ist es umgekehrt, und beim Zuhören gibt es keinen bedeutsamen Unterschied. Die Lücke betrifft damit das Lesen und Schreiben und nicht das sprachliche Verstehen überhaupt. Über die Jahre 2023 bis 2025 erreichen 59 Prozent der Kinder am Ende der vierten Schulstufe die Bildungsstandards im Lesen. 20 Prozent zählen in PIRLS zur Risikogruppe, 7 Prozent zur Spitzengruppe. Die Gruppenaussage taugt für Schulpolitik, nicht für die Einschätzung eines einzelnen Kindes.
Wie groß sind 14 Punkte Unterschied wirklich?
Klein, sobald man sie mit anderen Unterschieden aus derselben Studie vergleicht. Der Abstand zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund beträgt in Österreich 52 Punkte, der Nachteil mehrsprachig aufwachsender Kinder 48 Punkte. Das Geschlecht ist damit nicht der wichtigste Faktor für die Lesekompetenz eines Kindes, sondern einer der schwächeren. Praktisch heißt das: Ein Bub, der nicht gut liest, liest nicht deshalb schlecht, weil er ein Bub ist. Wer den Gruppenunterschied als Erklärung nimmt, hört genau dort auf zu suchen, wo man anfangen müsste. Zwischen dem schwächsten und dem stärksten Buben einer vierten Klasse liegen mehrere Schulstufen. Der Unterschied innerhalb der Gruppen ist damit größer als der zwischen ihnen. Für die Auswahl von Lesestoff in einer Klasse bleibt der Befund dennoch brauchbar. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Ist der Unterschied größer geworden?
Ja, und die Richtung ist bemerkenswert. Buben lagen in PIRLS 2021 um 15 Punkte unter ihrem eigenen Wert von 2016 – der gewachsene Abstand entstand also nicht dadurch, dass Mädchen zulegten, sondern dadurch, dass Buben verloren. Zeitlich fällt der Einbruch mit der Ausweitung von Bildschirmangeboten zusammen, die sofortige Belohnung bieten und bei Buben statistisch auf mehr Nutzungszeit treffen. Ein Zusammenhang liegt damit nahe, bewiesen ist er nicht. Belegt ist nur, dass die dort verbrachte Zeit beim Lesen fehlt. Lesen wird durch Lesen besser: Wer weniger liest, bleibt langsamer und liest deshalb noch weniger. Am Anfang dieser Spirale steht keine Begabung, sondern eine Entscheidung über die freie Zeit. Genau dort ist auch der Ansatzpunkt für Eltern. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch. Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern was beim Kind ankommt.
Warum lesen Buben weniger gern?
Mehrere Erklärungen greifen zusammen, keine trägt allein. Erstens das Angebot: Erzählende Kinderliteratur ist stark auf Beziehung, Innenleben und Alltag hin geschrieben, während Sachthemen, Humor, Tempo und Wettkampf seltener vorkommen – Muster, die einen Teil der Buben eher ansprechen. Zweitens die Vorbilder: Vorgelesen wird meist von Müttern, unterrichtet wird in der Volksschule fast ausschließlich von Frauen, und ein Bub kann daraus schließen, dass Lesen etwas ist, was Frauen tun. Drittens die Konkurrenz durch Bildschirmangebote mit sofortiger Belohnung. Der Einbruch um 15 Punkte seit 2016 fällt zeitlich mit dieser Verschiebung zusammen. Ein Bub, der nie einen Mann mit einem Buch sieht, zieht daraus seine eigenen Schlüsse. Keine der drei Erklärungen trägt allein, zusammen erklären sie viel. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Was hilft, damit ein Bub mehr liest?
