Viele wünschen sich einen Igel im Garten und fragen, wie man ihn „ansiedelt“ oder „hält“. Wichtig vorweg: Igel sind geschützte Wildtiere – man darf sie nicht halten oder einsperren. Aber man kann sie ganz gezielt anlocken und zum Bleiben einladen.
Der Weg dorthin führt über drei Dinge: Nahrung (also Insekten), Deckung (also Laub, Reisig, Hecken) und Zugang (also Durchschlüpfe im Zaun). Wer alle drei bietet, hat meist innerhalb einer Saison Besuch.
So machst du deinen Garten zum Igel-Magneten.
Der naturnahe Garten als Einladung
Igel lieben Gärten, die nicht zu aufgeräumt sind. Wilde Ecken, Laub- und Reisighaufen, dichte Hecken und heimische Sträucher bieten Unterschlupf und locken Insekten an – die Nahrung des Igels. Ein perfekt gemähter, „sauberer“ Garten dagegen ist für Igel eine Wüste.
Schon eine ungenutzte Ecke, die du einfach wachsen lässt, ist der erste Schritt. Wichtig ist, dass sie dauerhaft bleibt: Igel brauchen Verlässlichkeit, kein Wechselspiel aus Wildnis und Kahlschlag.
| So ja | So besser nicht |
|---|---|
| wilde Ecke & Laubhaufen | alles kurz gemäht |
| Durchschlüpfe im Zaun | lückenlose Betonmauern |
| heimische Sträucher & Hecken | Schotter- und Steingärten |
| giftfrei gärtnern | Schneckenkorn & Pestizide |
| Totholz und Reisig liegen lassen | Laubsauger und Häcksler im Herbst |
Pflanzen, die Igel anlocken
Igel fressen keine Pflanzen – aber Pflanzen entscheiden darüber, ob es genug Insekten gibt. Heimische Arten tragen dabei um ein Vielfaches mehr als exotische Ziergehölze.
| Pflanzung | Was sie bringt |
|---|---|
| Heimische Hecke (Weißdorn, Liguster, Hainbuche) | Deckung, Nistplatz, Igel-Straße |
| Beerensträucher & Holunder | viele Insekten und Larven |
| Wildblumenwiese statt Zierrasen | Käfer, Raupen, Ohrwürmer |
| Efeu an Mauer oder Baum | späte Insektennahrung, Deckung |
| Totholz- und Laubecke | Würmer, Käferlarven, Winterquartier |
Igelhaus: kaufen oder selber bauen
Ein Igelhaus dient als Unterschlupf und Winterquartier – besonders dort, wo kein Platz für einen großen Laubhaufen ist. Bewährt haben sich Häuser aus unbehandeltem Holz mit rund 30 × 40 Zentimetern Grundfläche, einem Eingang von etwa 10 bis 12 Zentimetern und einem kleinen Vorraum, damit Katze und Marder nicht hineingreifen können.
Selber bauen ist einfach: vier Wände, ein abnehmbarer Deckel für die jährliche Reinigung, keine Lacke oder Lasuren, keine Metallteile im Innenraum. Das Dach schützt vor Regen, sollte aber Luft lassen, damit sich keine Nässe staut.
Innen genügt trockenes Laub oder Stroh als Einstreu – Heu schimmelt zu schnell. Gereinigt wird einmal jährlich im Frühjahr, wenn das Haus sicher leer ist.
Der Durchschlupf: die Igel-Autobahn durch die Nachbarschaft
Die wirksamste einzelne Maßnahme ist auch die billigste: ein Durchschlupf von etwa 10 bis 12 Zentimetern am Boden des Zauns. Ein ausgesägtes Loch im Holzzaun, eine ausgesparte Stelle unter der Mauer oder ein fertiges Igeltor genügen.
Der Grund: Ein einzelner Garten ist für einen Igel zu klein. Erst wenn mehrere Grundstücke verbunden sind, entsteht ein Revier, in dem er dauerhaft leben kann.
Am besten spricht man die Nachbarn an – drei, vier verbundene Gärten machen aus einer Sackgasse eine Igel-Autobahn, und niemand muss dafür seinen Zaun abbauen.
Wasser- und Futterstelle
Eine flache Wasserschale ist immer gut – im Sommer gegen die Trockenheit, im Frühjahr für die ausgehungerten Tiere nach dem Winterschlaf. Niemals Milch: Igel vertragen sie nicht und bekommen schweren Durchfall.
Zufüttern kannst du im Herbst mit etwas fleischhaltigem Katzennassfutter, damit sich die Igel Winterspeck anfressen. Im Sommer ist Zufüttern in einem naturnahen Garten meist nicht nötig. Alles zum Speiseplan steht unter Was fressen Igel?
Damit nicht die Nachbarskatze alles wegfrisst, hilft ein Futterhaus mit kleinem Eingang. Reste räumt man morgens weg.
Gefahren vermeiden
Wer Igel anlocken will, muss auch die Fallen entschärfen. Sonst wird der Garten zur Gefahr statt zum Zuhause:
- Mähroboter und Rasentrimmer nur tagsüber und mit Vorsicht einsetzen.
- Kellerschächte und Gruben abdecken oder eine Ausstiegshilfe hineinlegen.
- Auf Gift und Schneckenkorn verzichten.
- Netze (z. B. Fußballtore) nachts einrollen – Igel verheddern sich darin.
- Vor dem Häckseln oder Verbrennen jeden Laub- und Reisighaufen umschichten.
Wie lange dauert es, bis ein Igel kommt?
Das hängt vor allem davon ab, ob in der Umgebung überhaupt Igel leben. Wo es sie gibt, dauert es oft nur Wochen: Sobald Deckung, Insekten und ein Durchschlupf da sind, wird der Garten in die nächtliche Route aufgenommen.
Die beste Zeit, um damit anzufangen, ist der Spätsommer und Herbst – dann suchen Igel aktiv nach Winterquartieren. Ein im Oktober angelegter Laubhaufen wird erstaunlich oft schon im selben Jahr bezogen.
Und wenn kein Igel kommt: Das ist kein Misserfolg. Der naturnahe Garten nützt in der Zwischenzeit Vögeln, Kröten, Bienen und Käfern genauso.