An erster Stelle der passende Stoff, und der Maßstab dafür ist nicht literarische Qualität, sondern freiwilliges Weiterlesen. Die Plattform boys & books, hinter der drei Hochschulen stehen, sammelt Titel nach diesem Kriterium und formuliert es so: Nur wer gerne liest, wird viel und dadurch besser lesen. Dieselbe Quelle trifft eine nützliche Unterscheidung – Leseflüssigkeit und Textverstehen lassen sich geschlechterübergreifend fördern, bei Lesemotivation und Lesefreude sollen entwicklungsspezifische Unterschiede berücksichtigt werden. Beim Üben braucht es keine Buben-Methode, bei der Buchauswahl schon. Nur 32 Prozent aller Kinder in Österreich geben an, viel Freude am Lesen zu haben. Das Ziel verschiebt sich damit von der Menge auf das freiwillige Weiterlesen. Buben verweigern häufiger offen, Mädchen erledigen es eher pflichtgemäß. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Zählen Comics und Sachbücher als Lesen?
Ja, und die gegenteilige Zählweise schadet. In vielen Familien gilt nur der durchgehende Roman als Lesen, während Sachtexte, Comics, Anleitungen, Spielregeln, Rezepte und Rekordlisten nicht mitgezählt werden. Bei Kindern, die gerne Kurzes und Faktisches lesen, entsteht dadurch der Eindruck, sie würden nicht lesen. Fachlich ist das falsch: Leseflüssigkeit entsteht durch Wortmenge, gleich welcher Art. Ein Buch mit Rekorden, ein Atlas, ein Comic und ein Magazin bringen in einer Woche oft mehr gelesene Wörter zusammen als ein Roman, der zäh vorangeht. Als Maßstab taugt nicht die literarische Qualität, sondern das freiwillige Weiterlesen. Zweimal sieben Minuten täglich wirken mehr als zwanzig Minuten am Stück einmal pro Woche. Anleitungen, Rekorde, Karten und Rätsel gehören ausdrücklich dazu. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Sind lesende Väter wirklich wichtig?
Sichtbarkeit wirkt, und sie wirkt ohne Worte. Wenn ein Bub nie einen Mann mit einem Buch sieht, ordnet er Lesen der weiblichen Seite des Haushalts zu, und diese Zuordnung geschieht, ohne dass jemand darüber redet. Ein Vater, der zehn Minuten sichtbar in der Küche liest, wirkt daher mehr als jede Aufforderung; dasselbe gilt für Großvater, Onkel oder Patenonkel. Wichtig ist nur die Sichtbarkeit und nicht die Menge. Ebenso brauchbar ist es, wenn der Vater und nicht nur die Mutter vorliest – auch noch, wenn das Kind schon selbst lesen kann. Leseflüssigkeit entsteht durch Wortmenge, gleich welcher Art. Ein Atlas und ein Comic bringen in einer Woche oft mehr gelesene Wörter als ein zäher Roman. Wer nur Romane zählt, erzeugt bei manchen Kindern den falschen Eindruck, sie würden nicht lesen. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
Wann ist es kein Motivationsproblem?
Wenn das Lesen selbst noch zu anstrengend ist. Ein Kind, das pro Zeile arbeitet, hat am Inhalt nichts zu gewinnen und vermeidet folgerichtig. Anhaltspunkte sind stockendes Lesen über die zweite Schulstufe hinaus, Raten statt Lesen, das Auslassen von Zeilen und auffällige Erschöpfung nach wenigen Minuten. In diesem Fall hilft keine Buchempfehlung, sondern Üben an der Flüssigkeit, etwa mit wiederholtem Lautlesen derselben kurzen Textstelle. Rund 100 Wörter pro Minute markieren den Übergang zum flüssigen Lesen; darunter geht Kapazität für das Verstehen verloren. Rund 100 Wörter pro Minute markieren den Übergang zum flüssigen Lesen. Darunter geht Kapazität verloren, die zum Verstehen gebraucht wird. Wiederholtes Lautlesen derselben kurzen Textstelle ist dafür das einfachste Mittel. Wirksam wird das erst durch Wiederholung über Wochen und nicht durch ein einzelnes Gespräch.
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